Neu Zusammengestellt und neu
herausgegeben von Matthias Köpke
Alles „zum Besten
der Menschheit“
Ziele und Wege des Illuminaten¬
ordens Adam Weishaupts
Eine Abhandlung von Dieter Wächter zu Erich
Ludendorffs 45. Todestag. Fortsetzungen in
dreiundzwanzig Teilen, erschienen in
„Mensch und Maß“ der Jahre 1982-1985!
1. Auflage
Eigenverlag, 2018.
Youtube-Internetkanal Esausegen unter:
www.youtube.com/user/Genesis2740blessing
Fast alle Beiträge in vorliegender Schrift sind der Zeitschrift
„Mensch und Maß“ entnommen. Diese Schrift erscheint im
Verlag Hohe Warte, damals war der Verleger Franz Karg von
Bebenburg. Die Quellennachweise befinden sich jeweils vor
den Beiträgen oder im Inhaltsverzeichnis. Man beachte
auch die Literaturhinweise am Ende dieser Schrift.
Erich und Mathilde Ludendorff
„Wehe dem Volk, dem die Geschichte nicht Lehrmeisterin sein kann!“
Diese Schrift dient der geschichtlichen
Forschung und wissenschaftlichen
Dokumentation
Zusammengestellt durch:
Matthias Köpke, Eigenverlag 2018,17291 Nordwestuckermark,
Germany. E-mail: Esausegen@aol.com
1. Auflage
Diese vorliegende Schrift und deren Verfasser beanspruchen für
sich den Esausegen gemäß 1. Mose (Genesis) 27, 40 und stehen
somit unter dem Schutz des Esausegens als oberste gesetzliche
Regelung für alle Jahwehgläubigen!
Nähere Informationen zum Esausegen sind in den Werken:
„Das wahre Gesicht von Jakob dem Betrüger“, „Der jüdische Sinn
von Beschneidung und Taufe“, „Der Papst oberster Gerichtsherr in
der BR Deutschland“ und „Das offene Tor“ von Matthias Köpke, jeweils
als E-Book und Freeware unter www.archive.org oder www.scribd.com
enthalten! Dasselbe gilt für die anderen Werke von Köpke.
Dieses eBook ist Freeware. Weitergabe, Vervielfältigung, Ausdruck und Speicherung in
elektronischen Medien sind für Privatpersonen und Bildungseinrichtungen frei. Die
gewerbliche bzw. kommerzielle Nutzung bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des
Autors. Das eBook „Alles ,zum Besten der Menschheit’“ darf ohne das Einverständnis
des Autors nicht verändert werden.
Weitere Bücher von Matthias Köpke. als e-Book im Internet www.archive.org :
1. „Das wahre Gesicht von Jakob dem Betrüger“, 2. „Das Buch der Kriege Jahwehs“, 3. „Kampf für Wahlenthaltung“, 4.
„Kampfgift Alkohol“, 5. „Der Freiheitskampf des Hauses Ludendorff“, 6. „Der Papst, oberster Gerichtsherr der BR
Deutschland“, 7. „Der jüdische Sinn von Beschneidung und Taufe“, 8. „Scheinwerfer-Leuchten“, 9. „Haus Ludendorff und
Wort Gottes“, 10. „Jahweh, Esausegen und Jakobs Joch“, 11. „Es war vor einhundert Jahren“, 12. „Destruction of
Freemasonry through Revelation of their Secrets“. 13. „Denkschrift: Mit brennender Sorge“, Offener Brief. 14. „Warum sind
meine Kinder nicht geimpft?“. 15. „Vom Wesen und Wirken des Bibelgottes Jahweh und seiner Kirche“. 16.
„Schrifttumsverzeichnis von Erich Ludendorff und Dr. Mathilde Ludendorff“. 17. „Drei Irrtümer und ihre Folgen“. 18. „Erich
Ludendorff. Eine Antwort auf Verleumdungen des Toten“. 19. „Meine Klage vor den Kirchen- und Rabbinergerichten“. 20.
„Das offene Tor“. 21. Die Ludendorff-Bewegung und der Nationalsozialismus“. 22. „Die Hochflut des Okkultismus“. 23.
„Mathilde Ludendorff. Eine Antwort auf Verleumdungen der Toten“. 24. „Eine vollkommene Gesellschaftsordnung?“. 25.
„Am Heiligen Quell - Beilage zur Ludendorffs Volkswarte 1929-1931“. 26. „Mathilde Ludendorffs Bedeutung für die Frauen“.
27. „Die Spaltung der Ost- und Westkirche“. 28. „Von ,Gott’ zu Gott - Das von Wahn überschattete Wort?“. 29. „Der
geschichtliche und der biblische Jesus“. 30. „Das päpstliche Rom gegen das deutsche Reich“. 31. „Wahrheit oder Lug und
List“. 32. „Die Weite der Weltdeutung Mathilde Ludendorffs“. 33. „Vergleich einiger Rassenlehren“. 34. „Haben die 3 großen
Weltreligionen etwas mit der Flüchtlingskrise zu tun?“ 35. „Die Mission des Rudolf Steiner“. 36. „Ludendorff und Hitler“. 37.
„Mathilde Ludendorffs Auseinandersetzung mit dem Okkultismus“. 38. „Die Philosophin und der Feldherr“. 39. „Alles ,zum
Besten der Menschheit’ - Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts“. 40. „Statt okkulter Priesterherrschaft -
Gotterkenntnis“. 41. „Der Pensionsprozeß Ludendorff - Eine Dokumentation“. 42. „Seelenabrichtung durch Magie und
Kult“. 43.. „Ist die Bibel ein jüdisches Geschichtsbuch?“. 44. „Wie wird das Werk Mathilde Ludendorffs im Leben wirksam?“.
45. „Auf der Suche nach Sicherheit und Gewissheit“. 46. „Ludendorffsche Philosophie und Darwinismus“. 47. Wie frei ist der
Mensch? - Gedanken über die Freiheit“. 48. „Mathilde Ludendorff und das Ende der Religionen“. 49. „Vom Denken in der
griechischen Antike bis zur Gegenwart“. 50. „Die Gotterkenntnis Ludendorff als zeitgemäße Lösung der Volkserhaltung“. 51.
„Mathilde Ludendorffs Loslösung vom Christentum und das Werden ihrer Gotterkenntnis“. 52. „Die Bedeutung Mathilde
Ludendorffs für die Welt“. 53. „Die ersten Blutopfer .unserer Freiheit’“. 54. „Warum die Weltfreimaurerei Mathilde
Ludendorff so ,liebt’“. 55. „Wie und warum das Haus Ludendorff zum Gegner der Freimaurerei wurde“. 56. „Unser
Marxismus - eine unserer Verirrungen“. 57. „Omnia instaurare in Christo - Alles in Christus erneuern“.
Hinweis des Verlages
Auch in der israelischen Gesellschaft gibt es laut Prof. Israel Shahak*, der einige Jahre
Vorsitzender der Israelischen Liga fiir Menschenrechte war, und dem amerikanischen
jüdischen Wissenschaftler Norton Mezvinsky** - dem mohammedanischen und
christlichen Fundamentalismus vergleichbar - extremistische Bestrebungen, die allen
nichtjüdischen Personen und Völkern die Menschenwürde aus religiöser Überzeugung
absprechen; sie verletzen die von der Menschenrechtskommission sowie die im
Grundgesetz garantierten Grundrechte und die freiheitlich-rechtsstaatliche Ordnung.
Über extremistische Verhaltensweisen - ganz gleich welchen Ursprungs diese sind -
aufzuklären und ihre geistigen Grundlagen sowie ihre politischen Zielsetzungen
offenzulegen, ist ein Gebot der rechtsstaatlichen Selbstbehauptung und stellt
berechtigte Notwehr dar.
Den imperialistischen Bestrebungen des im Mosaismus (Judentum, Christentum,
Islam) wurzelnden Extremismus der sogenannten Jakob-Fraktion, (vgl. 1. Mose 27,
Vers 28-29):
„So gebe dir Gott (Jahweh) vom Tau des Himmels und vom Fett der Erde und Korn und
Most in Fülle! Völker sollen dir dienen und Völkerschaflen sich vor dir niederbeugen! Sei
Herr über deine Brüder, und vor dir sollen sich niederbeugen die Söhne deiner Mutter! Die
dirßuchen, seien verflucht, und die dich segnen, seien gesegnet!“
kann spätestens seit 1948 der im Aufträge des mosaischen Gottes Jahweh den
Nichtjuden in der Verkörperung Esaus erteilte Segen entgegengehalten werden
(1. Mose 27, Vers 40, Satz 2 der Luther-Bibel, Stuttgart 1902,19. Auflage):
„Und es wird geschehen, daß du auch ein Herr und sein (Jakobs) Joch von
deinem Halse reißen wirst.“
Nach mosaistischer Sicht wäre eine Behinderung oder gar Verhinderung dieses
Hervortretens mit dem Esausegen gleichbedeutend mit einem grundsätzlichen Bruch
des Bundes mit Jahweh und die Verhinderung der Ankunft des Messias ,
welche die Verfluchung und Vernichtung durch Jahweh nach sich zöge. Nach
dieser Lehre würde jeder Jude oder von Juden abhängige Nichtjude (künstlicher Jude
wie z.B. Christen, Freimaurer, Mohammedaner usw.), der diesem Segen zuwider handelt, den
Zorn Jahwehs auf sich und die jüdische Gesellschaft heraufbeschwören und
dadurch die Vernichtung Groß-Israels (Jakobs) durch Jahweh fördern.*** Siehe
dazu: Der Fluch des Ungehorsams, 5. Mose 28, 15-68; davon bes. Vers 58! Der Bann setzt sich
automatisch in Kraft, sobald der Esausegen verletzt wird (z.B. in der röm.-katholischen
Kirche u.a. die „excommunicatio latae sententiae“ [Strafe für Ungehorsam]).
Letztendlich wird, wie es in der Weissagung des Mosaismus heißt, die allseitige
Einhaltung des Esausegens - ohne den Juden zu fluchen - zum weltweiten
Frieden zwischen Juden (auch künstlichen Juden) und Nichtjuden führen.
*Israel Shahak t (Jerusalem): „Jüdische Geschichte, jüdische Religion - Der Einfluß von 3000
Jahren 5. Kapitel: Die Gesetze gegen Nichtjuden, Seite 139-180, Süderbrarup 1998, Lühe
Verlag, Postfach 1249, D-24390 Süderbrarup.
**Israel Shahak u. Norton Mezvinsky: „Jewish Fundamentalism in Israel ", 176 Seiten, London
1999, Pluto Press, 345 Archway Road, London N6 5AA.
*** Roland Bohlinger: „Denkschrift auf der Grundlage des geltenden Völkerrechts und des im
Alten Testament verkündeten Jakob- und Esausegens veröffentlicht in „Freiheit und
Recht“, Viöl im Nov. 2002.
Inhaltsverzeichnis
(laut PDF-Seitenzähler)
1. Wie das Heute anfing (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 24/1982) . 10
2. Der Gründer (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 2/1983) . 15
3. Die Gründung (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 3/1983) . 20
4. Macher und „Revolutionsprediger“ Adolf Freiherr v. Knigge
(Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 4/1983) . 25
5. Die schwarze Diktatur (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 1/1984) . 30
6. Die Wahnlehre (Ideologie) (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 4/1984) . 37
7. Ins „Reich der Freiheit (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 5/1984) . 43
8. Das überstaatliche Ziel ( Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 6/1984) . 48
9. Der Ordensaufbau ( Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 7/1984) . 53
10. Der „Welterziehungsplan“ (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 9/1984) . 57
11. Die Stufen zur „Vollkommenheit“ (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 10/1984) . 61
12. Das „Menschenfischen“ (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 11/1984) . 67
13. Kadavergehorsam ( Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 12/1984) . 71
14. Das „Geheimnis“ (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 13/1984) . 75
15. Die Mittel und Wege (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 14/1984) . 80
16. Das Ritual (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 15/1984) . 85
17. Das Spinnennetz (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 16/1984) . 89
18. Illuminatismus und Logentum (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 18/1984) . 93
19. Jesuitisch gesteuert? (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 19/1984) . 97
20. Ordenserfolge ( Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 22/1984) . 105
21. Verfall und Verbote (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 3 /1985) . 113
22. Sein „Geist“ lebt ( Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 4/1985) . 118
23. Illuminatismus (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 5/1985) . 125
24. Literaturhinweise . 131
Zum Geleit
Eine Ergänzung zu vorliegender Arbeit leisten noch folgende Schriften (im
Internet unter www.archive.org . www.scribd,com als PDF-Datei erhältlich):
Zusammengestellt und herausgegeben von
Matthias Köpke
Zusammengestellt und herausgegeben von
Matthias Köpke
Statt okkulter
Wie und warum das Haus
Priesterherrschaft
Ludendorff zum Gegner
- Gotterkenntnis
der Freimaurerei wurde
„Magisches Denken“ in unserer Zeit?
Fortsetzung der Schrift: „Warum die
Weltfreimaurerei Mathilde Ludendorff so ,liebt’“
Eine Sammlung von Aufsätzen - aus der
Gedankenwelt des Hauses Ludendorff.
Eine Sammlung von Aufsätzen - aus der
Gedankenwelt des Hauses Ludendorff.
l. Auflage
Eigenverlag, 2018
1. Auflage
Eigenverlag, 2018
Hier jeweils der Direktlink zur digitalisierten Internetausgabe:
https://archive.org/details/KoepkeMatthiasStattOkkulterPriesterherrschaftGotterkenntnis
https://archive.org/details/KoepkeMatthiasWieUndWarumDasHausLudendorff 2 umGegnerDer
Zusammengestellt und herausgegeben von
Zusammengestellt und herausgegeben von
Matthias Köpke
Matthias Köpke
Seelenabrichtung durch
Warum die Welt-
Magie und Kult
freimaurerei Mathilde
Ludendorff so ,liebt’
Von freimaurerischem und anderem
Herrschahswissen.
Fortsetzung der Schrift „Wie und warum das
Eine Sammlung von Aufsätzen - aus der
Haus Ludendorff zum Gegner der
Freimaurerei wurde“
Gedankenwelt des Hauses Ludendorff.
1. Auflage
1. Auflage
Eigenverlag, 2018
Eigenverlag, 2018
Hier jeweils der Direktlink zur digitalisierten Internetausgabe:
https://archive.org/details/GuntherDudaSeelenabrichtungDurchMagieUndKult
https: / / archive.org/details/KoepkeMatthiasWarumDieWeltfreimaurereiMathildeLudendorffSoLiebt
Sehr zu empfehlen bezüglich der Gotterkenntnis
Ludendorff sind auch noch folgende e-Bücher:
Zusammengestellt und herausgegeben von
Zusammengestellt und herausgegeben von
Matthias Köpke
Matthias Köpke
Von „Gott“ zu Gott
Die Weite
der Weltdeutung
Das von Wahn
Mathilde Ludendorffs
überschattete Wort?
Die Philosophie als lebenswichtige
Wissenschaft? Gotterkenntnis - der
Eine Dokumentation
Weg in die Freiheit?
zur Gotterkenntnis (Ludendorff).
Eine Sammlung von Aufsätzen -
aus der Gedankenwelt des Hauses Ludendorff.
1. Auflage
Eigenverlag, 2017
1. Auflage
Eigenverlag, 2017
Hier jeweils der Direktlink zur digitalisierten Internetausgabe:
https://archive.org/details/K0epkeMatthiasV0nG0ttZuG0tt1.Auflage2017
https://archive.0rg/details/K0epkeMatthiasDieWeiteDerWeltdeutungMathildeLudend0rffs1.Auflage2017
Zusammengestellt und herausgegeben von
Matthias Köpke
Neu Zusammengestellt und neu herausgegeben
von Matthias Köpke
Mathilde Ludendorffs
Auseinandersetzung mit
Die Hochflut des
Okkultismus
dem Okkultismus
Eine Sammlung von Aufsätzen - aus der
Eine Sammlung von Abhandlungen über
Okkultismus und Aberglauben.
Gedankenwelt des Hauses Ludendorff.
Aus der Gedankenwelt des Hauses
Ludendorff
1. Auflage
1. Auflage
Eigenverlag, 2018
Eigenverlag, 2018
Hier die Direktlinks zu diesen e-Büchern:
https: / / archive.org/details/MatthiasKoepkeMathildeLudendorffsAuseinandersetzungMitDemOkkultismus
https://archive.org/details/KoepkeMatthiasDieHochflutDesOkkultismusEigenverlag20i6
B 4157 DX
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DRÄNGENDE LEBENSFRAGEN IN NEUER SICHT
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Inhalts-Übersicht
Alles „zum Besten der Menschheit — Ziele und Wege des
Illuminaten-Ordens Adam Weishaupts/Von Dieter Wächter 1105
Als der König starb — Aus I. Kants Briefwechsel unter
Friedrich Wilhelm II. / Von Hans Kopp
Das Übel in der Welt und der Sinn des Lebens /
Von Dietrich Cornelius
Ein deutscher Philosoph in unserer Zeit — Aus Briefen
Mathilde Ludendorffs
1109
1123
1128
Zum Zeitgeschehen 1136
Politische Schlaglichter: Werden die geplanten US-Waffen im
Herbst 1983 bei uns stationiert? (1135) / Sowjetboote als Spiona¬
gefahrzeuge (1137) / Israels Großmachtträume (1138) / Zu den
deutsch-deutschen Beziehungen (1140) / Begrenzter Atomkrieg
unter Europäern? (1141) / Aufgespießt: Unvereinbare Welten
(1142) / Ein neues Blatt (1143) / Israel (1144) / Die Wende (1144) /
„Untergang des Abendlandes“? (1146) / Vor 50 Jahren (1146)
Umschau 1148
Freiheit schöner Götterfunken? (1148) / Hetze als Tradition (1149)
Leserbriefe 1150
jttenfd) unti Jkta$
DRÄNGENDE LEBENSFRAGEN IN NEUER SICHT
Folge 24 23.12.1982 22. Jahr
2Ulc6 „jura 23eften bet 2Ttenfcf)f>rif
Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Zum 45. Todestag Erich Ludendorffs / Von Dieter Wächter
Nie werden wir den Gang der Weltgeschichte ... ver¬
stehen, wenn wir die Wirkung der Glaubenslehre als
geschichtegestaltende Kraft außer Acht lassen.
Erich Ludendorff
Ob wir es glauben oder nicht, sie tun es ganz gewiß!
Ira Levin
... dann wollen wir mit gedoppeltem Eyfer an der
Pyramide bauen. 1 ) Br . •. Marquis v. Constanzo 1784
I. Wie das Heute anfing
Es kracht in den Gebälken der Staaten. Schon lange! Seit Jahrhun¬
derten unterminieren die religiösen und ideologischen Heilslehren ter¬
mitengleich die Völker. Erst kamen die römischen Priester und dann
die „ Erleuchteten“ der Geheimorden. Und alle dienten sie wahnbe¬
tört, weltmachtbesessen und schöpfungswidrig demselben „Gott“.
Immer ging es darum, entweder den neutestamentlichen religiösen
Auftrag zum Weltgottesstaat oder den Befehl Jahwes an den „alten
Bund “ zur „einen Welt“ zu erfüllen. Mißbraucht wurden und wer¬
den das menschliche Gottsehnen und der Freiheitswille der Völker,
weil und solange Gotterkenntnis fehlt.
Mehr und mehr hat dieser „Kultur“-Imperialismus die übrigen ge¬
schichtegestaltenden Kräfte verdrängt. Kein Wunder, daß sein Wahn,
*) Man muß die Symbolsprache der Logen kennen. Die „ Pyramide“ ist das ma¬
gische Bild der erstrebten Weltherrschaft der Truppen Jahwes; das „Dreieck“, auch
in der Form der drei Punkte, das des „Gottes“ in seiner Macht, seiner Hilfe und
seiner Ziele.
1105
infolge Suggestionen und Hypnose, das Völkerleben vielfach bestimmt
und überall Verkommenheit auf wuchert.
Die Keime zur heutigen Natur- und Völkerzerstörung wurden schon
früh gelegt. Vor allem seit 1717, dem Jahr der Reorganisation der
Freimaurerei, schmiedete die „königliche Kunst“ Jahwes die „Erleuch¬
teten 1 ' 2 ) und „Ketzer“ zu einer „Antijesuitenpartei“ gegen das wider¬
strebende und damals allmächtige Rom zusammen. Selbstverständlich
nicht zu einer „Reichseinheitspartei“ , denn so etwas gibt es nicht und
das gelang auf Dauer nicht einmal den Exerzitien Loyolas.
Die Mannigfaltigkeit des Lebens, selbst hier in den Dressureinrich¬
tungen, und die wechselnden Zeitströmungen lassen sich nun einmal
nicht aufheben, günstigenfalls nur vorübergehend bändigen, und zwar
in zahllosen Systemen, Weihegraden und Vorfeldorganisationen. Man
brauchte ja nur die eigenen stets „edlen“ und immer „zum Besten der
Menschheit“ entworfenen Weltmachtpläne — gut verpackt und den
jeweiligen Zeit- und Machtverhältnissen, persönlichen Anlagen und
Wünschen geschickt angepaßt — feilzubieten. Jedem etwas: Mystik-
Schwärmerei oder Rationalismus-Aufklärung; Meditation oder Ak¬
tion; Pazifismus oder Terrorismus; Nationalismus oder Internationa¬
lismus; Konservativismus oder Revolutionsgeist; Liberalismus oder
Kollektivismus; Kapitalismus oder Sozialismus. Man mußte nur „See¬
lenführer“ bleiben; die Menschen „erziehen“ — abrichten, verlocken,
ausnutzen. Ihr Gottsuchen, ihre Eitelkeit, ihre Machtgier, ihre La¬
ster ... Treffend hatte schon Ernst Moritz Arndt 1803 die eigen¬
artigen Früchte solch „erleuchteten“ Tuns beschrieben:
2 ) „Erleuchtete“ (s. K. Frick 1973 ) sind in das wahre „Wissen“, in das Geheim-
„Wissen“ oder die „wahre Erkenntnis“ Eingeweihte oder Eingeführte, sind „Erlöste“,
lat. illuminates, franz. illummes, span, alumbrados. Hierher gehören die gnostisch-
theosophischen und alchemistisch-rosenkreuzerischen Geheimbünde des 18 . Jahrhun¬
derts, der neue Illuminatenorden von 1906 oder Ordo Templis Orientis (OTO), die
10 . Tempelgrade des Alten myst. Ordens v. Rosenkreuz, aber auch die Illuminaten
Weishaupts, d. h. die durch die „Vernunft“-Erhellten sowie im weiteren Sinne alle
frmr. und christlich Geweihten. Weishaupt versuchte die weit verbreiteten Medita¬
tionsformen christlicher Orden und Bruderschaften direkt in den Rationalismus über¬
zuführen, „statt der ,illuminatio c im Sinne des Hl. Augustinus und der Großen The¬
rese, eine neue im Sinne Voltaires, Diderots, Bayles, Lessings . . „Es gibt heut zu
Tage Illuminaten des Atheismus und der Theosophie“ Bode: „Die Jesuiten, vertrie¬
ben aus der Freimaurerei und ihr Dolch zerbrochen durch die Freimaurer.“
1106
„Mystische und gaukelnde, ehrliche und trügerische Verbrüderung,
die zum Teil nur den Mantel einer unschuldigen Mystik annahmen,
während sie etwas ganz anderes treiben, entstanden in dieser Zeit, und
manche Fromme, von einem geheimen Bewußtsein getrieben, manche
Schwachköpfe, die in solchen Bruderschaften den Stein der Weisen oder
doch Wahrheit und Ruhe zu finden hofften, gesellten sich ihnen zu.
So entstanden oder wuchsen doch immer mehr, wie das (IS.) Jahrhun¬
dert ablief, Freimaurer, Illuminaten, Rosenkränzler, Swedenborgiancr
und eine Menge anderer geheimer Gesellschaften, die sich in der Zahl
verlieren und deren jede sich geheimer Offenbarung und hoher Myste¬
rien rühmte,“ (Germanien und Europa, 1803, Seite 133)
Die derzeitigen Kräfteverhältnisse innerhalb der abrahamitischen
und auch asiatischen Religionen (sowie „Ersatzreligionen“) sowie ihre
enge Verfilzung haben weltweit nicht nur zu einer „Polarisierung“,
sprich Blockbildung geführt, sondern auch zu einer engen Verzahnung
und gegenseitigen Lähmung. Europa ganz besonders ist heute das
Schlachtfeld der westlichen (christlich-freimaurerisch-islamischen) und
östlichen (kommunistisch-asiatischen) Religionen geworden. Daß der
Marxismus und seine Sekten auch nur eine — wenn auch diesseitige —
religiöse Wahnlehre ist, braucht nicht mehr breit dargelegt zu werden.
Seine Ziele, seine Methoden — von den Kreuzzügen bis zur Freiheits¬
knebelung und Völker Vernichtung —, seine Heiligen, Priester und
Gläubigen bekunden das zur Genüge.
Der Illuminatenorden in Bayern (1776—1785), kennzeichnet den
Höhepunkt der (freimaurerischen) Aufklärung. Ihr Jahrhundert, das
achtzehnte,
„war das Jahrhundert einer unterschwelligen politischen Krise, die
schließlich in der Französischen Revolution zum Ausbruch kam . . .
Bislang war die Kirche die große Zucht- und Sittenmeisterin gewesen.
Nun wurde sie von der Aufklärung vor dem Richterstuhl der Ver¬
nunft angeklagt. In Frankreich hatte das vor allem Voltaire gefordert
und geübt. In Deutschland und gerade in Bayern bildete Weishaupt
eine neue Variante des Kampfes aus. Nicht mehr allein durch die An¬
griffe vereinzelter“ (?) „Schriftsteller sollte die Kirche bekriegt werden,
Weishaupt organisierte die gezielte Aktion einer geheimen Gesellschaft,
die Gegenverschwörung eines freimaurerischen Lichtbundes gegen fin¬
steren Obskurantismus. Der Gegner sollte mit seinen eigenen ,jesuiti-
1107
sehen* Methoden geschlagen werden.“ (H. Graßl, Aufbruch z. Roman
tik, 1968, s. MM 1977/1101)
Unserer heutigen demokratischen Wertung folgend ordnet L. Ham¬
mermayer den Illuminaten-Orden (I.O.) als „ linksradikal“ ein Er
schreibt:
„. . . bildete die traditionelle Freimaurerei eine gemäßigte und da¬
mals allzu statische“ (stillstehende) „Mitte“ (H. „fühlt“ mit ihr!),
„zählten die schottischen Hoch gradlogen, die Rosenkreuzer und die
meisten Exjesuiten“ (die Societas Jesu war seit 1773 verboten) „gewis¬
sermaßen zum ,konservativ-rechten* Flügel, so erkannte Weishaupt“
(und seine Entdecker) „das Vakuum, das auf dem radikal-aufkläri-
schen ,linken Flügel* der Geheimgesellschaften bestand. Man könnte
sagen, daß er mit seinem llluminaten-Geheimbund in eine sehr breite
,Marktlücke* vorstieß.“ (1970)
Der Illuminatenorden ist fast der einzige Geheimbund des 18. Jahr¬
hunderts, der verboten und verfolgt worden ist, sieht man von den
Jesuiten und den Gold- und Rosenkreuzern (1793 in Österreich aufge¬
hoben) ab. Hieran liegt es, daß die Nachwelt selten gut über eine
„Verschwörung zum Guten“ unterrichtet ist. Daß der I.O. jedoch nach
wie vor verharmlost, aber andererseits auch zum alleinigen Urheber
aller Umstürze seit 1776 gemacht wird, liegt daran, daß die „Pyra¬
mide“ der Jahwe-Religionen selbst bisher nirgends Gegenstand einer
erkennenden Geschichtsforschung geworden ist.
Weishaupts Gründung ist als Organisation selbstverständlich unter¬
gegangen. Er selbst mußte scheitern, — an sich, am Gegner und am
Abwehrwillen des Volkes. Doch seine „Ideen“ und seine Mittel, seine
„Variante des Kampfes“, neben, mit und über den anderen freimaure¬
rischen Lichtbünden, und noch mehr sein „Gott“, leben weiter 3 ) und
nicht weniger seine Feinde: „Fürsten und Pfaffen“. Tarnung, List und
Lüge gehörten wie bei allen anderen Weltverbesserern auch zu seinen
Waffen, umhüllt von widerwärtigster Selbstüberschätzung und hohlen
Worten.
So bildet der Illuminatenorden Adam Weishaupts mit seinen Zielen,
Mitteln, Erfolgen und Nachwirkungen — als ein bedeutender Stein in
3 ) Hier gilt das einst 1789 aus Neuwied über den Jesuitenorden Gesagte: „Der
Orden verschwand nur ,physisch', wenn auch gleich sein Geist in tausend veränderten
Gestalten mit verborgenem Flug über der Erde schwebt. a
1108
der „Pyramide“ — nicht bloß ein klassisches Schulbeispiel eines Män¬
nerbundes, sondern er ist überdies ein wichtiger Schlüssel zur Geschichte
der Gegenwart. In ideologischer, kultureller und politischer Hinsicht.
Der „Aufbau der Neuzeit“ begann nämlich im „Jahrhundert der Ge¬
heimbünde“.
2lKee jura »Bcftcn Öcr 3Ttcnfcf»t)cit"
Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter
II. Der Gründer
Primarius civium libertatis*
Wer Adam Weishaupt, am 6. 2. 1748 in Ingolstadt geboren, die
„Ideen“ , richtiger die „Ideologie“ eingab, ist weitgehend bekannt. Ge¬
vatter standen der Bibelglaube-Jesuitismus, der Mysterienwahn des
Logentums, der Rosenkreuzer-Okkultismus und als „moderner Schrei“
der Rationalismus-Materialismus westlicher Philosophen. Kurz, die
religiöse Subkultur der Zeit drängte mit dem Illuminatenorden (I.O.)
an den Tag, begünstigt durch die Krise des Jahrhunderts. Die totali¬
täre Herrschaft des Felsen Petri zerbröckelte mehr und mehr.
Als Schüler des Jesuitengymnasiums in Ingolstadt war Weishaupt
„selbst nahe dabey, Jesuit zu werden“ . Doch aller späteren Feindschaft
zum Trotz, konnte er sich nie von seiner christlich-jesuitischen Jugend¬
erziehung befreien.**)
„Wie sehr ihm die Societas Jesu als Organisationsmodell für den
2.0. diente , das zeigt dessen Gliederung und rigorose Disziplin , sein
ausgeklügeltes Ü b erwach ungs- und Spitzelsystem , aber auch die Schlüs¬
selrolle , die Weishaupt der Erziehung , also der Menschenkenntnis und
Menschenführung beimaß “ (Hammermayer 1970)
Seine „Illuminatenkirche“ sollte die herrschende „Pfaffen“- Kirche
ersetzen. Und wie so viele vor und nach ihm blieb der Inhalt der Kind¬
heitssuggestion, sei das „Jesus“ oder „Marx“ , für das Leben bestim¬
mend. Daß im Alter schließlich die Angstneurosen wieder an Macht
gewannen, wundert deshalb nicht. Als 80jähriger veranlaßte er im
evangelischen Gotha die Stiftung zum Bau einer römischen Kirche.
Die Bücherei seines Paten und eifrigen Förderers J. A. v. Ickstatt,
eines für Rom „gefährlichen Neuerers“ , vermittelte ihm die umstürz-
lerischen Gedanken der Zeit: Toland, Bolingbrokes, Shaftesbury, Vol¬
taire, Rousseau, Maupertius, Haller wurden augebeutet. War schon
*) „Erster Bürger der Freiheit Inschrift auf dem Grabstein Weishaupts.
**) Jude war er angeblich nicht.
60
Weishaupts Vater „ein natürlicher Gegner und Antipode"" der noch
allmächtigen Jesuiten, so wurde der Sohn nun zum „ Freigeist"" und
Ketzer.
Weishaupt ist „ein sehr gelehrter Mann, der in der Philosophie, im
Naturrecht und in der Geschichte sehr voll zu Hause ist. Er ist kein
Nachbeter, kein Ausschreiber, er prüft und denkt selbst. Er ist der
beste Schüler von Petrus de Ickstadt. Sein Conduite (Betragen) ist mei¬
nes Wissens untadelhaft. Aus seinen Reden und seiner Lehre wollen
einige schließen, er sey ein Libertiner (zügelloser Mensch) oder gar ein
Atheist. Aber ich glaube es nicht. Vielleicht dichten ihm dies seine
Feinde an, und Feinde muß W haben, weil er es mit den Mönchen,
insonderheit mit den Jesuiten nicht zum besten meynet.“
Das ist das wohlwollende Urteil eines „entschiedenen Aufklärers'".
Rasch erklomm der Günstling jedenfalls die Stufenleiter der Hoch¬
schullaufbahn. Mit 24 Jahren ward er Professor der Rechte und nach
dem Verbot der Societas Jesu 1773 sogar Inhaber des Lehrstuhles für
kanonisches Recht. Zwei Jahre später besaß der 27jährige die Würdes
eines Dekans der Juristenfakultät.
Selbstverständlich blieben Anfeindungen und Ränke nicht aus. 1785
wurde der „Dissident"" und „Bürgerrechtler“ auf Betreiben der Jesui¬
ten und Kapuziner schließlich seines Lehrstuhles entsetzt und als „re¬
duzierter Logenmeister"" und „hochmütiger Pocher"" aus Bayern ver¬
wiesen. Folgendes wurde vom „Kurfürsten"" ins Feld geführt:
„Das Baylische Dictionaire historique et critique, dessen Beschaffung
in die Universitätsbibliothek von dem Prof. Weishaupt so sehr betrie¬
ben wird, ist bekanntermaßen, wegen des gegen die christliche Religion
und gute Sitten laufenden abscheulichen Inhalts, ein höchst ärgerlich
und gefährliches Buch, welches in einer öffentlichen Bibliothek, worin
junge und unerfahrene Leute den Zutritt haben, nicht nur nicht gedul¬
det, sondern auch in den übrigen indifferenten Passagen gar leicht ent¬
behrt werden kann .. .
Se. Kurfürstl. Durchl. befehlen demnach, daß mehrberührter Pro¬
fessor Weishaupt zur christ-katholischen Gläubens-Professions-Able¬
gung bei versammeltem akademischen Senat aperitis januis angehalten,
und statt des Baylischen Werks die in zween Oktavbänden bestehende
Zabuesnigsche krit- und historische Nachrichten ... beigeschafft wer¬
den, damit man den Bayle, Voltaire, Rousseau und andere dergleichen
61
Afterphilosophen, welche von Zabuesnig in ihrer Religionswidrig-- und
anstekkenden Lehrsätzen desto eher zu hüten wisse . . .“ (Beyer)
Das war also „Gotteslästerung“, die schon damals auch mit einer
Pensionskürzung von 1000 auf 400 Gulden geahndet wurde. Der Sieg
der fanatischen schwarzen Feinde des Generals der Illuminaten war
vollständig. Selbst unter seinem „Schüler“ Montgelas durfte Weishaupt
nicht in die Heimat zurückkehren, geschweige denn ein Amt ausüben.
Weishaupts Charakter
Offener Kampf für die Geistesfreiheit hat dem ehrgeizigen und
herrschsüchtigen Mann nie gelegen. Unbekannt und geheim im Hinter¬
grund wirken, das entsprach seinem Charakter. Von sich überzeugt
und nicht unbegabt konnte er „jeden unwiderstehlich mit sich fort¬
reißen“ . Knigge achtete ihn als „vortrefflichen Kopf , als einen tiefen
Denker“. Pezzl kennzeichnete ihn 1784 als „einen bleichen, anschei¬
nend harten und stoischen, in sich selbst verschlossenen Mann, der nur
einigen wenigen Akademikern den Zutritt zu sich verstauet“. Revo¬
lutionär und Evolutionär war der Ingolstädter nicht, nur ein gefähr¬
licher Verschwörer. Das mag mit seinem „stark utopisch-eschatologi-
schen Denken“ und der Mystik Zusammenhängen, welche seinen Er¬
wähl theitswahn und sein elitäres Bewußtsein förderten.
Zweifelsohne wurde Adam Weishaupt das Opfer zunächst der jesui¬
tischen Abrichtung und später anderer (Selbst) Suggestiv- und Hypno¬
severfahren. Der Sauerteig solch „fixer Ideen“ war wie so oft der Re¬
ligionsunterricht, d. h. seine Schädigung der Denk- und Urteilskraft
auf weltanschaulichem Gebiet. Ob der Sektenführer (Sekte heute von
sequi sequor — folgen und nicht von secare = trennen abgeleitet)
außerdem eine psychopathische Sonderlingsnatur war, ist zu vermuten
jedoch dem Schrifttum schwer zu entnehmen.
Wie wenig Weishaupt ein „radikaler Rationalist“ war, das verraten
seine zahlreichen Äußerungen:
„Wenn diese Verbreitung der Moral, die Lehre Jesu allgemein seyn
wird, so entsteht auf Erden das Reich der Frommen und Auserzvähl-
ten.“
Er sah sich ähnlich — wie heute manch Sektenhäuptling an über¬
staatlicher Leine — als Jesus Christus selbst, mit dem er sich in der
Absicht einig wußte, „unter dem Schein auf dem Weg) einer neuen
62
Religion eine Universalmonarchie auf Erden einzuführen (C . „Sie wird
gewiß kommen, die Zeit eines neuen Evangeliums, die uns seihst in den
Elementarhüchern des Neuen Bundes versprochen wird.“ Seine An¬
hänger erscheinen ebenfalls als „Jünger“, die er, wiederum gemäß dem
biblischen Aussendungsauftrag, zur Mission auffordert: „Hat doch
Christus auch seine Apostel in die Welt geschickt, und warum sollte ich
meinen Petrus zu Hause lassen. Ite et praedicate!“*)
Solche wahnhaften Hoffnungen hatten schon die Schwärmer des 13.
und 14. Jahrhunderts und haben nicht minder die „Jünger“ des Karl
Marx geträumt: Dieses dritte Weltalter werde die Vollendung des
Menschengeschlechtes herbeiführen!
Vom Wahn der Rosenkreuzer kostete Weishaupt zwar auch, doch
siegte hier wenigstens sein „schrankenloses ,Intelligenzlertum c “. Graßl:
„Weishaupt studierte die in den unteren Ordensgraden verbotene
mystisch-rosenkreuzerische Literatur; seine Vorstellungen der progres¬
siven“ (stufenweise fortschreitenden) „Idee läßt sich ,mystisch 1 deuten.
Einmal schrieb er: ,Ich kann sagen, ich habe beinahe den ganzen Cur-
sus aller menschlichen Wahrheiten durchgemacht; ich habe Geister be¬
schworen, Schätze gegraben, die Cabale“ (Kabbala, jüd. Geheimlehre)
„befragt, Lotto gespielt, ich mußte in allen diesen Thorheiten einge¬
weiht werden, an sie glauben, um ihre Nichtigkeit zu erfahren. Nur
Metalle habe ich nicht verwandelt, und daran war der Mangel schuld,
in welchem ich allzeit gelebt habe.“
Auch Saint-Martin (1743—1803), ein anderer Erleuchteter,
besaß hier keine „Insel“ der Denklähmung, als er 1787 meinte:
„Müßige Ritterorden, wie z. B. jener der Tempelherren, sollen diese
morgenländische Weisheit, die gnostischen und alexandrmischen Thor¬
heiten mit sich durch die Kreuzzüge nach Europa gebracht haben. Jeder
Betrüger gibt vor, in Cypern oder irgend einem Winkel von Klein¬
asien durch fleißiges Forschen diese Nachrichten und Kenntnisse er¬
halten zu haben, mit welchen er leichtgläubige Menschen betört, die
alles für gut, für Weisheit halten und für um so größere Weisheit hal¬
ten, je ferner der Ort ist, aus welchen sie abstammen soll. Bis endlich
noch vollends durch das berüchtigte Buch Des Erreurs et de la Verite“
(Von Irrtum und Wahrheit) „und andere häufig erscheinende theoso-
*) Geht und predigt!
63
phisch-mystische Werke, das Gehirn unserer Zeitgenossen gänzlich und
so sehr verbrannt worden ist, daß dieses Übel täglich mehr um sich
greift und allem Anschein nach die Periode unseres wissenschaftlichen
Glanzes auf lange Zeit vorüber ist, um sodann in eine dem scholasti¬
schen Zeitalter nicht unähnliche, oder vielleicht noch gefährlichere und
seelenverderbendere Barbarei zu verfallen.“
Die Mysterien, der Okkultismus der Alten, besonders die eleusini-
schen Geheimnisse (1776 von Ch. Meiners verarbeitet), beflügelten
dagegen den Ingolstädter Welterlöser. Hier fand er die große Vorlage
für seinen „Welterziehungsplan“. Denn wie herrlich mußten Geheim¬
nis, Morddroheid, Schweigepflicht und stufenweise Einweihung der
jeweils geeigneten Menschen für seine größenwahnsinnigen und welt¬
umfassenden Ordensziele eingesetzt werden können.
Schon früh hatte Weishaupt das „Abenteuer einer y Emigration nach
innen 1 gelernt“. „War es nicht wirksamer, ,geheim e gegen ahnungslose
Gegner anzukämpfen?“
Unterlaufen, Marsch durch die Institutionen, 5. Kolone, Infiltration,
so lauten die heutigen Namen für diesen alten überstaatlichen List¬
kampf der exo- und esoterischen Zusammenschlüsse. (Fortsetzung folgt)
2lflte jum „Beften bet 2nenfctj|)df
Von Dieter Wächter
III. Die Gründung
Der junge, ehrgeizige und machtbesessene Hochschullehrer Weis¬
haupt hatte seine Förderer, vor allem im freimaurerisch-aufkläreri¬
schen Lager. Ein bis heute uns unbekannt gebliebener Freimaurer —
„Herr H., ein Protestant aus H(annover), der ein Mitglied meiner
Gesellschaft gewesen, hat in mir den ersten Gedanken zur Stiftung
des I.O. veranlaßt“ — stand im Jahre 1774 plötzlich vor dem jungen
Gelehrten.
„Im J. 1773 (?) kam Herr H. nach Ingolstadt und ließ mich ver¬
muten, daß er Freimaurer sei und daß es echte und unechte Logen
gäbe 1 ), welche schwer zu unterscheiden seien. Von diesen echten Logen
nun träumte ich mir ein Ideal.“
*) Ein alter Betrug an den Profanen und Uneingeweihten.
115
Das war gewiß kein Zufall. Die mitgebrachten Rosenkreuzerschrif¬
ten und geheimnisvollen Andeutungen des „reisenden Bruders“ trafen
jedenfalls mitten „in das einsame Ich des antijesuitischen Kirchen¬
rechtlers, das so selbstsicher die ,Vorurteile' und ,Mißstände' des kirch¬
lichen Lebens aburteilte, doch wieder den Schutz einer Korporation
(Körperschaft) suchte, einer wiederum ,wunderbaren, wunderbar
jetzt aber, weil er sie sich geheim, umfassend, in straffer Organisation
dachte, als übertragen, eingeschränkt auf eine utilitaristische“ (U. =
Lehre, die im Nützlichen die Grundlage des sittlichen Verhaltens
sieht), „rationalistische“ (nur die Vernunft als Erkenntnisvermögen
anerkennende) „Ebene.“ Er, „dessen überreizte und quälende Einbil¬
dungskraft allem Rationalismus zum Trotz zum ,Wunderbaren'
drängte“, bekannte 1795 nach Verbot und Verfolgung:
„Auf diesem Wege entstand, noch ehe ich ein wirkliches Glied einer
geheimen Verbindung war, in meiner Phantasie ein Ideal von einer
solchen Verbindung, welches mich ganz dahin riß, das sehnlichste Ver¬
langen nach dem Beitritt erweckte und späterhin die Grundlage wurde,
von dem, was ich zur Wirklichkeit gebracht habe. Meine Erwartungen
und Begriffe von Einrichtung, Zusammenhang, Klugheit, Behutsam¬
keit in der Auswahl der Mitglieder, von der strengen und unaufhör¬
lichen Prüfungen derselben, grenzten an das Übertriebene und glie-
chen einem wahren Roman . . . Ich fand es gleich so vielen anderen
bequemer, sich an eine schon gedeckte Tafel zu setzen, als den Tisch
selbst zu bereiten. Mein Entschluß, in die Gesellschaft zu treten, es
koste, was es wolle, war von nun an gefaßt. Da mich indessen mein
Führer“ (!) „ohne alle nähere Anweisung verlassen hatte, so schrieb
ich zu diesem Ende in alle Welt, wo ich Freimaurer vermuten konnte.“
„Behutsame Auswahl“ der Mitglieder! Dieses alte Vorgehen wurde
gewiß auch bei dem ehemaligen Jesuitenzögling genutzt. Die „unsicht¬
baren Väter“ hatten ihren Köder zur rechten Zeit geworfen. Wer die¬
ser „Führer“ aus Hannover und dessen „Oberen“ waren, darüber
schweigt alle umfangreiche Forschung. Und auch darüber, warum der
das . • . Licht Suchende, zunächst wenigstens, weder in Nürnberg noch
in München die freimaurerische Erleuchterung erhielt. Sollte er nicht
doch „den Tisch selbst bereiten“? Wir wissen es nicht. Jedenfalls ent¬
täuschte das verspießerte Logentum mit seinen zahllosen Graden und
116
Schwärmer-Ritualen Adam Weishaupt. Es ist unwahrscheinlich, daß
das alles allein auf seine Belesenheit zurückzuführen ist.
Nun, gleichviel, seine „große Achtung für die Freimaurerei (war)
gefallen. Indessen hatte der Gedanke, von den Vorteilen einer solchen
Gesellschaft, von dem, was sich nach meiner eigenen Erfahrung auf
diesem Wege aus Menschen machen ließe, in meiner Seele zu tiefe Wur¬
zeln gefaßt, als daß ich ihn schlechterdings hatte unterdrücken kön¬
nen.“
Als dann schließlich die Nebenbuhler unter seinen Studenten für
einen Rosenkreuzerzirkel und seine „alchemistischen Torheiten“ zu
werben begannen, schritt der „Auserwählte“ zu Tat. Mit einigen Schü¬
lern und wenigen Freunden gründete er am 1. Mai 1776 1 ), im Jahre
der Menschenrechtserklärung und der Unabhängigkeitserklärung Ame¬
rikas, den Geheimorden der Illuminaten. Dieser ursprünglich als Stu¬
dentenbund der Perfectibilisten (Perfektibilismus — Lehre aufkläre¬
rischen Geschichtsdenkens, nach der der Sinn der Geschichte im Fort¬
schritt zu immer größerer Vervollkommnung der Menschheit liege)
gedachte ideologische Zusammenschluß fühlte sich als „geheimer Weis¬
heitsbund“, in dem sich eine Elite (die Besten der Besten) junger Aka¬
demiker ungestört dem widmen sollten, was „Dummheit und Pfaffen¬
eigennutz von den öffentlichen Kathedern“ verbannt hatten. Doch
bald, vor allem nach der Anwerbung des Freiherrn v. Knigge, mau¬
serte sich Weishaupts Gründung zu „einer mächtigen Parthey gegen
Jesuiten“, die unter dem bis auf weiteres nicht aufhebbaren aufgeklär¬
ten Absolutismus (unbeschränkte Herrschaft; Willkürherrschaft) mit¬
tels „moralischer Vervollkommnung“ eine „Neue Gesellschaft“ (Ordo
Novo seclorum!) — die wir ja noch immer kennen — einüben sollte.
Hierzu einige treffende Feststellungen aus heutiger, offensichtlich
freimaurerischer Sicht:
»Seine Gründung erfolgte zu günstiger Zeit. Weishaupt erkannte
das zeitmodische Bedürfnis“ (?) „nach ,Geheimnis c und geheimen Asso¬
ziationen“ (Vereinigungen), „er nutzte zudem die in der regulären
Hochgradfreimaurerei, vor allem in der esoterisch-tempelritterlichen
! ) Dasselbe Jahresdatum trägt die unterste der 135 Stufen der Pyramide des
„Großen Siegels“ der USA auf der 1 -Dollar-Note der Umschrift „Annuit Coeptis“
und „Noms Ordo seclorum“, „die Unternehmungen gelingen“, „neue (Sinn) Welt¬
ordnung“.
117
sog. Strikten Observanz sich ausbreitende Unsicherheit und Verwir¬
rung. Ein Geheimbund neuen Typs und entschieden rationalistisch¬
aufklärerischer Geisteshaltung x ) sollte das Vakuum im ideologischen
Spektrum “ (gemeint ist: unbesetzte Stelle bzw, „Marktlücke“) „deut¬
scher und europäischer Geheimgesellschaften füllen .“ (Hemmermayer)
„Die betont rationalistischen Einflüsse von Deisten und Perfektibi¬
listen unterschieden den 7.Q. vorteilhaft von der mystisch-theosophi-
schen Freimaurerei. Er bekam wissenschaftlich-akademischen Charak¬
ter, einen straffen Bau, ein modern anmutendes ,klassizistisches‘ Ge¬
präge. Er war versiegelt und verbrieft in dem Decknamen, den Ingol¬
stadt in Illuminatenpapieren erhielt: Eleusis“ (Name des attischen ge¬
heimen Mysterienkultes der Demeter) „sollte es heißen . . . Nun also
sollte die barocke Volksreligion der Jesuiten durch den philosophischen
Rationalismus abgelöst werden, ersetzt werden durch einen ,griechi¬
schen' Ordensbau.“
„Wir haben hier wohl zum ersten Male in Deutschland die systema¬
tisch auf gebaute, organisierte Kritik einer weltanschaulich und politi-
tisch gebundenen Gruppe an bestehenden Zuständen. Nicht umsonst
trug Weishaupt den Ordensnamen ,Spartakus‘.“ 2 ) (Graßl)
Der 1.0. wurde demnach von den „unsichtbaren Vätern “ zur „rechten
Zeit “ mittels des dafür als geeignet erachteten Weishaupt ins Leben ge¬
rufen. Die bisherigen Freimaurerbünde scheinen unbrauchbar zur
Machtergreifung geworden zu sein. Knigge selbst legte den Finger in
die ewig schwärende Wunde:
„Die vielfältigen Betrügereyen, welche in der Freymaurerey vorge¬
gangen waren, hatten alle Menschen mißtrauisch gegen unbekannte
Obere und vorsichtig gemacht. Sie fürchteten, wenn sie es auch nicht
laut merken ließen, es könne doch am Ende hinter der besten Außen¬
seite ein Gebäude voll gefährlicher Irrgänge verborgen seyn .“ (1788)
A ) Das übliche „Einfangen auch rettender Ideen und Freiheitsbewegungen, siehe
die Romantik und das „Völkische Erwachen“ seit 1914 .
2 ) Römischer Sklave thrakischer Herkunft; entfloh 73 v. d. Ztw. einer Gladiato¬
renschule und fand großen Zulauf unter den Sklaven und anderen niederen Volks¬
schichten. Fiel nach blutigen Aufständen. Nach Spartakus nannte sich auch seit dem
11 . 11.18 der äußerste linke Flügel der SPD. Unter Spartakusaufstand versteht man
den kommunistisch-sozialistischen Aufstand vom 5 ./ 6 . 1 . 1919 , der von Freikorps
niedergeschlagen werden mußte.
118
Weishaupt und seine Ordenselite beschritten mit ihrer wie üblich nur
schrittweise geoffenbarten Geheimreligion einen bislang fast nur von
Rom gegangenen Pfad: Hin zur einen Welt, wie man heute sagt.')
Er selbst wollte nichts Geringeres, als die Welt zur Vollkommenheit
führen.
„Fürsten und Nationen werden ohne Gewalttätigkeit von der Erde
verschwinden , das Menschengeschlecht wird dereinst eine Familie , und
die Welt der Aufenthalt vernünftiger Menschen werden. Die Moral
allein wird diese Veränderung unmerklich herbeiführen.“
Wie meinte doch Shakespeare? „Ist dies schon Tollheit , hat es doch
Methode!“ Wir stehen an den Quellen unserer Zeit! 3 )
2lHce 3 um „23eften Öcr 3Tlenfd^l|c*t'' ?
Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupt
Von Dietrich Wächter
IV. Macher und „Revolutionsprediger“ 1 ,)
Adolf Freiherr v. Knigge (1752—1796)
Ja, richtig, das ist der Mann, der den Deutschen den „ guten Be¬
nimm“ bzw. philosophische Lebensweisheit beibringen wollte und
deshalb 1788 „ über den Umgang mit Menschen“ schrieb. Zu dieser
Zeit lag hinter Knigge schon ein abenteuerliches Freimaurerleben. Erst
Liebkind eines Studentenordens und freimaurerischen Damenzirkels,
erhielt er mit nicht 20 Jahren 1772 (oder 73) im fensterlosen Tempel
„Zum gekrönten Löwen“ in Kassel die Erleuchtung durch die „ könig¬
liche Kunst“. Schon mit 25 Jahren gehörte er den schottischen Hoch¬
graden der templerischen Strikten Observanz an, wo der Protestant
den dünkelhaften nome de guerre (Kriegsnamen) „Eques a Cygno“,
das heißt Ritter vom Schwan trug.
„Von Jugend auf durch einen unruhigen, spat in mäßige, nützliche
Grenzen zu ordnenden Tätigkeitstrieb angespannt“, verfiel der „gei¬
stige Stürmer und Dränger“, Despotenfeind, Kosmopolit, Patriot und
Pazifist dann dem Gold- und Rosenkreuzerorden und schließlich 1780
dem I.O. 2 ) Hier glaubte der Freiherr, nun auf „Philo“ hörend, sein
„Jerusalem“ gefunden zu haben.
„Alles was er (Weishaupt) sagte und wie er es sagte, konnte nicht
des Zweckes verfehlen, mich in Feuer für die Sache des Ordens zu
setzen. Ohne mir mehr Papiere mitzutheilen, entwarf er mir im Allge¬
meinen das Bild ,einer Verbindung ,die es vermöchte, den Sieg über
die Dummheit und Bosheit zu erkämpfen und ihre Mitglieder zu edlen
Menschen zu bilden.“ Diesen Menschen sollte die Vollkommenheit
schon auf Erden sicher sein. Weishaupt ging so weit, daß er Knigge
„einen neuen Himmel, eine neue Erde, ein Welt und Menschen um¬
schaffendes System“ versprach, das durch seine „heilige Legion“ er¬
stritten werden sollte.
*) Urteil des Freimaurergegners und Leibarztes I. G. Zimmermann/Hannover.
2 ) Und später dem Jakobinertum.
151
Bruder Philo
Endlich hatte Weishaupt seinen Ordenstheoretiker, Reformator und
eifrigsten Werber gefunden. Rasch berief er ihn in seinen „Aeropag“,
in den Kreis der fünf obersten Ordensdirektoren. So wurde der ewig
unruhige, aber auch ewig unzufriedene Knigge zum 2. Ordensgeneral
und „ reisenden Bruder“, zum »wahrhaft ewigen Juden in Ordensan¬
gelegenheiten“. Kennzeichnend für jene (aber nicht nur diese) Zeit,
ihr Denken, Fühlen, Hoffen, ihre Vertrauensseligkeit und ihre Ver¬
führbarkeit ist jener „Werbebrief" des 30jahrigen von 1782:
„Der Bruder — hat mir gesagt, daß Eur. mir erlauben wollen, mit
Ihnen über gewisse Gegenstände in Briefwechsel zu treten, und Denen-
selben einen deutlichen Begriff von derjenigen Verbindung zu machen,
deren Existenz Eur. nunmehro wissen.
Ehe ich aber zu diesem Zweck gelange, bin ich so kühn ein paar
Worte von mir selbst, von der Person zu sagen, welche jetzt mit Ihnen
in Briefwechsel tritt. Von meiner ersten Jugend an bin ich frey und
thätig erzogen worden. Man hat mich gelehrt, Vorurtheilen zu trotzen,
auch dann, wann der ganze vornehme Pöbel daran festhält. Diese Art
zu handeln, verbunden mit oft übertriebener Lebhaftigkeit, Unerfah¬
renheit und Jugend, haben manches Schicksal über mein Haupt gezo¬
gen, oft in den Augen gewöhnlicher Menschen mich in falschem Licht
dargestellt, und mir, in meinem Älter schon, die Welt so widrig ge¬
macht, daß ich mich entschloß, mir ein kleines frey es Plätzchen aufzu¬
suchen und da, von allen übrigen Verbindungen, die häusliche ausge¬
nommen, entfernt, den Rest meines Lebens hinzubringen.
Ich sähe, wie schändlich einander die Menschen hintergehen und
quälen, wie wenig sie ihr wahrhaftes Glück kennen, wie selten Treue,
Aufrichtigkeit und wahre Liebe werden, kurz! wie tief wir gesunken
sind.
Ich hatte längst eine Verbindung unter den besseren Menschen ge¬
wünscht, unter Männern, die Muth hätten, einmal die Fesseln des Vor-
urtheils 1 ) und der Bosheit abzuschütteln. Ich hatte geglaubt, die Frey-
a ) Dazu F. X. Zwackh, ein Vertrauter Weishaupts: „Ich meine dasjenige Vorurteil,
welches man von der Wahrheit seiner Religion mit Verachtung aller übrigen hat,
und den daraus entspringenden Verfolgungsgeist, welcher zur Schande der Mensch¬
heit nur in ihrer Zerstörung Vergnügen findet, und der sich, wegen Verheißung von
ewigen Belohnungen kränket *
152
maurerey sey eine solche Verbindung. Ich hatte 10 Jahre lang darinne
gesucht, mir allerley Grade in und außer der stricten Observanz geben
lassen, fand auch die heiligsten Spuren, aber nirgends große Anstalten
für die Welt, und war also entschlossen, auch hier alles aufzugeben,
als ich nebst noch ein paar Freunden zu einer Gesellschaft, zu einem
engem Zirkel von Maurern angeworben wurde, wo ich denn so viel
Beruhigung für Kopf und Herz gefunden habe, daß ich in dieser Welt
schwerlich wieder etwas Größeres und Edleres antreffen werde.
Ein großer ungeheurer Plan, und doch die sichersten Anstalten; für
die ganze Menschheit unendlich interessant; ein Welt und Menschen
umschaffendes System, die feinste Einrichtung und doch die heiligste
Probitität (= Rechtschaffenheit), jesuitische Klugheit und christliche
Einfalt, unentweihete Auswahl; feste beruhigende Systeme, nicht Spe-
culationen von müßigen Köpfen ersonnen, nein! Das Resultat beson¬
derer Überlieferungen und lange geprüfter und geläuterter Sätze. Hal¬
ten Sie sich an mich, wenn Sie einst das Gegenteil bey uns antreffen.
Allein eben dieser Orden ist eben deswegen äußerst vorsichtig in
der Auswahl seiner Glieder. Er hat lange Zeit nur aus einer kleinen
Anzahl Mitglieder bestanden, und nur erst jetzt, bey gänzlicher Aus¬
artung der Freymaurerey, welche immer seine Pflanzschule war, findet
er nöthig, wirksamer zu werden. Er hat aber auch leider erfahren, wie
wenig Menschen es giebt, denen es, ohne Absicht auf Privat-Leiden-
schaften und Befriedigung des eigenen Interesses, blos um das Beste
der Welt, um Verbreitung der Weisheit, Güte und wahren Glückselig¬
keit zu thun ist. Deswegen nehmen die Obern ihr Augenmerk vor¬
züglich auf die folgende Generation, und entsagen lieber der Freude,
die Früchte ihrer Arbeit zu genießen, als sich zu übereilen. Sie nehmen
daher am liebsten ganz junge Leute, welche sie von Anfang an bilden,
ihren Kopf aufklären, ihr Herz bessern, und sie dann, wenn sie eine
Zeitlang in der untern Klasse gestanden haben, einer Freymaurerloge
zur Aufnahme empfehlen. Folglich hat der Orden drey Hauptabtei¬
lungen . . .“
Linksextreme Loge
Knigges „Neuer Ordensplan“ schuf den „llluminaten-Freimaurer“,
durch die Verquickung des Irrationalismus (Mystik) der Logen mit
dem Rationalismus des ursprünglichen I.O. Knigges gewaltiger Werbe-
153
feldzug in Nord- und Westdeutschland lockte eine große Zahl einflu߬
reicher Persönlichkeiten in den Orden. Man sprach von einer „Mas¬
sentaufe“ und nannte 500 Proselyten (Neubekehrte). Knigge trat dabei
einmal als „Deist“ , bald als „Schwärmer“ und das andere mal als
„Erzfreygeist“ auf. „Jeder glaubte im Orden zu finden, was er be¬
gehrte “ Als sich dann noch herausstellte, daß die „höheren Ordens¬
grade“ erst in Weishaupts Kopf bestanden, wurde Philo sogar noch
zum Vater der Idee, „den llluminatismus als ein neues Prinzip in die
allgemeine Freimaurerei einzupflanzen. Jeder Illuminat sollte sich zu
diesem Zweck in andere Systeme aufnehmen lassen und dort als ge¬
heimer Agent und Propagandist wirken. Es erschien ihm als Ei des
Kolumbus, wenn die llluminaten sich die Grade und Rituale der frem¬
den Systeme aneigneten und die aktivsten Maurer für den eigenen
Orden warben. Diese Aktion sollte am Ende dahin führen, daß alle
bestehende Systeme durch das Hochgradsystem des Illuminatenordens
überblickt waren.“ { Roßberg)
Das war letztlich nichts anderes als ein listiger Einigungsversuch der
in zahllose Lehrarten zersplitterten Freimaurerei. Und das bedeutete
selbstverständlich einen unübersehbaren Machtgewinn der „hohen
Oberen dieses Ordens (1.0.) als die ächten unbekannten Oberen der
Freimaurerei“, jene die Johannismaurerei bis zur Stunde so belastende
Steuerung oder Spitze der Pyramide 1 ). In ihr erhielt die blaue Loge
(das Rekrutendepot) mit ihren „betrügerischen Possenspiel“ nicht
anders wie heute durch bestimmte Hochgrade die Rolle der nicht un-
0 Die Weishaupt selbstverständlich nicht bildete.
2 ) Aus den Ritualstatuten der drei Johannisgrade der gr. National-Mutterloge zu
den drei Weltkugeln in Berlin von 1825:
»Der Meister muß wissen, daß die 3 Grade nur eine Hülle, eine vorbereitende
Beschäftigung im Vorhofe sind, daß erst auf höheren Graden das Licht erblickt und
der Eingang in das Innere betreten werden kann.“
Br . •. K. Chr. F. Krause im Vorwort zu Burkhardts Übersetzung der auf Befehl
der Großloge von Schottland geschriebenen „Geschichte der Freimaurerei aus authen¬
tischen Quellen“ von Lawrie 1810:
„Was dem Nichtkenner des inneren Zustandes der Brüderschaft in der That sehr
wunderlich erscheinen muß, ist die Veranstaltung, daß selbst kein Bruder der nie¬
deren Grade in der Geschichte der Brüderschaft die Wahrheit unverschieiert schaue.
Auch läßt man es hier, sowohl gegen sog. Profane, als auch gegen Brüder, nicht bei
vorsichtigem Schweigen bewenden; man gibt sogar absichtliche Erdichtung, die oft
so schlau als abgeschmackt sind, mit ernster Miene für historische Wahrheit aus.“
154
nützen, aber unwissenden „ Pflanzschule“ zugeteilt 2 ). Elitär-hochmütig,
ja verächtlich befanden Spartacus und Philo, die beiden ,.Mittel-Obe¬
ren“:
„Sie (die Freimaurer) erfanden Grade über Grade; sie suchten end¬
lich den so natürlichen Hang der Menschen zum Wunderbaren zu reit¬
len. seine Einbildungskraft zu erhitzen , die Vernunft zu betrüben . . .
sogar die schädlichste aller Neigungen . . ., die Begierde nach Gold
wurde gereizt. . . Hätten nicht doch die Edlen und Auserwählten im
Hinterhalt gestanden . . ., so wäre neues Verderben über das Men¬
schengeschlecht hereingebrochen , und durch Regenten , Pfaffen und
Freymaurer die Vernunft von der Erde verbannt worden
(Aus „Unterricht zum Illuminaten-Priestergrad“)
Als „insider“ mußten sie es ja wissen! (Fortsetzung folgt)
Meine Vernunft sagt mir, daß Gott das vollkommenste von allen
Wesen ist. Er muß alle die Vollkommenheiten, die wir an allen Ge¬
schöpfen wahrnehmen, in höchstem Maße besitzen, weil nur er allein
der Urheber dieser Vollkommenheiten sein kann. Allein, wir müssen
uns hüten, daß wir uns nicht betrügen, wenn wir Gott Vollkommen¬
heiten beilegen, die nur in Beziehung auf uns Vollkommenheiten sind.
Die Menschen stellen sich Gott gewöhnlich als einen großen König vor,
als einen Vater, als einen großen Richter und als einen mächtigen
Mann. Alle diese Vergleichungen können aber nicht anders als man¬
gelhaft sein; denn Gott ist unendlich über das, was dem Menschen
eigen ist, erhaben.
Wenn die Menschen Gott als Schöpfer betrachten, so sagen sie, er
tue alles zu seinem Ruhme, ad majorem Dei gloriam. Indessen kann
der Begriff des Ruhmes Gott nicht zukommen; denn er setzt notwendig
eine gewisse Beziehung voraus, das ist, der Ruhm besteht nur in der
Einbildung anderer, und nach Ruhm streben, heißt: suchen, in der
Einbildung anderer groß zu scheinen. Der Ruhm also, man mag ihm
einen Schein beilegen, was für einen man will, kann sich niemals für
Gott schicken, weil er unendlich über die Einbildung der Geschöpfe
erhaben ist. Es ist also abgeschmackt, wenn man sagt, daß Gott im
Himmel belohnt, um seine Güte an den Tag zu legen, und daß er in
der Hölle bestraft, um seine Gerechtigkeit zu offenbaren.
Friedrich der Große (Gedanken über Religion)
155
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DRÄNGENDE LEBENSFRAGEN IN NEUER SICHT
Folge 1
9. 1. 1984
24. Jahr
2lHce jum'jBeften bet 2Tlenjcf)[)eit
V. Die schwarze Diktatur / Von Dieter Wächter
Bei der Beurteilung des I. O. und auch der Freimaurerei der unteren
Grade darf der schwarze Gesinnungsterror im Namen „Gottes“ keines¬
wegs übersehen werden. Seine Opfer, eben die Illuminaten, kannten
selbstverständlich ihre „Pappenheimer“ von der Gegenseite. Diese
wollten sie mit den eigenen Waffen schlagen. Was die neuen „Jesuiten
der Freiheit“ — Weishaupt beispielsweise — als Kinder zu erleiden
hatten, überlieferte er selbst:
„Wir mußten unaufhörlich beichten und dem äußerlichen Gottes¬
dienst beiwohnen und vorzüglich die Andachten zu ihren .. . Heiligen
verrichten . . . Sie wollten sich auf diese Art, nicht durch Gründe, son¬
dern durch den äußeren Glanz, durch Gewohnheit und Fertigkeiten
des jungen Kopfes so sehr bemeistern, daß er dereinst bei reiferen
Jahren gar kein Bedürfnis nach höheren Gründen haben sollte .. .Wir
mußten . . . Rätsel aus dem Canisius“ (erster Jesuit in Deutschland,
1521 —1595) „auflösen; z. B. wir sollten das Vaterunser rückwärts
ohne Anstand auswendig hersagen; wir sollten sagen wie oft et, in
oder cum in dem 1. Hauptstück stehen, oder es wurden uns zwei oder
drei Worte auf gegeben, wo wir sogleich fortfahren mußten und dies
so oft, als diese Worte in einem Hauptstück enthalten waren.“
Auch Knigge prangerte die „schwarze Schar“ 1781 treffend an, ohne
zu sehen, daß er nicht viel anderes erstrebte:
„Eine Gesellschaft“, so befand er, „welche einen unbedeutenden
Anfang nimmt; deren Stifter ein Mann ohne Erziehung und Wissen¬
schaft ist, der für sein kleines Häuflein kaum ein Obdach, kaum einen
Schutz finden kann; diese Gesellschaft, die, trotz allen Hindernissen,
in unbegreiflich kurzer Zeit es dahin bringt, unermeßliche Schätze zu¬
sammenzuscharren; uneingeschränkte despotische Macht über einen
1
großen Tbeil des Erdbodens an sich zu reißen; eine bewundernswerte
Gleichförmigkeit unter ihren Mitgliedern (welche beynahe bis auf die
Gesichtszüge sich erstreckt) zu bewürken; Gewalt über so viele Herzen
und Gewissen großer und kleiner Leute zu erhalten, und ihre Hände
in alle Staats-Verfassungen und Hauswesen zu haben.
Eine Gesellschaft, welche alle diese Vortheile ungestraft mißbraucht,
um in Staaten und Familien Uneinigkeit, Verwirrung und Unglück
zu bringen, schädliche Leidenschaften zu befriedigen, Könige zu ermor¬
den, Unterthanen zu empören — kurz! alle nur ersinnlichen Bosheiten
ungehindert und unter dem Schleyer der Religion auszuführen;
Eine Gesellschaft, welche endlich, nachdem sie ihre Kühnheit zu weit
treibt, für alle diese Bubenstücke — nicht bestraft, ausgerottet — nein!
nur getrennt wird, um in andern Kleidern, nach dem alten System,
in der Stille zu handeln, wie sie sonst öffentlich handelte — in Wahr¬
heit! eine solche Gesellschaft verdient es wohl, daß man die Triebfedern
genau untersucht, welche diese ungeheure Maschine so sicher dirigi-
ren . . .
Auch dies Geheimhalten der Constitutionspunkte eines öffentlichen
geistlichen Ordens beweiset schon viel gegen denselben . . . Ueberhaupt
war ihre ganze Verfassung so beschaffen, daß wenn man dieselbe un-
partheyisch beurteilt, man finden wird, daß kein Staat in der Welt
(er sey von welcher Art er wolle) eine solche Gesellschaft mit Sicher¬
heit dulden kann . . .
Laynez“ (der Ordensgeneral) „ließ sich . . . alle Vorrechte geben,
die irgendein Potentat der Welt nur haben kann: Gesetze zu erklären,
wie er wollte, dieselben zu geben und aufzuheben, Macht zu übertra¬
gen und zu entziehen. Recht über Leben und Tod. Er wollte in jedem
Betrachte an Jesus Christus Stelle seyn. Er hatte mehr Gewalt als der
Papst selbst. Er durfte sogar die Unterthanen vom Gehorsam gegen
ihre Könige lossprechen ...
Keiner von ihnen“ (den Jesuiten) „durfte zwar ein Amt in der Kir¬
che, eine Prälatur K (geistliche Würde) „oder dergleichen annehmen,
sondern mußte alsdann aus dem Orden treten, blieb aber lebenslang
unter des Generals Gewalt, damit kein Werkzeug der Tyranney aus
den Händen gelassen werden mögte.“
Zu diesem klassischen Beispiel eines Abschnittes des überstaatlichen
„Nibelungenkampfes“ sei nochmals der hochkarätige Logen-Obere
Knigge von 1781 angeführt:
2
Scharfsichtiger Haß
„Die Jesuiten ,machen aus ihren Feinden Religionsfeinde, hetzen das
Volk gegen dieselben auf, schreien laut: der Glaube falle zusammen,
alles gehe zu Grunde; beschuldigen Leute, die ihnen im Wege sind,
schlechter Sitten und Irreligiosität, verleumden durch den sechsten und
siebenten Mann 1 . Auf diese Weise beherrschen sie schwache Regenten,
nicht einmal vor Finanzoperationen* scheuen sie zurück.
Alle jene revolutionären Gefahren, die von den Augsburger Jesuiten
den Freimaurern, Deisten und Jansenisten zugeschrieben worden wa¬
ren, wurden nun der Gesellschaft Jesu angedichtet“ (?) „die den ,Zank
über den Jansenismus c “ (romfeindliche, auf Augustin zurückgreifende
theolog. Richtung des 17. und 18. Jahrhunderts) „verursacht hatte und
damit in Widerspruch zu allen Reformen geraten war. Knigge zeigte
sich dabei gut über die Vorgänge in Ingolstadt und über die besonderen
Ziele der Reformgruppe um Sattlen informiert.
,Daher predigen sie aller Orten einstimmig gegen die Freigeister,
bemühen sich um alle Kanzeln, reden von der Notwendigkeit eines
Prediger-Instituts, wollen Schulen und Universität reformieret wis¬
sen und sogar in Ingolstadt die weltlichen Studenten zwingen, Theo¬
logie zu frequentieren. Daher reden sie von Errichtung und Verbesse¬
rung der Seminarien, suchen die Direktion derselben an sich zu reißen
und daraus heimliche Noviziate des Ordens zu machen, sich aber unter
dem Namen von Weltgeistlichen empor zu schwingen*
Sie ,tun Vorschläge zu Bücherverboten und Inquisitionen*, nur um
ihre Gegner ,bei dem gemeinen Volk als Freidenker und Jansenisten
auszuschreien, sie bei den Fürsten durch den sechsten, siebenten Mund
anzuschwärzen,. . . um ihren Sturz zu befördern*. Denn nur auf die¬
sem dunklen Wege können sie ihre reaktionären Ziele erreichen und
,die Zeiten ihrer Entstehung wieder herbeiführen*.
Damals hatten sie sich als Streiter gegen die neue Lehre und als
Verteidiger der Kirche gegen Ungläubige hervorgetan. Religion war
die Hülle, in welcher sie ihre Absichten verbargen“ (Irrtum, alles christ¬
liche Tun ist Religion). „Also muß die Religion auch heutzutage ge¬
nützt werden. Deswegen nun arbeiten sie an einer Vereinigung der
Protestanten mit der römischen Kirche. ,Sie wollen sich dadurch die
verlorene Gunst des Papstes zurückgewinnen. Aus dem gleichen Grunde
haben sie sich aber auch hinter die Gold- und Rosenkreuzer gestellt.
3
hinter das Heer der Goldmacher, Betrüger und Schwärmer des 18.
Jahrhunderts, die von der ursprünglich erstrebten ,Generalreforma¬
tion' abliefen und nun ebenfalls die Vernunft abwerten und verdun¬
keln. Daher muß auch den Gold- und Rosenkreuzern unversöhnlicher
Kampf angesagt werden. Die Menschheit ist zu einer großen Entschei¬
dung auf gerufen!" (b. Graßi)
Ähnlich sendungsbewußt und machtbesessen wie die Jesuiten wirk¬
ten die Illuminaten in ihrer „Verschwörung zum Guten".
Die Welt ist unser
„Ich hafte mit meinem Kopf dafür, daß ich" (Philo) „dem Orden
weltliche Macht und Reichtum verschaffe."
„Wenn Sie Ihren Vortheil kennen, so ist die Welt unser."
„Wenn sich die Brüder allenthalben so gesetzt hätten (wie zu Ha¬
chenburg, wo geheime Secretaire, Aerzte, Seelsorger, Räthe, auch des
Grafen Lieblinge, lauter Illuminaten waren) so commandiren wir die
Welt."
„Wir müssen alle Stellen zu erringen suchen, wo für die gute Sache"
(das ist der Orden) "zu gewinnen ist. Warum sollte es nicht erlaubt
seyn, sich durch redliche, sanfte Mittel, so fest zu setzen, daß man Ein¬
fluß auf die Regierung bekäme?"
„Hat der Orden" (der Illuminaten) „einmal an einem Ort die gehö¬
rige Stärke erlangt, und die obersten Stellen durch ihn besetzt, kann
er an einem Orte, wenn er will, denen, die nicht folgen, fürchterlich
werden; sie empfinden lassen, wie gefährlich es ist, den Orden zu belei¬
digen und zu entheiligen; kann er seine Leute versorgen, hat er in
einem Lande von der Regierung nichts mehr zu befürchten." (Knigge
vor 200 Jahren! Überholt? Verschwörung? Glaubenspolitik!)
Noch einmal „Originalton" Br. Philos. Im Januar 1783, in einem
Brief:
Lasse man ihm „freie Hand", so verbürge er sich, „1. dem Orden
sehr wichtige Kenntnisse, 2. feste Gewalt über die Stricte Observanz
oder vielmehr gänzliche Zerstörung derselben, 3. großen Einfluß auf
das Zinnendorf sehe System" (die in Preußen einflußreiche geheim¬
religiöse Hochgradfreimaurerei; Zinnendorff drohte Lessing mit dem
Schierlingsbecher), „4. weltliche Macht und Reichtum zu verschaffen,
und dieß alles ohne im geringsten unsere Einrichtung zu stören." (Ham¬
mermayer, 1980)
4
Die Bäume wuchsen jedoch auch diesmal nicht in den Himmel. Es
begann zu kriseln, und beide Jhv-Erwählten gerieten sich bitter in die
Wolle. Der Freiherr v. Knigge, dessen sämtliche „Werke“ man schon
1929 für wert fand, nachgedruckt zu werden, warf schlicht und einfach
das Handtuch. Aber nicht ohne feierliche schriftliche Erklärung, seinen
Verschwiegenheitseid*) halten zu wollen. Doch scheint er etwas gewitz¬
ter geworden zu sein, gesteht er doch vier Jahre später als 36jähriger
in „Über geheime Verbindungen und den Umgang mit ihren Mitglie¬
dern“ (Knigge II, 166):
„Ich habe mich lange genug mit diesen Dingen beschäftigt, um aus
Erfahrung reden und jedem jungen Mann, dem seine Zeit lieb ist, ab-
rathen zu können, sich in irgend eine geheime Gesellschaft, sie möge
Namen haben, wie sie wolle, auf nehmen zu lassen: Sie sind alle frey-
lieh nicht im gleichen Grade, aber doch alle ohne Unterschied zugleich
unnütz und gefährlich.“
Ja, Br. Knigge sollte, folgt man der heutigen . *. Sprachregelung, ein
übler „Verschwörungstheoretiker“ werden. Jedenfalls veröffentlichte
der von Lenning und auch von Lennhof/Posner kraft höherer Weisheit
zwar ebenfalls für geisteskrank erklärte Karl Didler/Berlin in seinen
„Freimaurer-Denkschriften“ (seit 1848) ein Wort Knigges, wonach
dieser „Wissende“ wähnte, die Messianisten des Alten Testamentes
hätten erkannt, „daß die königliche Kunst ein Mittel sei, ihr geheimes
esoterisches Reich zu begründen“ . Die „goldenen Schlüssel, welchen
feile Herzen und Ohren sich öffneten“, wären „längst in ihren ge¬
wandten Händen erprobt worden. Tausende neue Verbindungen öff¬
neten sich ihnen, und schon sähen sie sich im Besitz eines gesicherten
Zentralpunktes“.
Als Knigge 1796, erst 44jährig, in „den ewigen Osten“ abberufen
wurde oder vielleicht „seine Werkzeuge“ niederzulegen beordert war,
scheint er sehend geworden zu sein, wie Ludendorff schrieb. Und das
trotz oder vielleicht sogar wegen seiner wütenden Verteidigung gegen
die antijakobinischen Angriffe des früheren Leibarztes Friedrichs des
*) Diesen meint Graßl, Chr. Meiners „Über die Mysterien der Alten, besonders
über die Eleusinischen Geheimnisse “ 1776 zuweisen zu können. Meiners hatte ge¬
schrieben: „Die Vorsteher der Geheimnisse konnten versichert sein, daß die My¬
sterien auch von den mutwilligsten Witzlingen würden geschont werden . .. fürch¬
terliche Strafen, die man auf Entheiligung der Mysterien gesetzt hatte, verbanden
die Eingeweihten zum Stillschweigen.“ Das gilt immer noch, auch für jeden frmr.
Forscher und Schriftsteller.
5
Großen, Johann Georg Ritter von Zimmermann (1728—1795), und
des Wiener Universitätsprofessors und geheimen Mitarbeiters Kaiser
Leopolds II., Leopold Alois Hoffmann (1759—1801). Allen Enttäu¬
schungen zum Trotz war jedoch Knigge vorher noch einmal in den
Bann der Geheimorden, nämlich der „ Deutschen Union der XXII“
K. F. Bahrdts (1788) und der „ Verbindung edler Freunde der Wahr¬
heit, Rechtschaffenheit und bürgerlichen Ordnung“ 1796 geraten. Es
galt weiter gegen die erstarkende reaktionär-antiaufklärerische Ent¬
wicklung in Deutschland zu wirken. (Fortsetzung folgt)
Zeitgenössische Darstellung der verschiedenen Geheimbünde,
Sie wurzeln alle im selben Boden.
2UIe$ jura „23eftcn bet ‘2TIcnfc^t)e»t x/
VI. Teil / Von Dieter Wächter
Die Wahnlehre (Ideologie)
Eine umfassende Quellengeschichte des freimaurerischen 1.0. soll
hier nicht geschrieben werden. Weishaupt sammelte in sein „ idealisti¬
sches System“ alles ein, was für „seine gerechte Sache“ geeignet schien.
Inhalt, Form und Vorgehen flössen ihm, wie schon erwähnt, aus den
verschiedensten Richtungen zu: aus dem Bibelglauben-Jesuitismus, aus
der deistisch-freimaurerischen Aufklärung, vom Rationalismus und
von den „Mysterienweisheiten“ der Alten. Eigenes steuerte er kaum
bei, doch für das „zeitmodische Bedürfnis“ nach „Geheimnis“ und ge¬
heime Untergrundtätigkeit hatte er das richtige Gespür.
Nur einige Grunddogmen trugen sein Wahnsystem, nämlich
1. die sog. geschichtsphilosophische Vorstellung von der Vervoll¬
kommnungsfähigkeit von Mensch und „Gesellschaft“, d. h. der Per¬
fektibilismus und seine Fortschrittsgläubigkeit.
2. die schon von den Stoikern des 3. vorchristlichen Jahrhunderts
159
gepredigte Überwertung oder Alleinwertung der Vernunft, der Ratio¬
nalismus.
3. die Egalite (Gleichheit) aller Menschen der „christlichen Botschaft“,
und
4. die sich aus solcher Verkennung der Wirklichkeit ergebende „Mo¬
ral“.
Sie, die „Humanität“ oder edle Menschlichkeit, führe fast zwangs¬
läufig durch „Aufklärung“ und entsprechende „Erziehung“ zur Herr¬
schaft der Vernunft, welche Freiheit und Gleichheit gewährleiste. Die¬
ser inbrünstige Glaube — kaum minder fanatisch als jeder andere —
schloß selbstverständlich auch den Freiheits- und Gerechtigkeitswillen
ein, doch die Folgen der menschlichen Unvollkommenheit — Eitelkeit,
Radisucht und Seelenverkümmerung — konnten von solcher irrigen
Heilslehre nirgends begrenzt werden.
Mag sich in den 200 Jahren einiges gewandelt haben, immer noch,
ja, mehr denn je schlägt sich unsere Gegenwart mit dieser Ideologie
des 18. Jahrhunderts dank der Herrschaft der Bibel, des „Kapital“
von K. Marx und der Loge herum. Nach wie vor bestimmt die alt-
und neutestamentarische „Moral“ das Völkerleben. Die Ziele der Über¬
staatlichen sind die gleichen geblieben. Damals wie heute heißt hier
„moralisch-ethische Vervollkommnung“ nichts anderes als Völker¬
mord, d. h. Überwindung der „verhängnisvollen und widernatürli¬
chen Entwicklung der Menschheit“ zur volkhaften Vielfalt an deren
Stelle schrittweise die klassenlose, republikanische und volksentfrem¬
dete Gesellschaft treten soll. Um zur wahren „Erziehung des Men¬
schengeschlechtes“ zu gelangen, ist deshalb das wichtigste Zeugnis der
Illuminatenverschwörung „gegen Religion und Fürstenherrschaft“, ja,
gegen alle Völker anzuführen. Schon früh wurde es von verantwor¬
tungsbewußten Menschen erkannt als das, was es war und blieb, näm¬
lich das
„Programm des Jakobinismus“
In der „Andere an die neu aufzunehmenden Illuminatos dirigentes“
von 1783 verkündigte „Spartacus“ seine erleuchteten Grundsätze,
Pläne und Ziele:
„Nach dieser sorgfältigen Vorbereitung und Prüfung rückt nun-
mehro die Zeit ihrer Belohnung herhey; sie haben gelernt, sich und
andere zu erkennen, sie sind das, was sie seyn sollen, was wir von
ihnen erwarten. Nunmehro trifft auch sie die Reihe, andere zu leiten.
160
das, was sie bishero wissen, und was sie in dieser Stunde erfahren
sollen, giebt ihnen Überlegenheit der Ansichten über andere schwä¬
chere, und eben diese Überlegenheit ist die einzige wahre Quelle der
Macht des Menschen über andere Menschen. Die Finsternis verschwin¬
det . . . die erste Pforte des Heiligtums öffnet sich. Ein Theil unserer
Geheimnisse wird sich ihnen entwickeln. Verschließet die Thore des
Heiligthums dem Ungeweihten. Ich will zu den Erleuchteten, den Hei¬
ligen, den Auserwählten sprechen . . .
In dieser V er Sammlung tretten sie heut... in die Klasse des hohen
Ordens, in die Klasse derer, welche in der Regierung des Ordens selbst
keinen unbedeutenden Antheil haben. Wissen sie aber wohl auch hin¬
länglich, was das heiße, herrschen, in einer geheimen Gesellschaft herr¬
schen? Nicht über den geringem oder vornehmem Pöbel, über die
beßten Menschen, über Menschen von allen Ständen, Nationen und
Religionen, ohne äußerlichen Zwang zu herrschen, sie dauerhaft zu
bereinigen: Ihnen einerley Geist und Seele einzuhauchen, über die in
allen Theilen der Welt zerstreuten Menschen . . . mit möglichster Eile
und Genauigkeit zu herrschen: Ist ein bishero in der Staatsklugheit
noch unaufgelöste Aufgabe. Unterscheidung und Gleichheit, Despo¬
tismus und Freyheit auf das engste zu vereinigen: sein Reich und seine
Unterthanen sich selbst schaffen: allen Verrat, und denen daraus ent¬
stehenden unvermeidlichen Verfolgungen vorzubeugen: Aus Nichts
etwas zu machen, dem allgemein einreißenden Verderben zu steuern . . .
ist das Meisterstück der mit der Moral vereinigten Politik . . .
Wären Menschen gleich anfänglich das, was vernünftige Menschen
seyn sollten; könnte ihnen gleich bey dem 1. Eintritt die Herrlichkeit
des Plans vorgelegt: und einleuchtend gemacht werden; dann möchte
manches noch möglich seyn: Aber da jeder hoft, jeder haben, und Nie-
mand geben will: da der Reitz des Verborgenen beynahe noch das
einzige Mittel ist, um Menschen zu erhalten ... so können sie leicht
sehen, daß hier Mühe, Geduld und Beharrlichkeit und überwiegende
Liebe zum Zweck erfordert werden.“
Selbsteinschätzung
„Und endlich, wissen sie denn auch, was geheime Gesellschaften sind?
welchen Ort sie in dem großen Reiche der Weltbegebenheiten behaup¬
ten ? Glauben sie wohl, daß solche eine gleichgültige, transitorische “
(vorübergehende) „Erscheinungen seyen? O, meine Brüder! Gott und
161
die Natur, welche alle Dinge der Welt, die größten so gut, wie die
kleinsten zur rechten Zeit und am gehörigen Ort geordnet haben, be¬
dienen sich solcher Mittel, um ungeheure sonst nicht erreichbare End¬
zwecke zu erreichen. Hören und erstaunen sie! Nach diesem Gesichts¬
punkt richtet und bestimmt sich die ganze Moral und das Recht der
geheimen Gesellschaften, und unsrige Moral und Begriff von Recht
und Unrecht erhalten erst dadurch ihre nöthige Berichtigung .
Sie stehen hier in der Mitte zwischen der vergangenen und künftigen
Welt: einen Blick in die vergangenen Zeiten zurück, und so gleich fallen
die zehntausend Riegel hinweg, und die Thore der Zukunft öffnen sich.
Machen sie sich gefaßt einen flüchtigen, aber kühnen Blick hinein zu
wagen: sie werden den unaussprechlichen Reichthum und Vorrath
Gottes und der Natur, die Erniedrigung und Würde des Menschen .. .
erblicken . . V
Die Entwicklungsgeschichte
„Die Natur, welche stuffenweise Entwicklung eines unendlichen
Plans ist. . . macht in allen diesen ihren V eranderungen keinen Sprung:
sie fängt von dem kleinst möglichen, und unvollkommenen an ... um
zum größten und vollkommensten dieser Art zu gelangen, welches
höchste Veränderung ist: sie macht Kinder, und aus ihnen Männer;
und Wilde, um daraus gesittete Menschen zu machen . . . oder uns zu¬
gleich zu belehren, daß eben darum mit dem, was wir sind, ihr un¬
endlicher Vorrath noch nicht erschöpft seye: daß wir und unser Ge¬
schlecht noch zu weitern ungleich wichtigem Veränderungen Vorbe¬
halten seyen.
So, wie also der einzelne Mensch, eben so hat auch das ganze Ge¬
schlecht seine Kindheit, Jugend, männliches und graues Alter. Mit
jeder dieser Perioden des ganzen Geschlechts lernen die Menschen neue,
ihnen vorher unbekannte Bedürfnisse kennen. Jedes neue Bedürfniß
ist gleichsam der Saame, aus welchen eine neue Veränderung, ein neuer
Zustand, ein Besserseyn hervor keimt. . . und diese Geschichte der
Abstammung, diese Entwicklung der Bedürfnisse ist die Geschichte der
Vervollkommnung des ganzen Geschlechts; denn nach diesem richten
sich Kultur, Verfeinerung der Sitten, Entwicklung der schlafenden
Geisteskräfte . . . ändert sich zugleich die Lebensart, der moralische und
politische Zustand, die Begriffe von Glückseligkeit, das Betragen der
Menschen gegeneinander . . .
162
ln der Stufe des männlichen Alters allein erscheint erst das Menschen
Geschlecht in seiner Würde, dort allein, nachdem wir vorhero durch
viele Umwege, durch lange wiederhollte traurige Erfahrungen gelernet,
welch ein Unglück es seye, sich die Rechte anderer anzumaßen, sich . . .
über andere zu überheben . . . dort allein sieht man es ein . . . welche
Ehre, welch ein Glück es seye ein Mensch zu seyn.
Diese erste Stuffe . . . ist Wildheit, rohe Natur: wo die Familie die
einzige Gesellschaft . . . ein Weib, und . . . die Ruhe, die einzigen Be¬
dürfnisse sind, ein Zustand, in welchem der Mensch die beyden vor¬
züglichsten Güter, Gleichheit und Frey heit, in voller Fülle genießet . ..
Wenn es nicht im Plane Gottes und der Natur läge, ihm anfänglich
nur das zu zeigen, wozu sie sein Geschlecht bestimmt, um ihm ein Gut
um so schätzbarer zu machen, das er anfänglich gehabt, sobald verlo¬
ren . . . und so lang und vergeblich gesucht, bis er endlich den rechten
Gebrauch seiner Kräfte . . . richtiger bestimmen gelehrt wurde.“
Die Vermehrung der Familie, des Eigentums, die Sprachentwicklung,
der Konkurrenzkampf führten dann, so Spartacus, zum Untergang der
ursprünglichen Freiheit und Gleichheit. Zwangsläufig wurden Könige,
Unterwerfung, Ungerechtigkeit. Einigkeit schüfe zwar Sicherheit, doch
da diese selten, machten Gott und die Natur das Flilfsmittel: „neue,
engere, klügere, geheime Verbindungen “. „Die kurze, wahre und phi¬
losophische Geschichte des Despotismus und der Frey heit“ sei derart
gegeben. Doch dieser Vertreibung des glücklichen Urmenschen aus dem
Garten Eden folgte noch schlimmeres:
Die Spaltung der einen Menschheit
„Es entstanden nämlich Nationen und Vorsteher, Könige der Na¬
tionen. Mit dem Ursprung der Nationen hörte die Welt auf, eine große
Familie, ein einziges Reich zu seyn: das Band der Natur wurde zerris¬
sen. Man vereinigte Menschen, um sie voneinander zu trennen: man
zog zwischen Menschen und Menschen eine Linie: diese hörten auf, sich
unter einem gemeinschaftlichen Namen zu kennen. Der Mensch fieng
an, dem Landesmann nachzustehen, und der Nationalismus trat in die
Stelle der Menschlichkeit.“
„Der Codex (Gesetzbuch) der Nationen ist von dem Gesetzbuch der
Natur verschieden.“
Die Folgen dieser verhängnisvollen Entwicklung seien dann Völker¬
mord, Religionsfanatismus, Sklaverei, Fürstenwillkür, Kriecherei,
163
Günstlingswirtschaft, Verarmung des Landes, Sittenverderbnis. Doch
so furchtbar alle die Auswirkungen dieses Fehlweges auch sein mögen,
sie gebären schließlich das Gute: den Fortschritt. Vernunft und Wis¬
senschaft führen zur Aufklärung, zu den Menschenrechten, zum Abbau
der Unterdrückung. Aber auch das schaffte nicht die Seligkeit. Die
Menschen würden nur zu bald ihrer alten Erniedrigung verfallen. Wie¬
der greife die „Vorsicht“ ein, denn seit uralten Zeiten biete sie der
Menschheit die „dauerhaftesten Mittel“ dar, nämlich die „stillen und
sicheren Triebfedern, die dereinst die Erlösung des Menschengeschlech¬
tes“ bewirken würden. Die Stunde des „Spartacus“, der sich „für den
ersten der Menschen, für einen zweyten Messias“ hielt!
(Fortsetzung folgt)
2ltle6 jum Reffen bet 2TJcnfrf>fjc!t" ?
Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter
VII. Ins „Reich der Freiheit“
Um die „Erlösung des Menschengeschlechtes“ ging es „Spartacus“,
nicht mehr und nicht minder. Die Wege dazu?
„Diese Mittel sind geheime Weisheitsschulen, diese waren vor allzeit
die Archive der Natur, und der menschlichen Rechte, durch sie wird der
Mensch von seinem Fall sich erholen, Fürsten und Nationen werden
ohne Gewaltthätigkeit von der Erde verschwinden, das Menschen Ge¬
schlecht wird dereinst eine Familie, und die Welt der Aufenthalt ver¬
nünftiger Menschen werden. Die Moral allein wird diese Verbrüderung
unmerkbar herbeyführen. Jeder Hausvater wird dereinst, wie vordem
Abraham und die Patriarchen, der Priester und der unumschränkte
Herr seiner Familie und die Vernunft das alleinige Gesetzbuch der Men¬
schen seyn.
Dieses ist eines unsrer großen Geheimnisse: vernehmen Sie die Be¬
weise davon, und sodann die Art, wie es auf uns gekommen
„Wer den Gang der Natur in den vorhergehenden Zeiten beobachtet,
wer das Gegenwärtige vergleicht, der wird finden, daß solche unbetrof¬
fen, ihren unabänderlichen Weg zu ihrem Ziel fortschreitet.“
2 ) Siehe den zeitgenössischen Stich in Folge 4/1984
204
Wohl sehe der ungeübte Denker nicht diesen unaufhaltsamen Fort¬
schritt, doch
„das untrügliche Merkmal der erlauchten Größen des Geistes“ sei es,
„in Jahrtausende hinein zu blicken Und so wird man „in der Ge¬
schichte des jüdischen Volkes die Geschichte des menschlichen Geschlech¬
tes finden, glücklich in ihrem ersten Ursprung . . . unterdrückt in Egyp¬
ten, und von da aus flüchtig nach dem verheißenen Land . . . endlich
glückliche Zeiten in Besitz ihres Landes, aber bald wieder unterjocht, bis
aus seiner Mitte der Mann erschien, der der Befreyer seines Volkes, und
des ganzen Menschengeschlechtes geworden. Dieses ist zugleich das kurze
Bild unsrer ersten Würde, unsrer nachmaligen Unterdrückung, unsrer
Wünsche und Hoffnungen, unsrer misslungenen Versuche, und unsrer
endlichen Erlösung ..."
Die Menschen seien so böse nicht, böse sind sie „weil man sie dazu
macht, weil sie alles dazu auffordert, Religion, Staat, Umgang und
böses Beispiel“. (Wir sind mitten im 20. Jahrhundert!)
Die Menschen wären leicht zu ändern, nämlich „so man die Vernunft
zur Religion der Menschen macht“. Dann »ist die Aufgabe aufgelöst “.
„Wenn dann die Moral, und die Moral ganz allein diese große Ver¬
änderung hervorbringen soll, dem Menschen seine Freyheit geben, das
große herrliche Reich, das Reich der Edlen zu errichten, und Heucheley,
Laster und Aberglauben und Despotismus zu zerstören, so wird uns be¬
greiflich, warum der Orden von seiner unteren Klasse an, die Sitten¬
lehre, die Kenntnis seiner selbst und andrer so gewaltig empfohlen.“
Die Moral dürfe aber nicht spitzfindig, nicht erniedrigend und belastend
sein, „das Joch das sie den Menschen auflegt, muß süß und die Bürde
leicht seyn“!
„Die Moral ist also die Kunst, welche Menschen lehrt, volljährig zu
werden, der Vormundschaft los zu werden, in ihr männliches Alter zu
treten, und die Fürsten zu entbehren.“
Die geheimreligiöse Lehre
„Es muß vielmehr die so sehr verkannte, vom Eigennutz mißbrauch¬
te, mit so vielen Zusätzen vermehrte, und ihrem wahren Sinn nach blos
im Geheim fortgepflanzte, und auf uns überlieferte göttliche Lehre Jesu
und seiner Jünger seyn. Dieser unser grosse und unvergessliche Meister
Jesus von Nazareth erschien zu einer Zeit in der Welt, wo solche in all¬
gemeinem Verderbniß lag, unter einem Volk, das den Druck der Knecht-
205
schuft von undenklichen Zeiten an am nachdrücklichsten fühlte, und auf
seinen von Propheten vorher verkündigten Erlöser hoffte . . . Diesem
Volk lehret er die Lehre der Vernunft, und um sie desto wirksamer zu
machen, machte er sie zur Religion, benutzte die Sage, die unter dem
Volk gieng, und verband solche auf eine kluge Art mit der dermal herr¬
schenden Volksreligion und Gebräuchen, in welche er das innerliche,
und wesentliche seiner Lehre verborgen . . .“
Seine „Gebote, die er als den Weg der Rettung anzeigt, sind zwey
einzige: Liebe Gottes und Liebe des Nächsten; mehr fordert er von kei¬
nem . . . Diesen geheimen Sinn und natürliche Folge seiner Lehre hat er
zwar im Ganzen verborgen; denn Jesus hatte eine geheime Lehre, wie
wir aus mehr denn einer Stelle der Schrift ersehen.“
Jesu Sittenlehre werde „auf Erden das Reich der Frommen und Aus¬
erwählten“ schaffen. Diese „einmal erhaltene Aufklärung, diese Gnade,
wird machen, daß die Menschen nicht mehr fallen, und daß dieser Zu¬
stand fortdauernd sey“. Die Hieroglyphen der Freymaurerey verbergen
diese Weisheit. „Die, in welchen diese Gnade wirkt, sind die Erleuchte¬
ten, Illuminati; ein Name mit welchem in der ersten Kirche alle Christen
der Taufe, hiemit alle Gläubigen belegt wurden .“
„Wäre Jesu Lehre der Gegenwart unverfälscht überliefert worden, so
würden die Menschen längst im Genuß von Freiheit und Gleichheit sein.
Aber die Kirchen hätten die wenigen Eingeweihten verfolgt, so daß sie
in die Freimaurerei flüchten mußten, ln ihren Symbolen sei nunmehr
das wahre Christentum enthalten. Die Maurer hätten die unvollendete
Revolution des Heilands zu Ende führen und die Gleichheit der Men¬
schen in der Form wiederherzustellen, wie sie unter den Jüngern ge¬
herrscht habe. ,Sie machen gleichgiltiger gegen das Interesse des Staates,
bringen Menschen von verschiedenen Völkern und Religionen wieder
zu einander unter ein gemeinschaftliches Band‘“ (deshalb die Fremd¬
arbeiterüberflutung von heute!), entziehen den Arbeiten des Staates
und der Kirche die fähigste Köpfe und Arbeiter, bringen Menschen zu¬
sammen, die sich vorhero nicht kannten, vielleicht niemal gekannt hät¬
ten; untergraben eben dadurch den Staat, wenn sie es gleich nicht zum
Zweck haben.*“ (Roßberg)
Ein Umsturzplan
Diese Schlüsselurkunde für Denken und Trachten Adam Weishaupts
enthält den zwar nicht sofort erfolgenden, jedoch zwangsläufig kom-
206
menden Umsturz der bestehenden Machtverhältnisse und das Ziel einer
Einheitsmenschheit. Es kennt wiederum Mittler zwischen Gott und
Mensch, denn ohne Priester, ohne ihr geheimes Wirken und ohne ihre
gottgleiche Aufgabe, verzögere sich das messianistische Programm, das
das des Alten Bundes war und blieb. Das hier entworfene und auf den
eigenen Leib geschneiderte Weltbild züchtet Dünkel, Sendungswahn
und rechtfertigt darüber hinaus alles Tun der Oberen. Nicht sie sind ja
die Macher, sondern „die Natur und Gott“. Selbst von der Verantwor¬
tung konnte sich der I. O. freisprechen, denn all sein Wirken,beispiels¬
weise die Vernichtung aller Völker, liegt ja in „Gottes Ratschluß“ be¬
gründet, ist sozusagen Naturgesetz!
Höchste Bedeutung kommt in diesem Wahnsystem — nicht anders
als heute — der „Erziehung“ zu, worunter aber weitgehend Abrichtung
und Dressur, von den Jesuiten abgeschaut, zu verstehen ist. Schließlich
erklärt diese Anrede noch das sattsam bekannte priesterliche Selbstwert¬
gefühl und die hierin wurzelnde Zielstrebigkeit des Handelns, die Kri¬
tiklosigkeit und vor allem die Verfolgungswut gegen Andersdenkende.
Auch hier amtet man als „Gott“, für hehrste Ziele, völlig selbstlos und
edel! Folglich ist des Teufels, wer anders denkt, fühlt oder handelt.
»Der Jude wird verbrannt“, so der Domherr in Lessings »Nathan“.
Zweifellos ist dieses Manifest eins der bedeutendsten Dokumente der
Freimaurerei überhaupt. Seine gewaltige Bedeutung liegt darin, daß es
die Prinzipien (Grundsätze) der humanitären"') Freimaurerei zu einem
Aktionsprogramm zusammenfaßte; das Ordensprogramm erregte ein
solches Aufsehen, daß Weishaupt an Zwackh (Cato) schrieb:
„Sie können nicht glauben, wie unser Priestergrad bey den Leuten
Auf- und Ansehen erweckt. Das wunderbarste ist , daß große protestan¬
tische und reformierte Theologen, die vom Orden sind , noch dazu glau¬
ben , der darin ertheilte Religionsunterricht enthalte den wahren und
ächten Geist und Sinn der christlichen Religion. O Menschen! zu was
kann man euch bereden! hätte nicht geglaubt , daß ich noch ein Glau¬
bensstifter werden sollte.“
Zum Schaden noch der Hohn! Professoren wie hohe Geistliche, z. B.
der Statthalter des Erzbischofs von Mainz in Erfurt, Karl Theodor von
Dalberg, gingen auf den Leim. Knigge jubelte :
„Da nun hier die Leute sehen, daß wir die einzigen ächten wahren
*) Irrtum: „Alle Brüder der Erde machen nur eine Loge aus.“
(Br. R. Fischer 1875)
207
Christen sind, so dürfen wir dagegen ein Wort mehr gegen Pfaffen und
Fürsten reden“
Die „Moral“ des linksextremen Freimaurers und Illuminaten, des Er¬
leuchteten „Spartacus“, und seines Gefolges war allein Mittel zum
Zweck, zum „Weltkommando“ (Knigge) der Neuzeit.
Wir stehen an der Wiege der heutigen Einweltler. Geist vom gleichen
Geist ist ihr Programm. Die FDP verkündigt:
„Liberalismus tritt ein für die Befreiung der Person aus Unmündig¬
keit und Abhängigkeit.
Er setzt sich ein für Aufklärung des Ungewissen und Abbau von Vor¬
urteilen, für Beseitigung von Bevormundung und Aufhebung von Un¬
selbständigkeit.
Erste Voraussetzung einer auf die Förderung solcher Emanzipation
des Menschen gerichteten liberalen Gesellschaftspolitik sind geistige
Freiheit und die Prinzipien der Toleranz und der Konkurrenz.“
(Fortsetzung folgt)
2Ulee 3 Utn „23cften 6er 21tenjtf)f)dt'?
Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter
VIII. Das überstaatliche Ziel
Auch das Ziel und nicht bloß die Mittel verweisen den I.O. in die
„Pyramide“ und deren Stoßkeile unterschiedlichster Art zum Weltein¬
heitsstaat. Mögen sich Johannisfreimaurerei, Andreas-Logen und Spar-
tacus-Bund auch noch so sehr in Äußerlichkeiten unterschieden haben,
sie sind Fleisch von einem Fleisch. Sie verkörpern nur verschiedene
„taktische“ Ebenen des Wirkens der mosaischen Geheimreligion der
Weltfreimaurerei.
Im wissenschaftlichen Schrifttum gilt der I.O. heute als „radikal-
aufklärerische Organisation “, welche eine „klassenlose Gesellschaft “,
die „Bruderschaft der Menschheit“ erkämpfen sollte, kurz die ganze
Welt im Sinne des Tempels Salomos abrichten und beherrschen wollte.
Ihrem messianistisch-missionarischen Weltbild, ihrem „Operations¬
plan“ gemäß, arbeitete der I.O. an dieser „Weltrepublik“, indem er be¬
gann, Staaten, Kirchen und alles öffentliche Leben zu unterwandern.
Dazu gehörten selbstverständlich auch die Durchsetzung und Steuerung
aller anderen Bünde und Logen. Alles nach der Losung: Unsere Moral
macht Fürsten (und Regierungen) wie Staaten entbehrlich!
Dieser „republikanische Kosmopolitismus“ (Weltbürgertum) arbei¬
tete mit „politisch-konspirativen Aktionen“ (Hammerbacher), mit poli-
tisch-verschwörerischen Taten. So bestätigte der I.O. eindeutig die von
den Freimaurerforschern wütend bestrittene „Verschwörungsthese “ 1 ,
als wichtigen Schlüssel zur Geschichte der Neuzeit. Die zu vernichtenden
Feinde der „Pyramide“ waren „Pfaffen und Fürsten“ und darüber hin¬
aus alle Gegner der illuminatischen Vernunft und Menschheit.
„Der Endzweck des Ordens ist also , daß es Licht werde, und wir sind
Streiter gegen die Finsternis; dieses ist der Feuer dienst.“
*) Sie ist tatsächlich anfechtbar, weil zu vereinfachend und nicht umfassend
genug. Der Glaube, die Religion, gleich ob profan oder esoterisch, bestimmt
alles Handeln. Auch die „ Infiltrationsthese“ (Unterwanderung) setzt irgend
eine ideologische Lehre voraus. Diese Feststellung entkriminalisiert den gläu¬
bigen Mitstreiter und stellt in die notwendige Abwehr die geistige Auseinan¬
dersetzung, die wahre Aufklärung!
264
So hieß es vor 200 Jahren und so heißt noch immer das dünkelhafte
aber tödliche Programm aller dieser „Erleuchteten“ und „Wissenden “.
van Dülmen urteilt:
„Es war also eindeutig das politische Ziel des Illuminatenordens, eine
kosmopolitische Weltordnung ohne Staaten, ohne Fürsten und ohne
Stände zu errichten. Auch wenn alle Statuten ausdrücklich betonen,
nichts gegen Staat und Religion zu unternehmen, so galt dies nur für die
unteren Grade“ (wie für die blauen Logen) „und widerspricht nicht den
politischen Intentionen“ (Absichten) „des Ordenssystems.“
Man hatte sich in seinem verkümmerten Seelenzustand das geeignet¬
ste Gewand zurechtgeschneidert und es verabsolutiert, ohne Kenntnis
des wahren Lebenssinnes:
„In der Entwicklungsgeschichte der Menschheit vom Urzustand über
die Unterjochung und Versklavung durch den Despotismus der Fürsten
und Priester zum Reich der Vernunft und Moral haben die geheimen
Gesellschaften, d. h. der I.O. für Weishaupt eine welthistorische Funk¬
tion“ (Aufgabe): „durch die Änderung der Bedürfnis Struktur und durch
Emanzipation der Menschheit den Despotismus zu überwinden. Sein
Anliegen ist die Wiederherstellung der durch die Entstehung der Für¬
stenherrschaft und Klassentrennung von Staat und Nation, von welt¬
lichem und geistlichem Despotismus zerstörten Natur der menschlichen
Gesellschaft in Freiheit und Gleichheit.“
Man stellt heute Weishaupts Ideologie und „Welterziehungsplan“
vorwiegend auf ihn selbst ab. So als ob ein 30jähriger Hochschullehrer
allein ein derartig ausgeklügeltes und abgefeimtes Umsturzsystem hätte
entwickeln können. Auffallenderweise fehlen Untersuchungen über des¬
sen geheimbündlerische Tätigkeit vor 1776 und ebenso solche über die
Förderer. Welche Rolle spielte z. B. Moses Mendelsohn, zu dessen
„Kreis“ auch Mirabeau, „einer der Väter der Revolution“ in Frankreich
gehörte und der die einflußreiche Schrift „Über Mendelsohn und über
die politische Reform der Juden“ 1787 geschrieben hatte? War er einer
der „Geheimen Oberen“, auf die Ludendorff verwies? Und wie ist die
Behauptung des gewiß mit Vorsicht zu lesenden Des Griffins von 1980
zu bewerten. Nach ihm befand der ehemalige Commander William Guy
Carr, Nachrichtenoffizier in der kanadischen Marine und mit weltwei¬
ten ausgezeichneten Verbindungen zu Geheimdiensten, daß „der Be¬
gründer des Hauses Rothschild (Mayer Amschel Bauer-Rothschild, 1743
265
bis 1812, auch die Nachjahren gehörten Logen an) die Pläne zur Grün¬
dung der Illuminaten“ entworfen und „anschließend Adam Weishaupt
mit deren Aufbau und Weiterentwicklung“ beauftragt habe.
L. A. Hoffmann, der Wiener Professor und ausgezeichneter Kenner
des damaligen Untergrundes, hatte auf die Mutterloge in England ver¬
wiesen. Laut Didier 1864 meinte Hoffmann:
„Aller Orten wo Brüder sind, erscheint der Reisende (F.-M.-Emissär)
mit geheimnißvollem Tone und Anstand, versammelt die Brüder, er¬
öffnet feierlich die Sitzung mit Gebet, spricht von dieser Epoche als
einer Zeit, welche die Vorsehung sich ersehen habe, der Menschheit eine
neue Gestalt zu geben, spricht von großen bevorstehenden Revolutio¬
nen, von glücklichen Aussichten, von einem erhabenen Ziele, zu wel¬
chem nur der Weise und Tugendhafte gelangen könne . . . Daß der Plan
der großen Weltreform seit 1786 in den Logen aller Länder vorbereitet
wurde und daß dieser Riesenentwurf einer allgemeinen Revolution zu
jener Zeit von den deutschen Illuminaten ausging (welche von der Lon¬
doner Centralleitung zur Bildung der Universal-Republik inspiriert
worden waren) als das neue Degenerations-System des Menschenge¬
schlechts um die ganze Erde durch den Zauberstab der geheimsten
Kenntniß der Dinge nach Willkür zu regieren.“
So dunkel die Vorgeschichte des I.O. noch ist, so klar sind dagegen
seine Spätwirkungen. Nicht etwa Weishaupts Organisation an sich, son¬
dern „sein“ Programm. Graßl wertet:
„Es gibt keine Organisation im damaligen Deutschland, in der we¬
sentliche Ideen der französischen und deutschen Aufklärung mit so viel
Energie, soviel pädagogischem Geschick eingeübt und praktiziert wur¬
den. Vieles war nur kompiliert“ (unverarbeiteter Stoff zu einem System
zusammengetragen), „dennoch war die Ordenshierarchie im ganzen
faszinierend 2 ). Die individuelle Freiheit ließ sich freilich nicht in die
autoritären Fesseln eines Ordens schlagen! Alle klägliche Bespitzelung
der Mitglieder mußte zur Lüge und damit zum inneren Zerfall des Or¬
dens führen! Gleichwohl wurden verschiedene Tendenzen der kommen¬
den Romantik vorahnend zusammengefaßt, mit dem Aufputz eines
,wunderbaren c Systems versehen. Extreme wurden durch Läuterung
vereint, durch Überwindung von ,Vorurteilen ( auf politischem wie auf
religiösem, auf naturwissenschaftlichem und philosophischem Gebiet.
2 ) Wohl doch nur für Eidgebundene!
266
Historiker wie der Ritter Heinrich von Lang, Philosophen wie Karl L.
Reinhold, Pestalozzi, aber auch spätere Ideologen des Liberalismus wie
der Restauration, die Jakobiner an Rhein und Isar, ein Politiker wie
Montgelas — sie alle wurden durch den Weishauptorden entscheidend
beeinflußt —, haben seine Lehrmeinung direkt übernommen oder neue,
nicht minder radikale im Gegensatz zu ihm ausgebildet. Das Feld der
Nachwirkungen ist riesig, widersprüchlich wie das Ordenssystem selbst.
Doch gerade darin liegt die große Fruchtbarkeit (?)
„Geheime Gesellschaften als Vorläufer politischer Parteien“, diese
Zusammenhänge sind seit Jahrzehnten Themen der Forschung. Als
Schlüssel zur Gegenwart wird folgende Feststellung von 1977 auf¬
schlußreich:
„Wenngleich natürlich noch keine Partei im modernen Sinn, so ist
doch der 1776 gegründete radikalaufklärerische I.O. auch nach der In¬
tention“ (Absicht) „seiner Gründer und Führer bereits ein solcher
Kampfverband gewesen. Denn dieser Orden ist als Kampfbund gegen
,die Feinde der Vernunft und der Menschheit c und als ,mächtige Parthey
gegen die Jesuiten und ,feste Anstalt gegen die RosenkreutzeV konzi¬
piert“ (entworfen) „worden. Die Gold- und Rosenkreutzer wiederum
gelten wegen ihrer antirationalistischen und gegenaufklärerischen En¬
gagements als Vorläufer einer konservativen Parteibildung in Deutsch¬
land.“ (Liberale, soziale und christliche Parteien.)
Nach den Worten Knigges strebte dagegen der I.O. eine ,,,(Neu)-
Gründung und Verbesserung unserer ökonomischen, politischen und
religiösen Systeme f an und ist daher zwar nicht faktisch“ (tatsächlich),
„aber doch tendenziell“ (der Absicht nach) »und dem Anspruch seiner
Führer nach — modisch gesagt — als eine systemüberwindende Welt¬
anschauungspartei 3 ) anzusprechen. Dies erklärt ganz wesentlich den um
den I.O. gerankten Verschwörungsmythos(?), der so geschichtsmächtig
wurde, daß noch 1965 amerikanische Rechtsradikale behaupten konn¬
ten, nicht Karl Marx, sondern Adam Weishaupt sei der eigentliche Be¬
gründer des Kommunismus.“ (v. Bieberstein, 1977)
Von diesen Zusammenhängen, man könnte vom weltlichen Arm der
jeweiligen Religionen sprechen, kann sich jeder leicht überzeugen. Schon
Erich Ludendorff hatte erkannt:
3 ) Solche müssen a priori jede rechtsstaatliche Volksherrschaft-Demokratie
gefährden und sind das Gegenteil wahrer Volksparteien.
267
„Im übrigen brauchen wir die Satzungen des Ordens nur durchzu¬
lesen, um ihre gedanklichen Zusammenhänge mit der Freimaurerei, dem
Sozialismus und dem Bolschewismus und mit den Lehren Walther Ra¬
thenaus und Asher Ginzbergs zu begreifen. Er hatte das gleiche Ziel, das
Jahwereich entvolkter und enteigneter Völker zu schaffen, wie es heute
verwirklicht werden soll . cc (1928) (Fortsetzung folgt)
2UIc6 3 utti „Beften Öet 2Ttenfcf){)eif ?
Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter
IX. Der Ordensaufbau
Das Grundgerüst des 1.0. bildete eine straffe Rangordnung (Führer¬
system-Hierarchie), d. h. die aus der Weltfreimaurerei hinreichend be¬
kannte Priesterherrschaft mit stufenweiser-pyramidenförmiger Gliede¬
rung und hermetischer Abriegelung zu jedem höheren Grad. Als Kitt
dienten das Ritual (Ordnung für gottesdienstliches Brauchtum), das
„Geheimnis“ und schließlich handfeste Zukunftserwartungen und Ver¬
sprechungen, aber nicht minder die Angst. Hieß es doch in den „Instruc¬
tionen für die Provinzialen“ (1782) des „Spartacus“, überarbeitet von
Knigge, ganz unverblümt:
„Und dafür lasse man uns sorgen, daß wir nur solche Männer zu Pro¬
vinziale ernennen werden, die dazu fähig sind, daß wir aber auch Mittel
in Händen haben, den zu züchtigen, der die ihm von uns verliehene
Macht mißbrauchen wollte.
Die Macht soll nur zum Besten der Brüder verwendet werden; allen
muß geholfen werden, denen man helfen kann; ein Ordens-Mitglied soll
man in jedem gleichen Fall allen andern vorziehen; für sie, besonders
für den geprüftesten, Geld, Bedienungen, Ehre, Gut und Blut verwen¬
det werden, und Beleidigungen des Kleinsten zur Ordenssache gemacht
werden“
Oberhaupt des 1.0. und den Mitgliedern „unbekannter Oberer“ war
Weishaupt selbst. Er fühlte sich als Jesus Christus und wähnte sich be¬
rufen, „den übrigen zurückgebliebenen Theil der Menschheit zur Voll¬
kommenheit, zur Glückseligkeit zu führen“. Nur den „edlem und schö¬
nem Seelen“, wozu er sich selbstredend zählte, kam ja der Besitz der
rettenden und alleinseligmachenden Wahrheit zu. Und nur sie würden
„bald die Oberhand über die Bösen erhalten, die jetzt den Meister spie¬
len und jeden der sich ihnen widersetzt, unglücklich machen“. Wie bei
allen Erleuchteten und Auserwählt-Elitären hieß es bei „Philo“:
„Der große Haufen mittelmäßiger Menschen bedarf einer höheren
Autorität“ (in den Religionen die nicht einsehbare, Glauben und Gehor¬
sam fordernde Macht „Gottes“, d. h. seiner Priester) „für die Wahr¬
heiten, denen er folgen soll.“
311
Dem Ordensgeneral Weishaupt unterstanden die „National-Direk-
toren“ mit ihren „ Inspektionen“ in den einzelnen Staaten. Diesen unter¬
worfen waren die „Provinzial-Direktoren“ und ihre „Schottischen Di¬
rektorien“*) in den verschiedenen Großstädten. Länder und Städte er¬
hielten Geheimnamen. So hießen Wien: Rom, München: Athen, Salz¬
burg: Nicosia, Regensburg: Corinth, und Bayern: Griechenland, Fran¬
ken: Illyrien, Schwaben: Pannonien, Österreich: Ägypten. Die „Basis“
bildeten die Novizen (Neulinge); die Pyramidenspitze aber mündete
ins „heilige Dreieck“ ein. Denn Adam Weishaupt war keineswegs das
Auge der „Pyramide “.
Knigge
Wie schon erwähnt brachte erst Knigge (seit 1781) den rechten
Schwung in den zunächst kümmernden Orden, jener nun „Philo“ ge¬
taufte Abenteurer mit weitreichender Hochgrad- und Gold- und Rosen¬
kreuzer-Erfahrung. Er entwickelte entsprechend dem Weishauptschen
„Welterziehungsplan“ ein schneeballartiges Werbeverfahren, das auch
die erfolgreichen „Fischzüge“ belohnte, nämlich mit dem Auf steigen in
die Hierarchie der „Edlen“. Alles was seinerzeit für Bildung und Auf¬
klärung und gegen Fürsten- und Pfaffenherrschaft stand, erschien zur
Mitgliedschaft und Abrichtung, pardon, Erziehung geeignet. Vor allem
sollten alle freimaurerischen Logen zielstrebig vereinnahmt werden, als
bestgeeignete Nährböden, aber ebenso zur Vertarnung. Über allem Tun
und Trachten, das klug auf „ theoretische Spekulationen“ verzichtete
und handfeste „werkthätige Anstalten“ bevorzugte, lag, wie in den
meisten Orden, eine fast krankhafte Überheblichkeit: die „Menschen
wieder zu ihrer ursprünglichen Würde zu erheben “.
Geleitet wurde der I.O. von Männern, die angeblich in den „Weis¬
heitsschulen“ des Geheimbundes ausgebildet worden waren. Diese Aka¬
demien ständen an der Spitze aller geheimen Gesellschaften und aller
Freimaurersysteme. Deshalb wüßten sie, und zwar zuverlässig, „was
gut , echt , nützlich oder nicht ist“. Auch das alles wurde geglaubt, „kam
*) Schottisch von acassais — Akazie, der Stab Moses und Weltzepter. Uber
die Schottenlogen schrieb die „FreimaurerZeitung“ 100 Jahre nach „Sparta-
cus“: „Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in den Hochgraden, dort machen
wir den Fortschritt, die Politik und die Weltgeschichte, darum die ungeschmä¬
lerte Aufrechterhaltung des schottischen Ritus. In ihm haben unsere Väter ihre
glorreichen Taten vollbracht, die Tyrannen gestürzt.“
312
an“! Zu lange hatte die Hirten- und Herde-Ideologie der Bibel die Selb¬
ständigkeit und das Denk- und Urteilsvermögen der Menschen gelähmt.
Grade
„Das System der Illuminaten war in drey Haupt-Classen getheilt,
deren jede zwey Untertheilungen hatte. Zuerst kam die Pflanzschule,
welche das Noviziat und die Minerval-Classe (auch kleiner Illuminat)
in sich begriff. Dann folgte die Maurerey, und zwar die symbolische
(Lehrling, Geselle, Meister) und die schottische (schottischer Novize oder
größerer Illuminat und schottischer Ritter oder dirigierender Illuminat
aus der stricten Observanz), und endlich die Mysterien-Classe, welche
die kleinen und großen Mysterien enthielt (den Priester-, Magus- und
Regentengrad) “
Der Gradaufbau verrät die übliche Zahlenmagie und Kabbalistik.
Die Stufe der Minervalen sollte dabei die kritische Bildung vermitteln,
d. h. eine moralische und aufgeklärte Persönlichkeit „erziehen“, wobei
unter moralisch und aufgeklärt immer das Wissen und die Übereinstim¬
mung mit der 3. Stufe der Menschheitsentwicklung zu verstehen ist: zu
gut deutsch, die kommunistische Einheitsgesellschaft.
Die leitenden Illuminatenklassen und ihre unbekannten Oberen stell¬
ten dagegen die politischen „Verschwörer“ dar, die die Aufklärung als
Werkzeuge von Natur und Gott steuern, die Ordensausbreitung betrei¬
ben und den Orden zum politischen Einsatz bringen sollten.
Dieser durchtriebene „Welterziehungsplan“ bedeutete nichts geringe¬
res als daß jeder Novize nach dem Durchlaufen der unteren Weihegrade
gezwungen war, . •. Logenbruder zu werden, und ein Freimaurer nun¬
mehr gleichzeitig Illuminat werden konnte. So er dazu taugte! Nicht
umsonst verpflichtete sich der Schottische Ritter „die hohen Oberen die¬
ses I.O. als ächten unbekannten Obern der Freimaurerei anzuerkennen“.
Um alles was da kreuchte und Beuchte: „erklärte Deisten; religiöse
Schwärmer; Grübler; Alchymisten; Theosophen; Leute, die Ruhe lieb¬
ten und nicht gern arbeiteten; unruhige Köpfe; Solche, die einen Hang
zur Intrigue hatten; fleißige und thätige Menschen; Herrschsüchtige;
Ehrgeizige; Ahnenstölze; Eigennützige; Solche, die Beförderung im bür¬
gerlichen Leben, und andere, die Hülfe und Unterstützung bey gelehr¬
ten Unternehmungen suchten; Einige, die an Feyerlichkeiten Vergnügen
fanden, und Andre, die alles was Cäsaromanie hieß, verachteten; Philo¬
sophen und Philosophaster“ (Schwätzer) in den Orden zu locken und
313
dann bei der Stange zu halten, verquickte „Philo“ die sogenannten
„humanitären T endenzen“ mit den katholisierenden-klerikalen und je¬
suitischen aber ebenso mit „Mystic und sanfter Schwärmerey“. Ergebnis?
Jeder glaubte im I.O. zu finden oder gefunden zu haben, was er be¬
gehrte. Auch das konnte „Einheit in der Vielheit“ , erfolgversprechendes
gemeinsames Marschieren und Schlagen, aber genauso Lähmung durch
„Spaltpilze“ bedeuten. Jesuitismus und „pseudomaurerisches Logen-
tum“ — wir wollen nicht um Worte streiten — verbanden und verfilz¬
ten sich. Schon wenige Jahre nach dem so hoffnungsfrohen Erblühen
brach der I.O. von innen nach außen auseinander. In Bayern jedenfalls,
Roms liebstem Kind in Deutschland. (Fortsetzung folgt)
2Ult6 jum »Neffen Öer TUcnfdjljetf ?
Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter
X. Der „Welterziehungsplan“
Auch die wahnwitzigen Ordenspläne, die man glaubte, Natur und
Gott entnommen zu haben, verraten die Handschrift gewiegter »Ver¬
schwörer zum Guten“ . Denn allein das Schrifttum hätte den jungen
Weishaupt wohl kaum befähigt, eine derart ausgeklügelte, d. h. der
menschlichen Unvollkommenheit so meisterhaft angepaßte Abrich-
tungs- und Diktatureinrichtung zu entwickeln. Wobei „ Spartacus“ Ver¬
dienste keineswegs geschmälert werden sollen. Er schrieb jedenfalls
1778:
»Da mir bekannt war, daß von den ältesten Zeiten der Welt her,
geheime Gesellschaften waren, worunter die eleusinischen Geheimnisse
die vornehmsten sind; da die heutige Welt voll dergleichen geheimen
Verbindungen ist, deren ich bereits viele kenne . . .“ wolle er „derglei¬
chen Werk“ zustandebringen.
Wie in allen gnostisch-magischen Geheimbünden kannten die Mit¬
glieder weder das Ziel noch die Mittel im einzelnen. Da die geeigneten
Menschen für die Verschwörung gegen Staat und Kirche erst geschaffen
werden mußten, „offenbarte“ der „unbekannte Oberste“ diese nur
Schritt für Schritt. Je nach Eignung und Folgsamkeit der Tempel¬
arbeiter.
„Jeder Grad hat seinen eigenen wichtigen Unterricht, jedes Mitglied
kann zur Vollkommenheit des ganzen bey tragen; jeder unserer Schritte
führt näher zur Vollendung, zur Erhöhung; jeder Grad giebt neue Ein¬
sichten, einen neuen Gesichtspunkt zu Beschäftigungen, die eines ver¬
nünftigen Mannes würdig sind; jede dieser Beschäftigungen ist ein we¬
sentlicher Bestandteil unserer Glückseligkeit, macht uns fähiger in Andre
zu wirken und Gutes hervorzubringen, andre äußere Vortheile zu ge-
schweigen.“
van Dülmen:
„ln dem Maße also wie ein Mitglied an Tugend und Aufklärung
405
wuchs, sich für die Ordensziele einsetzte und in der Ordenshierarchie
aufstieg, begann es an der Ordensweisheit zu partizipieren“ (teilzuha¬
ben), „bis ihm am Ende ,die totale Einsicht in die Politic und die Ma¬
ximen des Ordens c zuteil wurde “
Für „Herrenmenschen“ und die, dies es werden wollten, ein bewähr¬
tes Lockmittel, das auch damals nicht versagte. Selbst heute wissen diese
„Wissenden“ noch nicht, daß menschliche Veredelung oder gar Selbst¬
schöpfung nicht absichtlich machbar ist und daß der, der es trotzdem
versucht, das Gegenteil davon erreicht (s. M. Ludendorff: Selbstschöp¬
fung).
Machtsicherung
Die schon in den Mysterienbünden des Altertums und in den katha-
rischen Sekten des 12. und 13. Jahrhunderts bewährte dreistufige Glie¬
derung in Uneingeweihte, Wissende und Vollkommene sicherte auch
dem Spartacusorden die Macht nach innen und außen. Binnen kurzem
saßen die illuminierten Retter der Welt an den Schalthebeln der Macht,
und das nicht nur in Bayern.
Wie zielstrebig man vorging und wie unbekümmert man sich anbie¬
derte, bekundet der schon früher (IV) erwähnte „Werbebrief von Knig¬
ge“ 1782. Uber die „drey Hauptabtheilungen“ des I.O. führte er aus:
„1. Die Minerval-Klasse, worin die Zöglinge gebildet, und an Arbeit
und Folgsamkeit gewöhnt werden.
2. Die Maurerey, mit welcher aber der Orden weiter nichts zu schaf¬
fen hat, als daß er hie und da mit einigen Logen von verschiedenen
Systemen in Verbindung steht, und endlich
3. die höheren Grade, zu welchen wiederum die Maurerey die Pflanz¬
schule“ (ihr ewiges Schicksal!) „ist, und in welchen sowohl verschiedene
Aufschlüsse, als die Systeme, und der herrliche Operationsplan des Or¬
dens, voll tiefer Menschenkenntnis, vorkommt.
Das ist die Skizze von der Einrichtung dieser Gesellschaft, und bey-
liegendes Blatt ist ein ungefehrer Prospectus darüber. Die unterste oder
Minervalklasse ist also zur Bildung junger Leute und zum Einsammlen
bestimmt. Dies und daß der Orden wenigstens in Deutschland, vor¬
züglich in katholischen Ländern, bis jetzt ausgebreitet worden, ist
Schuld daran, daß die Schriften dieser Klasse einem schon gebildeten
Manne beym ersten Anblicke unwichtig scheinen möchten. Sie sind es
aber wahrlich nicht, denn es ist die feste Grundlage des Ganzen.
406
Um also dies Ganze kennen zu lernen und sich in das System hinein¬
zudenken ist es notwendig, jeden auch noch so erfahrenen Maurer durch
die Classe zu führen.“
Die eigentliche Grund- oder Pflanzschule des I.O. — hier durfte man
sich an Schillers „Fiesco“, Lessings ,, Nathan“ und Wielands „Agathon“
bilden — umfaßte die 1. Hauptklasse mit Noviziat und Minervalen
(Symbol für Weisheit). Hier wurde der Zögling, ohne es zu merken,
erforscht, „erzogen“, „zugestutzt“ und geprüft, ob er überhaupt für
den „großen ungeheuren Plan“ geeignet war. Um in die Grade der Er¬
leuchteten aufgenommen zu werden, mußte man tugendhaft, mäßig,
häuslich, höflich, „mitleidig“, untertänig sein, und das Alter wie die
Oberen ehren. Nach gründlicher Prüfung erfolgte die Aufnahme in den
Orden, durch eine Art Taufzeremonie, nämlich mit „über den Kopf
gehaltener flacher Hand“, wie das schon lange in vielen geisttäuferi-
schen Sekten üblich war. (Initiationssakrament, der Beschneidung ent¬
sprechend. Nach 1. Mose 17 das Zeichen des mit Jahve geschlossenen
Bundes). Selbstverständlich fehlten nicht die Eidesleistung mit bedin¬
gungslosem Gehorsam, Unterschrift und Ordensname für den „neuen“
Menschen.
„Die Bedeutung dieser Klasse gründet darin“, so van Dülmen, „daß
die Mitglieder ,wie die wahren Spürhunde abgerichteF wurden. ,Es
empfängt da jeder eine auf ganze genaue Beobachtung und Erfahrung
sich gründende Instruction, wodurch er in Stand gesetzt wird die Ge¬
sinnung und Meinung eines jeden zu erforschen, selbe zu benützen,
Geheimnisse abzulocken, pp. kurz den Menschen durch und durch zu
kennen und den daraus zu machen, was er wilU“
Weishaupt 1779:
„Bey uns sey eine Schul vom Unterricht, die ersten Grade seyen Vor¬
bereitung und häufige Übung, bis der Candidat, ohne es zu merken,
nach und nach hinkommt, wo man ihn erwartet. Er werde sich wun¬
dern, wie freundschaftlich auch sogar Fehlende von uns behandelt wer¬
den, wie eng sich einer an den andern schließe, wie sehr man thue und
helfe, was in einem Orte zu thun im Stande ist. Das Unangenehme der
Unterwürfigkeit werde bey uns gemäßigt dadurch, daß dem Candida-
ten gleich erlaubt wird, aufzunehmen, daß er auf solche Art gleich in
dem ersten Augenblick selbst eine Herrschaft über seine Receptos (An¬
geworbenen) erhalte.“
Im Mittelpunkt solcher Vorbereitung stand die Ausbildung eines
407
„kritischen Beobachtungsgeistes“, ein Lektüre vorgeschriebener mora¬
lischer und historischer Bücher sowie die Abfassung kritischer Abhand¬
lungen über aktuelle Fragen.
„Bemerken sie jeden Ihrer Untergebenen genau, beobachten sie ihn
in Gelegenheiten, wo er Reitz hat, anders zu seyn als er seyn sollte:
hier ist der Augenblick, wo es sich zeigen muß, wie weit er es gebracht
hat. Bemerken Sie ihn dort, wo er nicht glaubt bemerkt zu werden;
wo Begierde nach Ruhm und Beyfall, Furcht vor Tadel, Schande und
Strafe keinen Einfluß auf sein Handeln haben können. Zeichnen sie
sich alles genau auf; sie werden dadurch unendlich viel für sich und
ihre Leute gewinnen
Zur Rechenschaft, aber auch zur Kontrolle mußte jeder „ Rekrut "
einen monatlichen Bericht über seine Wahrnehmungen an die Oberen
senden. (Fortsetzung folgt)
2lflce jum „heften Öct 21lenfd)f)e(t'?
Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter
XI. Die Stufen zur . •. „Vollkommenheit“ . •.
Wer sich in diesem jesuitischen Spitzel- und Ausbildungssystem be¬
währte oder gar auszeichnete — „die nötige Kenntnis und Urteils¬
kraft erworben c hatte — durfte die Jakobsleiter der Erleuchtung wei¬
ter besteigen. Er wurde Freimaurer. Spurte er hier nicht wie erwartet,
verblieb er „Rekrut“, im „Vorhof“, und konnte „seine Muße auf Ent¬
zifferung von Hieroglyphen (heilige Kerben) und auf die unbedeu¬
tende Logen-Arbeit“ verwenden. Wer jedoch von „besserem Stoff“
war, wurde zum „illuminatus minor“ erhoben. Nun durfte er „Miner-
vale“ ausbilden.
Im „Unterricht zur Bildung brauchbarer Mitglieder“ ward von ihm
gefordert, daß er in der Bearbeitung seiner Untergebenen sich nicht
von seinen Leidenschaften leiten, von deren Klugheit nicht verführen
lassen und den Reichen und Vornehmen gegenüber mißtrauisch sein
müsse. Stets habe er auf Hochachtung den „unbekannten Oberen“
gegenüber zu achten und die Vorteile geheimer Bünde zu betonen.
Dem „kleinen Illuminaten“ folgte der große, der „illuminatus ma-
ior“ . Er steuerte alle in den Händen des I.O. befindlichen Freimaurer¬
logen und er wertete auch die einlaufenden Pflichtberichte der Pimpfe
aus, was der „Menschenkunde“, einer „Semiotic der Seele“ (Lehre von
d. Krankheitserscheinungen) dienen sollte. Die streng ausgewählten
Illuminati maiores wußten von den eigentlichen Ordenszielen der
einen Weltrepublik, ohne aber die „unsichtbaren Väter“ selbst zu ken¬
nen. Diese „grauen Eminenzen“ besetzten die Stellen im öffentlichen
Leben und förderten ihre Mitbrüder — eine klassische Günstlingswirt¬
schaft — und sie waren auch verpflichtet, der Ordensleitung ausführ¬
lich von ihrer Untergrundsarbeit zu berichten.
„Illuminatus dirigens“
Die letzte Stufe dieser „Mauerklasse“ bildete der „Illuminatus diri¬
gens“ , der „Schottische Ritter“ . Er stellte das Verbindungsglied zwi¬
schen dem Maurertum und den höheren Mysteriengraden des I.O. dar.
Dieser Grad war von Knigge entwickelt, aber später von Weishaupt
457
als Narrheit, einfältig und unbedeutend abgewertet worden. Sein
Inhaber mußte dem Orden ewige Treue schwören. Der „Schottische
Rittergrad“ (aus dem alten Tempelrittersystem) brachte die christliche
Religion in den I.O. ein. „Die durch Jesum bewirkte große, noch nicht
vollendete Revolution“ sollte fortgeführt werden. Sie, die „echten
Christen“, würden das Werk des Heilands zum Siege führen und den
Traum der Menschheit endlich vollenden.
Im Schrifttum wird diese Übernahme christlicher Vorlagen als Gim¬
pelfang bewertet. Zu Recht, da ihm der Bibelglaube bloßer Mantel
war, „um uns zu verbergen, daß die Leute nicht erschrecken“. „Philo“
hätte nämlich nicht eine Vertiefung, sondern eine Verdrängen des Chri¬
stentums und die Zurückführung des Menschen in den Stand völliger
Unabhängigkeit (wirklich?) und Vereinzelung, in dem er angeblich in
vorgeschichtlicher Zeit gelebt habe, erstrebt. Mag sein, doch von höherer
Warte aus gesehen diente ja jede der abrahamitischen Religionen der
„Herauserlösung“ aus „jederart Stamm, Sprache, Volk und Nation“
(Offb 5/9). Weil jede die atomisierten Menschenmassen „zu einem
Königreich und zu Priestern“ (für „unsern GofG-Jhvh) macht und ma¬
chen muß. Mit anderen Worten, jede dieser Heilslehren, auch die ver¬
weltliche des Marxismus, verfolgte „anarchistische Ziele“ (Vernei¬
nung der Volks- und Staatsgewalt u. -Ordnung).
„Oberstes Conseil“ (Rat, Versammlung), so hieß der Mysteriengrad
(Mysterium — religiöse Geheimlehre) der 3. Hauptstufe. Hier lag die
eigentliche Quelle der „eigenen Moral, Erziehung, Statistic und Reli-
gion “.
Diese „neue“ Adelschicht bestand aus den „kleinen Mysterien“ mit
„Priester“ und „Regent“ und den „großen Mysterien“ mit „Magus“
und „Rex“ (Magus lt. (matth. 2, 1, ein Weiser; bei den Rosenkreuzern
Titel der höchsten Mitglieder, d. h. Inhaber des 9. Grades; Rex, König).
Der „Priester“ besaß kein geistliches Amt, sondern war ausschlie߬
lich Lehrer des I.O., der ja eine „gelehrte Gesellschaft“ vortäuschen
sollte. Ihm oblag die Aufgabe, die „Kultur und Aufklärung nach un¬
serem Plan“ zu leiten, alle wissenschaftlich-literarischen Operationen
der Illuminaten in den einzelnen Provinzen zu lenken, durch die Mit¬
glieder alles Wissen der Welt sammeln zu lassen und ein eigenes Wis¬
senschaftssystem zu errichten.
Neben Physik, Medizin, Mathematik, Naturgeschichte, Politologie,
458
Künste und Handwerk kannte das Ordens-Mysterium noch „Geheime
Wissenschaften und besondre Kenntnisse.
A. Seltene Sprachen, orientalische Sprachen.
B. Kenntnisse geheimer Schreibarten, solche zu entziffern, Petschaf¬
ten zu erbrechen und für das Erbrechen zu bewahren.
C. Hieroglyphen, alte und neue.
D. Kenntnis geheimer Verbindungen, Freymaurer-Systeme etc. wo¬
hin auch die Bemerkungen und Sammlungen der Schottischen Ritter
übergeben werdenV
Die Steuerung der öffentlichen Meinung (sog. veröffentlichte) und
die Leitung der „geheimen Weisheitsschulen“, sprich Akademien, ge¬
hörte also hierher. Was die „Priester“ an „Weisheiten“ (Ideologien)
ausgebrütet hatten, sollte der „Regent“ zu verwirklichen suchen.
„In dieser Aneignung aller Kenntnisse und Erfindungen der Welt
erhoffte und erstrebte der Geheimbund als eine gelehrte Akademie das
absolute Monopol für Wissen und Erkenntnis, ,die man als Depot be¬
wahrt, und der Welt gerade immer so viel davon mitgetheilt hätte,
als in jedem Zeitalter, mit Rücksicht auf Bedürfniß und Grad der Auf¬
klärung nützlich geschienen wäre 1 .“ (van Dülmen)
. *. „Vollendung“ . ■.
„Die höchsten Mysteriengrade aber, die des Magus und Rex, waren
nicht schriftlich niedergelegt und wurden nur einem innersten Kreis
mitgeteilt und verliehen, ln ihnen erfolgte der letzte Schritt zu radikal
aufklärerischer Utopie und aktiver Revolutionsvorbereitung. Der Ma¬
gus- oder Philosophengrad sollte mit Hilfe der Lehre Spinozas l ) die
Religion vollends als ,pia fraus“ c (frommen Betrug) „entlarven, der
Rex — auch Grad vom patriarchalischen Leben c genannt — den Weg
über den Umsturz ins Utopia patriarchalischer Tyrannis führen.“
(Hammermayer 1980)
*) Wichtig auch für die Erforschung der Kräfte hinter dem 3. Reich eine
diesbezügliche Feststellung Ludendorffs in seinen Erinnerungen (III, 185,
193) „Lange schon war ja das Hochhalten Goethes in seiner Spinoza-Philo¬
sophie und seinen volkszerstörenden Tendenzen die Absicht aller volkszer¬
störenden Mächte und damit auch des Propagandaministeriums.“ Nach Ra¬
thenau rief auch Spinoza „vor den Sinai“ (M. Ludendorff, Erinnerungen Bd.
2/170)
459
(Patriarchen oder Erzväter waren Abraham, Isaak, Jakob, auch
David und die zwölf Sohne Jakobs. Jahve „ offenbarte “ sich ihnen
ebenso wie sckäter dem „Spartacus“ und anderen Geheimordensgrößen
oder „Jugend“- Sektenführern, durch Träume und Gesichte und sicher
auch durch gezielten Betrug. Israels Verheißung des Segens und des
kommenden Retters wurzelt in der Welt dieser biblischen Väter.)
Die „Regenten“ führten den Orden politisch als die „ edelsten, auf¬
geklärtesten und aus gebildetsten“ Männer. Sie kannten angeblich keine
Unterordnung mehr und „entschieden frei und eigenverantwortlich
nach dem Maß der eigenen Vernunft und Einsicht im Sinne der Ziele“
ihrer Wahnlehre. Mit wiederum anderen Ordensnamen schworen sie
heilige Eide, nie Schmeichler der Großen und nie Fürstenknechte sein
zu wollen. Mutig stritten sie für Tugend, Freiheit und Weisheit. So
wähnten sie.
„Dem Aberglauben, dem Laster, dem Despotismus will ich, wo es
den Orden, und der Welt wahren Nutzen bringen kann, kräftig wider¬
stehen.“
Die „Ordensspitze“
Vom „Rex“ wurde lediglich bekannt, daß er zur „Regierung der
Welt bestimmt“ war. Zu „Magi“ sollten dagegen die „höheren, specu-
lativistischen Köpfe“ erhoben werden. „Diese sammeln und bringen
die höheren philosophischen Systeme in Ordnung und bearbeiten eine
Volksreligion, welche der Orden demnächst der Welt geben will.“ So
bildeten Magus und Rex die über allen stehende Ordensspitze, sie wa¬
ren die Träger der politischen wie religiös-geistigen Macht, die künf¬
tigen Herren der Welt. Höchste Machtbefugnisse sollen ihnen eigen
gewesen sein, wenn man von den weiteren Hintermännern der „Py¬
ramide“ einmal absieht.
Wie sehr die Ordensobersten die sog. Welt kannten, geht auch aus
ihren Anweisungen hervor, Freimaurerei und Jesuitenorden gründlich
zu studieren. Durch sie sah „Spartacus“ , wie später andere Hochgrad¬
einrichtungen und selbst der B’nai B’rith, „die beste Möglichkeit, die
Verborgenheit des Ordens zu garantieren, zugleich aber auch das Mau-
rertum für seine politischen Zwecke auszunutzerf. Deswegen sollte
man sich auch immer mit dem Namen einer anderen Gesellschaft tar¬
nen.“
460
„Die Logen der untern Freymaurerei (d. h. die blaue oder Johannis¬
maurerei mit den drei untersten Graden) sind indessen das schickliche
Kleid für unsere höheren Zwecke, weil die Welt nun schon daran ge¬
wohnt ist, von ihnen nichts großes zu erwarten, welches Aufmerksam¬
keit verdient
„Bloß die Hülle und der Deckmantel der Gesellschaft der Illumi-
naten“, das waren und blieben die drei blauen Grade, auch dann, wenn
die heutigen, sie unbemerkt lenkenden, betrügenden und mißbrauchen¬
den „ Erleuchteten “ andere Namen tragen.
Weishaupts „geheime Welt- und Regierungskunst“ ruhte auf dem
„höheren Interesse“, das die vorurteilsfreien Geister zu einer „neuen
Einheit “ zusammenfassen sollte. Es „war der Wahn einer unbegrenz¬
ten Vervollkommnungsmöglichkeit, die dem Orden den Name ,Illu-
minaten oder ,Perfectibilisten c gab . . .
Im Widerspruch zu der Zusicherung der Denkfreiheit stand der
Befehl, die Ordensglieder so zusammen zu fassen, ,daß sie in der grö߬
ten Entfernung als gegenwärtig, in der Unterordnung als Gleiche, daß
viele wie ein Einziger handeln und begehren‘. Die angeblichen Vor¬
kämpfer der Toleranz 2 ) und Humanität scheuten sich nicht, die Waffen
der Jesuiten zu gebrauchen. Ihr Erziehungssystem ruhte auf den Grund¬
lagen der Hochgradmaurerei. Der strikte Gehorsam und die Schwei¬
gepflicht ermöglichten es, die Brüder mit Hilfe einer bis ins einzelne
ausgedachten Bevormundung zu Werkzeugen des Ordens zu machen.
Der hierarchische Aufbau der Hochgrade gestattete eine Auswahl zu¬
zuverlässiger Oberer, denen man die Ordensgeheimnisse bedenkenlos
anvertrauen konnte. Diese Eingeweihten, die sich Priester nannten,
blieben durch eine scharfe Kluft von den niederen Graden abgesetzt,
die sich dem Orden verschworen, ehe sie über seine Ziele im Bilde
waren .
,Wieviele Abstufungen es unter den Freimaurern gibt, wie wenige
Betrüger und wieviel Betrogene 1 , urteilte der preußische General Lud-
*) Duldung und Duldsamkeit, besonders in Glaubensfragen und in der
Politik. Gehört mit zu den gefährlichsten . * . Schlagworten. Gefahren, wo
auch immer, müssen abgewehrt werden, selbstverständlich nicht mit bibli¬
schem Fanatismus sondern dem Sittengesetz gemäß. Die Loge handelt übri¬
gens nicht anders, wenn auch nach ihrer Ideologie.
461
wig von der Marwitz, ,kann nur derjenige wissen, der selbst die höchste
Stufe erstiegen hat. Viele sind aber der Meinung, sie ständen auf der
höchsten Stufe, während sie noch nicht einmal die Schwelle des ihnen
ganz unbekannten inneren Tempels erreicht haben. Im ganzen steht
es mit der Sache so: obenan stehen die Bösen, welche Reichtum, Herr¬
schaft und Genuß für sich selbst verlangen und welchen alles übrige
nur Mittel zum Zweck ist. Dann kommen die Enthusiasten“ (Begei¬
sterten), „welche die Herrschaft der Vernunft verbreiten wollen, es
koste auch, was es wolle . . . Endlich die Albernen, welche mit etwas
Geld Gutes tun, dabei aber sich selbst amüsieren . . . wollen. Jeder die¬
ser Hauptstufen glaubt, mit ihr sei der Orden abgeschlossen, und ein
Meister vom Stuhl unter den Albernen würde Maul und Nase auf¬
sperren wenn er erführe, daß es über ihm noch Enthusiasten gibt.
Ebenso würden die Sentimentalen“ (Empfindsamen) „es als eine Lüge
bestreiten, wenn sie behaupten hörten, daß die Bösen ihre Hauptleiter
wären.“ (Roßberg)
Zur Vervollständigung noch der Hinweis, daß der I.O. ebenfalls
eine „Minerval-Schule für Mädgens“ plante, weil bekanntlich die
Frauen so „viel Einfluß auf die Männer“ haben, als „daß man hoffen
könnte, die Welt zu bessern, wenn sie nicht gebessert sind“!
Wie . ’ .„vollkommen“ gedacht und gehandelt wurde, beweist der
Plan der „Einrichtung des Weiberordens“ in der Handschrift von
Zwack, des späteren Hofrats und Regierungspräsidenten in München:
„Dieser muß aus zwey Klassen bestehen, wovon jede eine separierte
Gesellschaft ausmacht, und der anderen ihres Nexus (Zusammenhan¬
ges) wegen unbekannt bleiben muß.
Eine Klasse von Tugendhaften, die andere von Ausschweifenden.
Beyden muß unbekannt seyn, daß sie von dem Mannsorden geleitet
werden, und die Oberste von jeder Klasse muß glauben, eine Oberloge
zu haben, von der sie Befehle erhaltet; die aber im Grunde die Männer
geben. Beyde Klassen müßen durch Unterricht sowohl mutuellen“
(wechselseitigen), „als vor ge schlage ne männliche Lehrmeister, die Or¬
dens-Glieder wären, aber sich und ihnen unbekannt wären. Durch Lie¬
ferung von guten Büchern, und die letztere durch Vergnügen ihrer Lei¬
denschaften im Verborgenen.“
In Mannheim hatte der I.O. 95 „Demoiselles“ eingefangen.
(Wird fortgesetzt)
462
2lHee jutti .Bejteti Öct 3Ttenfrf)l)eft'?
Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter
XII. Das „Menschenfisdien“ 1 )
Der I.O. soll grundsätzlich allen jenen offen gestanden haben, die
„nicht für sich allein, sondern für die Welt, für das menschliche Ge¬
schlecht“ leben und sich über alle Bindungen hinwegsetzen (wie heute
Christen, Freimaurer und Sektenanhänger Geburt und Herkunft-Volk
verleugnen). Während Knigge ausschließlich ältere und reifere Men¬
schen aufnehmen wollte, folgte Weishaupt seiner jesuitischen Erzie¬
hung. Er bevorzugte 18 — 20jährige, „reiche, wissensbegierige, guther-
zige, folgsame und beharrliche, einnehmende, intrigante, unterneh¬
mende und geschickte junge Leute“.
„In diesen Illuminatenorden werden nur jene auf genommen, welche
sich nach ihren Gesetzen bilden und ziehen lassen, man wählt also vor¬
züglich junge Menschen, die solcher Eindrücke noch fähig sind und zur
Befriedigung ihrer Leidenschaften eine Unterstützung nöthig haben; —
Die die Erfahrung in der großen Welt noch über die Schicksale des
rechtschaffenen Mannes, und Bösewichts nicht aufgeklärt hat; — die
mehr glauben, als untersuchen. Solche Menschen sind dem Orden die
liebsten, besonders wenn selbe neben diesen Fähigkeiten noch Sekretär
bey großen Herrn, bey Ministern, und Generalen; Käthe, Archivarien,
Mediziner, Postofficiers, und Erzieher junger Prinzen, und Cavaliers
sind. — Doch können neben diesen alle Menschen, die hierzu taugen, in
den Orden auf genommen werden, also Landbeamte, Pfärrer, Wirthe,
Apotheker, Bauern usw.“
Gleich wie man solche Unterminierarbeit nun bezeichnen mag, ob
Konspiration-Verschwörung, Drahtzieherei oder „Osmose“, der schon
damals geübte „Marsch durch die Institutionen“ führte zunächst zur
Zersetzung des Staates und Volkes, dann zu einem kalten Eroberungs¬
versuch und schließlich, gewollt oder ungewollt, zum blutigen Umsturz,
x ) Mit Fischen werden lt. Bibellexikon Rieneckers die Menschen verglichen,
die aus dem Meer der Völker und Nationen heraus für den Herrn und sein
Reich, also für Jahwe gewonnen werden sollen. Deshalb lt. Mt. 4/19 zu Simon
und Petrus: „Kommet her, (folget) mir nach, und ich will euch zu Menschen¬
fischern machen.“ Auch hier das Herauslösen aus Volk, Stamm und Sprache
d. Offb. 5,9.
496
sprich zur Revolution. Selbstverständlich war auch damals der Frei¬
heitskampf gegen die römisch-jesuitische Tyrannis notwendig und sitt¬
lich berechtigt, doch nicht jener Völkerbetrug, der nur die Ketten wech¬
seln wollte, unter der Fahne der Freiheit. Wie einst die Christen, dann
die Jesuiten und später Kommunisten und „Asiaten“, stürzten sich nun
die Illuminaten auf die Jugend und ihre „Erziehung“.
„Denn auf diese Art bringt man der Jugend des Ordens Maximen“
(Hauptgrundsätze) »bey, bildet ihre Herzen, bearbeitet die besten
Köpfe, für uns zu wirken, gewöhnt sie an Ordnung und Disciplin, er¬
wirbt sich ihre Achtung, sieht einst die ersten Stellen im Staate mit
unseren Zöglingen besetzt, und die Anhänglichkeit an den Orden wird
wie alles, was man sich in frühem Jahren einprägt, unauslöschlich.“
Nochmals Originalton Weishaupt:
„Bey Erledigung der Schulämter (müssen) solche mit Ordensmitglie¬
dern besetzt werden. Diese Lehrer dienen dazu:
1) Die Ordensmaximen unmerklich der Jugend beyzubringen.
2) Das Herz der Jugend zu bilden.
3) Die tauglichsten und beßten Köpfe vorzubereiten, für den Orden
zu werben.
4) Sie zu Ordensdisciplin zu gewöhnen.
5) Die Jugend hat gegen sie Achtung.
6) Mit der Jugend wachset der Orden und besetzt mit der Zeit alle
Stände und Stellen.
7) Keine Anhänglichkeit kann größer werden, als die man schon in
der Kindheit und ersten Jahren gegen eine Sache erhaltet.“
Punkt XXVI der „Instructionen für den ganzen Regentengrad“ von
1782 bestimmt weiter:
„Militair-Schulen, Academien, Buchdruckereyen, Buchläden, Dom-
Capitel, und alles, was Einfluß auf Bildung und Regierung hat, muß
nie aus den Augen gelassen werden, und die Regenten sollen unaufhör¬
liche Plane entwerfen, wie man es anfangen könne, über diese Gewalt
zu bekommen.“
Nochmals sei betont, daß diese Anweisung aus dem Jahre 1782
stammt, aber wie ersichtlich die „Maxime“ aller Geheimorden war und
blieb!
Ordensgeistliche wollte man anfänglich aus Grundsatz nicht „er¬
leuchten“ , doch wurde man immer wieder diesem Grundsatz untreu.
soll(t)en selten zu Ordensmitglieder gemacht werden, und wenn sie es
497
Handwerker sowie Kaufleute waren weniger begehrt, und „ Fürsten
wären, niemals über den llluminatus maior befördert werden. Sie mü߬
ten glauben , daß mit solchem Grade alle Grade des Ordens ein Ende
haben“.
Dieser Betrug war folgerichtig, wollte man sich ja selbst an die Stelle
der Macht setzen oder diese zumindest unsichtbar lenken. Deshalb
durfte kein Fürst ein Myste werden, so sehr deren Ordenszugehörigkeit
und Ordenshörigkeit in den Pimpfengraden begrüßt wurde. Auf diese
Art mißbrauchte der I.O. wie ähnliche Einrichtungen die Ahnungslosig¬
keit, die Vertrauensseligkeit, ja auch Dummheit und Feigheit der
Mächtigen.
„Fürsten- und Vaterlandsliebe widersprechen den weitaussehenden
Gesichtspunkten des Ordens — man muß glühen für den Zweck“, den
aber nur selten jemand kennen durfte.
Nicht umsonst befahl die „Erziehungslehre“:
„Den Regenten muß man weniger, als den Ordensoberen gehorchen;
wollte jemand den Regenten mehr anhängen, so taugt er nicht für uns.
— Den Obern muß man mit Ehre, Gut und Blut dienen. Die Regenten
sind Despoten, wenn sie nicht von uns dirigirt werden, sie haben kein
Recht über uns fr eye Menschen.
In Deutschland soll nur ein, höchstens zween Fürsten sein — sagte
Marchese Constanzo — Diese Männer müssen Ordensglieder 2 3 ), und
von den Ordensgliedern dirigirt und so umgeben seyn, daß kein Pro¬
fan“ (im Gegensatz zum Geweihten ein Ungeweihter, Unheiliger, Un¬
würdiger, nicht im „Heiligtum“ befindlicher Mensch) „sich seiner Per¬
son nähern könne}) Man muß nur Ordensglieder zu den großem, und
mindern Staatsämtern befördern: muß man thun, wenn es gleich dem
2 ) Neben München war Mainz (Epidamnus) eine Hauptstätte der „katho¬
lischen Aufklärung“. Ohne in einer Loge zusammengefaßt zu sein, wirkten
hier 50 Illuminaten. Auffallend die große Zahl geistlich-aristokratischer Män¬
ner im I.O.: der spätere Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg, der spätere
Fürstbischof von Speyer Philipp Gf. v. Waldersdorff, die Grafen Friedrich
Lothar und Emmerich Joseph v. Stadion.
3 ) Den möglichen Nachfolger Karl Theodors von Bayern umgab der I.O.
eifrig mit seinen Mitgliedern. Ernst II. v. Sadhsen-Gotha-Altenburg, Herzog
Ferdinand v. Braunschweig, Herzog Karl August v. Weimar gehörten weiter
zum Orden.
Man denke z. B. an Bormanns Tätigkeit. Siehe H. M Beer: Moskaus As im
Kampf der Geheimdienste, Pähl 1983.
498
Besten der Regenten zuwider läuft; auch Regenten müssen die untern
Grade des Ordens durchlaufen, und sie werden nur befördert, je nach¬
dem sie die guten Absichten des Ordens einsehen: der keinen andern
Zweck hat, als die Sklaverey der Fürsten, des Adels, und der Geist¬
lichen zu beschränken, eine Gleichheit der Stände, und Religion herzu¬
stellen, und die Menschen frey, und glücklich zu machen. — Sind wir in
Baiern einmal 600 Illuminaten stark, so kann kein Mensch uns mehr
widerstehen“
Das aus solchem Machtanspruch stammende furchtbare Wort:
„Kein Fürst kann den schützen, der uns verrät K ,
hat nicht der Illuminaten Orden erfunden, auch dann nicht, wenn es
hier urkundlich erstmals vorkommt. Der Machtanspruch gehört zu den
Grundgesetzen aller Geheimorden aller Zeiten und Gegenden. Er
schlägt jedem Rechtsstaat ins Gesicht, maßt er sich doch ein allein dem
Staate zustehendes Hoheitsrecht an. Das „jus vitae et necis“ der Ge¬
heimorden war, ist und bleibt ein ideologisch-religiöses Verbrechen!
(Fortsetzung folgt)
2lHeö jutn # 33epten bet 21Tenjcf)bt(t'?
Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter
XIII. . *. Kadavergehorsam . •.
Blinder Gehorsam den Oberen gegenüber, so lautete Weishaupts be¬
dingungslose Forderung- Auch ihn hatte er vom Jesuitenorden*) abge¬
schaut. Moralisch verwahrlost verlangte er zur „Befreiung der mensch¬
lichen Natur von allen Zwängen“ die „totale Unterwürfigkeit“ und
„ewiges Stillschweigen in unverbrüchlicher Treue und Gehorsam allen
Obern und Satzungen des Ordens“ gegenüber.
Als im Einklang mit Gott und der Menschenwürde stehend, sprach
sich „Spartacus“, wie seine Vorgänger und Nachfolger, jedes Strafrecht
zu, auch die Todesstrafe. Aus dem „AufnahmeProtokoll des Juristen
B.“ erfuhr man schon 1787 folgendes Frage- und Antwortspiel der
I.O.-Satzung:
„12. Ob er diese Gesellschaft, oder Orden das jus vitae & necis in
omnes “ (das Recht über Leben und Tod in allem), „aus was Gründen,
oder nicht zugestehe?“
„Ad 12. Aus eben dem Grunde ich den Regenten der Welt zugestehe,
daß sie denn Gewalt über Leben und Tod der Menschen haben, aus eben
*) „Treten wir in den Orden, so sollen wir beherzigen, daß wir unseren
Willen in das Grab legen . . . der unvollkommene Gehorsam hat zwei Augen;
aber zu seinem Unglück. Der vollkommene Gehorsam ist blind. Seien wir also
so, als wären wir gänzlich tot. Eine Leiche sieht nicht.“ — »Der Gehorsam ist
ein Brandopfer ... Er ist eine vollständige Entsagung, vermöge derer sich der
Mensch seiner selbst völlig entäußert, um gelenkt zu werden durch die Hand
seines Oberen . .., wenn das Opfer des Intellektes nicht vollständig ist, kann
auch die Ausführung nicht so sein, wie sie sein soll.“ (s. Jesuitenmacht, 1940)
546
diesen gestehe ich es auch ganz gerne meinem Orden zu, der eben so¬
wohl wie die Regenten der Welt sollen, das Beste der Menschen be¬
fördert*
Wurde ein „Novize“ als „Erleuchteter“ aufgenommen, so mußte er
folgenden Eid schwören:
„Ich N. N. bezeuge hier vor Ihnen würdiger Bevollmächtigter des
erlauchten Ordens, in welchen ich verlange auf genommen zu werden,
daß ich meine natürliche Schwäche, und Unvermögenheit erkenne, daß
ich mit allem Rang, Ehren, und Titeln, die ich in der bürgerlichen Ge¬
sellschaft fordern kann, im Grund nichts weiters bin, als ein Mensch,
daß ich alles übrige, was mehr er s, gleichwie ich es durch meine Neben¬
menschen erhalten, eben auch durch sie wiederum verlieren kann . Daß
mir also aus diesem Grunde der Beyfall, und die Achtung meiner Ne¬
benmenschen unentbehrlich sey, und daß ich solche nach aller Möglich¬
keit zu erhalten suchen werde. Nie werde ich meine sowohl gegenwär¬
tige, als zukünftige Macht, und Ansehen zum Nachtheil des allgemeinen
Besten gebrauchen. Wohl aber den Feinden des menschlichen Ge¬
schlechts, und der bürgerlichen Gesellschaft nach meinen Kräften wider¬
streben.
Ich bekenne, und verspreche ferner, daß ich alle Gelegenheiten der
Menschheit zu dienen ergreifen, meine Erkenntniß, und Willen verbes¬
sern, und meine nützlichen Einsichten allgemein machen wolle; in so
fern es das Wohl, und die Statuten gegenwärtiger Gesellschaft von mir
fordern werden. Ich verbinde mich zum ewigen Stillschweigen, und
unverbrüchlicher Treue und Gehorsam allen Obern“ (den unbekann¬
ten), „und Satzungen des Ordens. Ich thue auch hier treulich Verzicht
auf meine Privateinsicht, Eigensinn, wie auch auf allen eingeschränkten
Gebrauch meiner Kräfte, und Fähigkeiten. Ich verpflichte mich, das
Beste des Ordens als mein eigenes Anzusehen, und bin bereit solchem,
so lange ich ein Mitglied davon bin, mit meinem Gut, Ehre, und Blut,
zu dienen.
Sollte ich jemals aus Ueberlegung, Leidenschaft, oder gar Bosheit
gegen die Satzungen, und das Wohl der erlauchten Gesellschaft han¬
deln, so unterwerfe ich mich allen Ahndungen, und Strafen, so mir von
meinen Obern zuerkannt werden.
Ich verspreche des weiters, daß ich in den Angelegenheiten des
Ordens nach bestem Wissen und Gewissen, mit Aufopferung meinen
eigenen Prvatvortheils rathen, und handeln, wie auch alle Freunde, und
547
Feinde der Gesellschaft als meine eigene betrachten, und gegen diese
aber mich auf keine andere Art betragen wolle, als mir nach der Anwei¬
sung der Gesellschaft wird auf getragen werden.
Nicht minder bin ich bereit, auf alle erlaubte Art, und Weise auf ihre
Vergrößerung, und Vermehrung bedacht zu seyn, und meine Kräfte
dahin nach Möglichkeit zu verwenden. Und alles dieses versichere ich
demnach, und sage es ohne allen geheimen Vorbehalt, gänzlich nach
Intention der Gesellschaft, die von mir dieses Versprechen fordert, so
wahr ich ein ehrlicher Mann bin, und ewig bleiben will.“
Schon vorher, vor der Aufnahme als Novize-Neuling, verlangte der
I. O. folgenden „Revers“:
„Ich endesgesetzter verflichte mich bey meiner Ehre, und guten Na¬
men mit Verzicht auf allen geheimen Vorbehalt von den mir von N. N.
anvertrauten Sachen, meine Aufnahme in eine geheime Gesellschaft be¬
treffend, gegen keinen auch vertrautesten Freund und Anverwandten
auf keine möglich Weise, weder durch Worte, Zeichen, Blicke, jemals
das geringste zu offenbaren; es mag nun solche meine Aufnahme zu
Stande kommen oder nicht; um so mehr als mein Aufnehmer mir ver¬
sicherte, daß in dieser Gesellschaft nichts wider den Staat, die Religion,
und die Sitten unternommen werde. Auch verspreche ich, die mir des¬
sethalben mitzutheilenden Schriften, oder zu ertheilenden Briefe nach
vorhergemachten Niemanden verständlichen nöthigen Auszügen also-
gleich zurückzustellen. Und dieses alles, so wahr ich ein ehrlicher Mann
bin, und noch ferners seyn will.“
Natürlich bemühten sich genügend freimaurerische Verteidiger, alle
Enthüllungen über den I.O. zu verharmlosen und als Verleugnung ab¬
zustempeln. Davon wissen alle Freiheitskämpfer gegen die Pest der
Geheimbünde ein Lied zu singen, gleich ob das L. A. Hoffmann, J. G.
Zimmermann, K. Didier, E. E. Eckert, Ch. A. H. Haugwitz, F. Dau-
mer, H. Ahlwardt, F. Wichtl oder das Haus Ludendorff war. Auch
J. M. Babo, München, hatte 1784 scharf gegen den Illuminatenorden
gekämpft:
„Derjenige ist unwiderbringlich verloren, der das Unglück hat, den
Groll seines Logenoberen auf sich zu ziehen; denn alle Mitglieder
schwören auf die Worte des Meisters und wem diese Fluch sprechen,
über den macht sich gleich die ganze Rotte her.“
Nachdem nach Babos Erkenntnis der Staat „beinahe von lauter Män-
548
nem bedient, die ganz der Loge“ angehören und nahezu der „ ganze
Nachwuchs der Staatsbedienten“ vom Orden beherrscht werde, konnte
in der Tat auch niemand mehr den „Verräter“ schützen. Jedenfalls for¬
derte und praktizierte „Spartacus“ weit mehr als alle verteufelten Für¬
sten eine unbegrenzte Tyrannei. „Die Konsequenz der Ordensdespotie
wurde infolge der Anonymität ungreifbarer Unbekannter Oberer
schrecklicher und bedrohlicher empfunden, als es die Despotie des Staa¬
tes jemals sein konnte. Die Inquisition in Spanien führte keine so
schändlichen Grundsätze, und ein offenbarer Aufruhr wäre weniger
schädlich als dieser Staat im Staate und dieses unsichtbare Gift. Wie
Schlangen über Laokoon seien die Illuminaten über ihre Gegner herge¬
fallen. Der entstandene ,Staat im Staate e habe seine Moral bewußt über
die der Gesellschaft gestellt.“ (Graßl)
Die Ordensoberen entwürdigten ihre Brüder und machten sie zu wil¬
lenlosen Werkzeugen ihrer Weltmachtziele, ohne deshalb den Erfolg
der Jesuiten erreichen zu können. Zynisch behauptete Weishaupt, seine
strenge Gehorsamsforderung sei die „einfachste Art, 1000 Menschen
in Bewegung und Fallen zu setzen“. Nur so könne er „ordres ertheilen“
um „im Politischen zu operieren“.
Die heutigen Vergleiche der Illuminaten-Herrschaft mit den „tota¬
litären Parteien des 20. Jahrhunderts“ treffen durchaus ins Schwarze,
besonders dann, wenn man sie als „weltlichen Arm“ der religiösen oder
atheistischen Mächte betrachtet. „Jede ,Geheime Gesellschaft c übt eine
Art absolute Herrschaft über ihre Mitglieder aus, wobei der ,Burg¬
frieden r innerhalb der Gesellschaft durch ihre Abschließung in formal
unübertrefflicher Weise begünstigt wird.“ (G. Simmel, Soziologie)
In den „Allgemeinen Ordens-Statuten“ von 1781 hieß es:
„Der Orden fordert also freywillig ein Opfer der Freyheit von den
Mitgliedern, zwar nicht unbedingt, aber allezeit, wenn es ein Mittel
zum großen Zweck ist. Befehle der Obern haben allezeit die Ver -
muthung für sich, daß sie zum Zweck führen; denn die Obern sehen
weiter, sehen tiefer in das System hinein; und eben darum sind sie
Obere, und dieser Ursache wegen ist man Folgeleistung schuldig.“
(Fortsetzung folgt)
Kein Wort im Evangelio ist mehr in unseren Tagen befolgt worden,
als das: Werdet wie die Kindlein. Lichtenberg
549
2llle8 3 utn „Befteti 6er Jnenfrfjfjett* ?
Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter
XIV. Das „Geheimnis“
Adam Weishaupt war nach allem, was wir wissen, ein machtgieriger,
verschlagener Mann und hatte den Seelenmißbrauch der Kirchen und
Logen in seinen Grundlagen erfaßt. Dem religiösen Wahn zutiefst ver¬
fallen, hielt er sich ungeachtet dessen für aufgeklärt, der Vernunft und
589
hoher Moral ergeben. Seine so gewonnene „Menschenkenntnis“ setzte
er rücksichtslos für das Ziel einer klassenlosen, sprich kommunistischen
und nur von Hochgradmaurern beherrschten Sklavengesellschaft ein.
Denn seine und seiner Genossen „Erziehung“ war nicht Erziehung zur
Selbstveredlung und Selbstbeherrschung, zu reifem Denk- und Urteils¬
vermögen sowie zur Volksverantwortung, sondern harte Suggestiv-
und Hypnoseabrichtung zum wurzellosen „Weltbürger“. Unter ge¬
schickter Verwertung der Lust- und Leidgesetzlichkeit des unvollkom¬
menen Selbsterhaltungswillens.
Weishaupt an Zwack 1781: „Die Rekrutierung ließ ich durch eigene
dazu fähige Leute verrichten, die sich zugleich mit Abrichtung der Leute
abzugeben verstehen. Plinius und Pythagoras haben hierinn vorzügliche
Geschicklichkeit. “
Statt mit irrational-mystischen Verlockungen gewisser Freimaurer¬
grade suchte er durch ein anderes „Geheimnis“ seine Gefolgschaft an
sich zu ketten. Mit gleißnerischen Worten und Versprechungen ver¬
führte der I.O. zum Beitritt. Das „Geheimnis“ , nach innen wie nach
außen, über den Ordensaufbau, die Namen der Oberen und die Lüge
von dem ehrwürdigen Alter des I.O., sollte, verbunden mit Gehorsams¬
verpflichtung und Morddroheiden, hoch und niedrig bei der Stange
halten. Eigene, in den Hochgraden wechselnde Ordensnamen, Tarnbe¬
zeichnungen für Länder und Städte, eine besondere Geheimschrift, Lo¬
sungen und schließlich noch die „neue“ Zeitrechnung"') (Olympiaden¬
rechnung) scheinen auch damals genügt zu haben, die den Reifejahren
noch nicht entlaufenen Männer zu fesseln. Betrug überall:
„Unsere Stifter hatten Kenntnisse, weil sie solche mittheilten. Bey
Gründung des äußern O’s nützten sie das Studium der Mängel und Vor¬
züge aller bisherigen Anstalten von der Art, den Rath der klügsten,
besten, feinsten, erfahrensten Männer, und verbanden dieß mit philo¬
sophischem Scharfsinn. Ueberlieferungen, Wärme für das allgemeine
Wohl und Uneigennützigkeit, theils aus Bescheidenheit, theils. um sich
gegen ihre eignen Leidenschaften sicher zu stellen, überlieferten sie dar¬
auf die ganze Direction des Gebäudes andern treuen Händen, und zo¬
gen sich zurück: man wird nie ihren Namen erfahren, und die, welche
*) Der Monat Pharavardin hatte 41 Tage und dauerte vom 21. 3. bis 30. 4.
Der Mai hieß Adarpahaschet und der Juni Chardad. Die Novizengeheim¬
schrift bestand in Zahlen, wobei man das a durch 12 ersetzte und beim n mit
der 13 fortfuhr. In den Hochgraden galten andere Regelungen.
590
■jetzt das Ruder führen, sind nicht die Stifter der neuen Einrichtung.
Aber die Nachwelt wird die unbekannten Wohltäter segnen ... Alle
Documente darüber sind verbrannt.“
Mit solchen und einzig solchen läppischen Spielchen wähnte man in
der Tat, den einzelnen wie die gesamte „ Menschheit“ veredeln, sie zu
„Tugend und Aufklärung“ führen zu können. Ein geschlossenes Wahn-
und Herrschaftssystem! Kein Wunder, daß angesichts dieser „guten“
Ziele auch die angewandten Mittel „in der Natur des Menschen“ lagen:
„Der Orden will überhaupt, so viel möglich, verborgen bleiben; denn
alles Geheime und Verborgene hat für uns sonderbaren Reitz; bey an¬
deren Leuten aber erweckt die Verborgenheit Neugierde, und zugleich
wird die Anhänglichkeit bey uns vergrößert. Die Obern haben dabei
mehrere Gelegenheit zu beobachten, und also unbemerkt die Leute desto
sicherer kennen zu lernen. Der Orden ist dadurch sicherer vor dem Ein¬
dringen untauglicher Mächtiger und vor den Muthmaßungen der aus¬
spähenden Vorwitzigen. Die guten edlen Absichten können weniger ge¬
hindert, und die Ausbrüche der Herrschsüchtigen und der Partheygän-
ger desto leichter unterdrückt werden.“
„Verborgenheit, diese ist das nothwendigste Stück. Daher soll auch
in einem Lande, wo der O. so viel Macht hätte, öffentlich aufzutreten ,
dieß doch nie geschehen. Sondern der Präfect muß allem seinem Vor¬
haben auf eine geschickte Art nach den Local-Umständen einen Anstrich
geben, und dem O. mit Bewilligung des Provinzials ein anderes Kleid
umzuhängen wissen“
Den „Brüdern“ des I.O. durfte selbstverständlich nur so viel eröffnet
werden, „als der Grad seiner Zuverlässigkeit, die Ausdehnung seines
Wirkungskreises, die Erhaltung seines Zutrauens und Eifers fordert.“
Die Richtlinien für den Regentengrad bestimmten:
„Höhere Grade müssen den untern allezeit verschwiegen bleiben.
Man ist geneigter von Personen, die man nicht kennt, Befehle anzuneh¬
men, als von Bekannten, an denen man nach und nach allerley Mängel
wahrnimmt.“
Diese zielbewußte Geheimnistuerei, die vermeintliche Selbstverede¬
lung und das religiös-imperialistische Fernziel dienten dabei nicht nur
als „Opium des Volkes“. Man glaubt heute, diesem „Geheimnis“ eine
„eminent politische Funktion“ zuzusprechen müssen. Nur zu wahr, wie
das für jedweden „Glauben“ gilt:
„Das Geheimnis impliziert“ (schließt ein) „keine direkten Umsturz-
591
plane, aber es verschleiert die politische Konsequenz“ (Auswirkung) „der
moralischen Pläne, die sich gegen den absolutistischen Staat richten
Ein Hochschullehrer, Reinhart Kosellek, bestätigte damit E. Luden¬
dorffs Grunderkenntnis. Ungewollt! Absicherung der „Verschwörung“
und der Umsturzpläne nach innen wie nach außen, darum ging es dem
I.O. und geht es immer noch den Religionen der Kirchen, Logen, Mo¬
scheen, Pagoden und Politbüros.
van Dülmen:
„Weishaupt ist davon überzeugt, daß sich Tugend und Aufklärung
vor politischem Druck, vor Mißbrauch öffentlicher Gewalt wie von
Verrätern aus der eigenen Reihe nur dadurch schützen lassen, daß der
Zweck, die Politik und das Personal strikt vor jedem ,Uneingeweihten'
in und außerhalb des Ordens verborgen werden. Damit beansprucht der
Orden als Repräsentant“ (Vertreter) „der bürgerlichen Gesellschaft das¬
selbe Recht, wie Staat und Kirchen ausüben, nämlich Uneingeweihte*
aus seiner Praxis auszuschließen. Durch das Geheimnis, d. h. durch Ge¬
heimhaltung der Struktur“ (Aufbau), „des Alters des Bundes, der Na¬
men der Oberen, wie auch durch die Einführung eigener Ordensnamen
für alle Mitglieder, eine eigene Zeitrechnung und Chiffres aller Art, die
so wenig Wert in sich besitzen, daß sie willkürlich verändert werden
können“ (die Arkandisziplin nicht zu vergessen), „war die Hoffnung
gegeben, frei von Furcht und Angst für die Ideale der Aufklärung zu
wirken. Denn ,der politische oder religiöse Druck sind wohl bey edlem
Seelen die natürliche Veranlassung, welche das Bedürfniß nach solchen
Anstalten erwecken kann.“
Nun, das sind auffallend freundliche und entgegenkommende akade¬
mische Sandkastenspiele. Sie treffen keineswegs die Wirklichkeit des
„Geheimnisses“ der Geheimorden, günstigenfalls dumme Mitläufer oder
den Selbsttäuschungsapparat der Vernunft. Auch Fichtes frühe Aussage:
„Das offenbarste und dennoch geheimste Geheimnis der Freimaurer ist,
daß sie sind“, oder auch Br. Lennings Behauptung, die Freimaurerei hat
kein, „sie ist ein Geheimnis“, bringt zu wenig profanes Licht, also
Sonnenhelle, in die fensterlose Logenwelt. Das „Geheimnis“ des Illu¬
minatenordens war die eine Welt. Es unterscheidet sich vom Jesuitis¬
mus, Katholizismus oder den anderen Logensystemen keineswegs, die¬
sem Frevel mußte je nach Lage und Zeit alles und jeder dienen.
„Tugend und Aufklärung“, so lauteten und lauten die Rattenfänger¬
klänge dieser Menschenfischer. Denn Tugend und Aufklärung, d. d. die
592
Entfaltung der „göttlichen Wünsche" des Schönen, Guten, Wahren und
der Menschenliebe, die benötigen weder Geheimnistuerei, noch List oder
gar Morddroheide. Sie lassen sich auch nicht „ machen ", weil sie sich
einzig in absoluter Freiheit durch Hingabe an das Göttliche, das Wesen
der Dinge, verwirklichen lassen. (Fortsetzung folgt)
2Hlee jum „33eftcn Öet JHenfdjfjtit' ?
Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter / XV. Die. *. Mittel und. *. Wege
Der sittliche Tiefstand des „Spartacus“ erweist sich am klarsten an
seinen Wegen und seinem Ziele:
„Die Operation und Manipulation verstehe ich besser, als irgend einer
im Orden. Ihr Herren seht nur auf das Große, und verachtet zu sehr die
kleinen Nuancen“ (Feinheiten). O, davon hängt alles ab. Ich studiere
jeden Blick und jeden Tritt, ob ich dabey gewinne oder verliere, und
richte auch meine Leute darauf ab, daß sie auf meinen Wink gehen, und
mir, ohne daß ich rede, die Ordre im Gesicht lesen. Niemand hat dieses
besser gewußt als der Jesuitenorden. Ich glaube auch, daß aus der Ver¬
nachlässigung einer klugen Manipulation auch im kleinsten, die Maurer
und alle bisherigen geheimen Gesellschaften verfallen seyn. Man muß
unter unsere Leute einen eigenen Ton, und Sitten bringen, die sich von
allen unterscheiden.“
„Menschen ändern“, „die Leute erst machen“, das verlangte „Sparta¬
cus“, „und das kostet Mühe“, weil allein fortdauernde Suggestion das
erreichen kann.
Akademien
„Gelehrte Gesellschaften“ und „geheime Weisheitsschulen“ („Weis¬
heit“ — Geheimwissen-Esoterik) nahmen im „Welterziehungsplan“
einen hohen Rang ein.
„Was nützt dem Orden eine Menge Menschen, die sich auf keine Art
ähnlich sind? Alle diese Männer müssen von ihren Schlacken gereinigt
werden, und zu edlen, würdigen Menschen umgeschaffen werden. Dies
ist nur die härteste und schwerste Arbeit. Dem Orden ist nicht so sehr an
der Menge, als an der Güte der Arbeiter gelegen. Also
a. soll bey dem ersten Eintritt in den Orden jedes Menschen Seele er¬
weitert, und große Entwürfe fühlbar gemacht werden. Er soll gleich
Anfangs hohe würdige Begriffe erhalten. Es sollen ihm die Sachen wich¬
tig, erstaunend geschildert werden, ohne sich jedoch in das Besondere
einzulassen. Es versteht sich, daß die Aufführung des Aufnehmers den
Candidaten nicht das Gegentheil erwarten lasse.
b. Der Candidat wird den bekannten Vorschriften gemäß geleitet,
aber nicht auf einmal, sondern nach und nach, damit durch die Ueber-
644
legungs-Fristen das Bild sich tiefer einpräge. Er muß bitten, nicht sich
bitten lassen.
c. Die Begriffe von Größe werden ihm beygebracht durch Vorstel¬
lung der Uneigennützigkeit des Zwecks . . . durch Beschreibung der Vor¬
theile, die auch das geringste unserer Mitglieder vor allen Profanen hat,
durch den Reitz der verborgenen Macht. . .
Hier muß man erfahren, daß bey uns jedem auch von der ganzen
Welt verkannten Verdienste Gerechtigkeit widerfährt, nur daß der Bö¬
sewicht auf dem Throne bey uns so gut, oft mehr ein Schurke heißt, als
der, welchen man zum Galgen führt, der große Mann hingegen eine
sichere Canonisation“ (Heiligsprechung, Aufnahme in den Canon) „fin¬
det.“
„Spartacus“ war sich durchaus der Schwierigkeiten seiner Dressur¬
pläne bewußt. Immer wieder mußte „die Vorsicht“ anspornen und trö¬
sten, „die Vorsicht, die seit uralten Zeiten“ ihm, Adam Weishaupt, vor¬
gearbeitet und „die dauerhaftesten Mittel dargebothen hätte“:
„Diese Mittel sind geheime Weisheitsschulen, diese waren vor allzeit
die Archive der Natur, und der menschlichen Rechte, durch sie wird der
Mensch von seinem Fall sich erholen, Fürsten und Nationen werden
ohne Gewaltthätigkeit von der Erde verschwinden, das Menschenge¬
schlecht wird dereinst eine Familie, und die Welt der Aufenthalt ver¬
nünftiger Menschen werden.“
Der „Priestergrad“ wollte, wie es ja im Selbstverständnis dieser Men¬
schengattung zu allen Zeiten lebte, die „Kultur- und Aufklärung nach
unserm Plan“ lenken, alle wissenschaftlich-literarischen Tätigkeiten lei¬
ten, alles Wissen von der Welt sammeln und ein eigenes Wissenschafts¬
gebäude errichten.
Auch hier erkennt man das Spieglbild des Jesuitismus. So wie dort
„einige der Unsrigen auf diesen Gebieten (der Wissenschaften) exzellie-
ren sollen“, so hier beim „Antijesuitenbund“ . van Dülmen:
„ln dieser Aneignung aller Kenntnisse und Erfindungen der Welt er¬
hoffte und erstrebte der Geheimbund als eine gelehrte Akademie das
absolute Monopol“ (Vorrecht) „für Wissen und Erkenntnis, ,die man
als Depot bewahrt, und der Welt gerade immer so viel davon mitge-
theilt hätte, als in jedem Zeitalter, mit Rücksicht auf Bedürfniß und
Grad der Aufklärung nützlich erschienen wäre'.“
Nachdem heute die Moral der Illuminaten des 18. Jahrhunderts mehr
oder minder, im Westen wie im Osten, herrschend geworden ist — wir
645
also „aufgeklärt“ und „tugendhaft“ geworden sind, kann das für die
damalige Zeit Umstürzlerische des I.O. gar nicht mehr voll verstanden
werden. Der jesuitische Muff jenes Jahrhunderts hat sich gewandelt und
Weishaupts Materialismus beeindruckt kaum mehr. Trotzdem bleibt es
bemerkenswert, wie „modern“ sein Ordenslehrplan war. Alles, was mit
Metaphysik zu tun hatte, fehlte, doch Physik, Medizin, Mathematik,
Naturlehre, Politik, Geschichte und die schönen Wissenschaften sind
stark vertreten und stellen einen eindrucksvollen Fortschritt dar. Vor¬
ausgesetzt, man sieht davon ab, daß von freier Forschung und Lehre
wenig die Rede sein konnte. Die ideologischen Wächter knebelten diese
auch damals. Kennzeichnend für die Bübereien dieser „geheimen Weis¬
heitsschulen“ ist die Unterweisung in den übelsten Wahnlehren, genannt
„geheime Wissenschaften“, ja selbst in der Gaunerschrift („geheime
Schreibart“ ) und im Siegel erbrechen.
Verblödung — Verbrechen
Die allen Priesterorden, geheimen wie offenen, eigene Kritiklosigkeit
und Selbstüberhebung zeichnete auch den I.O. aus. Seine Selbstbeweih¬
räucherung konnte kaum noch gesteigert werden: wahre menschliche
Glückseligkeit, liebenswürdige Tugend, Lehrer und Regierer der
Menschheit, vollkommenste Männer, heilige Legion, allem Laster furcht¬
bar, so tönten diese „plappernden Toten“! Eine „Aussage“ von 1786
lautete beispielsweise:
„Das Auffallendste, welches ich im Orden antraf, ist unstreitig die
Art, womit sie die Leute fesseln, und zu behandeln pflegen. Man be¬
mühet sich so lange den Orden groß zu schildern, von selbem mit Ehr¬
furcht und Würde zu reden, so lange mit Versprechungen zu betäuben,
und mit dem Anhang vieler ansehnlicher Leute“ (wir würden heute sa¬
gen mit „Renommierfreimaurern“) „welche alle auf Befehl des Ordens
an der Beförderung anderer arbeiten müssen, groß zu thun, bis gleich¬
wohl ein Mitglied der Erfüllung jedes Auftrages für Pflicht 1 ), und das
Wohl des Ordens für sein eigenes ansieht, oder anzusehen scheinet. Und
0 Auch die blauen Logen kennen „Pflichten zum Besten“ der Freimaurerei.
Die offensichtlich von Grad zu Grad wechselnden Verpflichtungen kennen im
III. „die Treue bis in den Tod“, da man dadurch zur Kultgestalt des Hiram
wird. Nach allem was bekannt geworden ist, muß unter den Geheimordens-'
pflichten auch die Erfüllung von verbrecherischen Aufträgen verstanden wer¬
den, auch der Selbstmord, den „Spartacus“ pries (s. später).
646
hat ein solcher das Unglück, eine unbesonnene Handlung, oder dem
Orden in einem Quibus licet“ (Spionagebriefe), »oder primo, oder Soli
ein Geständnis von dem vertrauten oder abgefischten Geheimnis seines
Freundes oder eines andern gemacht zu haben, so ist er für sich verloren
und gehört ganz dem Orden. Hat er nun einmal die Fesseln an, so ist ihr
Verfahren stolz: sie achten seiner nicht mehr. Er kann austreten, heißt
es, wir bedürfen seiner nicht .“
Auch die abgestuften Grade der Propaganda, kleine, mittlere und
große (s. M. Ludendorff, Erinnerungen, Band III, S. 118), und nicht
weniger das sattsam bekannte Totschweigen oder publizistische Ab¬
schlachten unliebsamer oder gegnerischer Kräfte handhabte schon der
I.O. „Xenophon“ „verriet“ 1785:
„Der Zweck heiligt die Mittel. Also Verläumdungen, Giftmischungen,
Todtschläge, Verräthereyen, Rebellionen, alle Schandthaten sind er¬
laubt, wenn sie zum Zweck führen.“ (J. S. Cosandey)
Der „Regentengrad“ enthielt ja auch die Anordnung:
„XV. Wenn ein Schriftsteller in einem öffentlichen gedruckten Buch
Sätze lehrt, die, wenn sie auch wahr sind, noch nicht in unsern Welt-Er¬
ziehungsplan passen, sondern zu früh kommen, so soll man den Schrift¬
steller zu gewinnen suchen, oder ihn verschreyen . . .
XIX. Wenn es darauf ankommt, einem von unsern verdienstvollen
Eeuten, der aber im Publico wenig bekannt, vielleicht gar unbekannt ist,
empor zu helfen, so soll man alles in Bewegung setzen, ihm Ruf zu ma¬
chen. Unsere unbekannten Mitglieder müssen angewiesen werden, aller
Orten seinen Ruhm auszuposaunen, und den Neid und die Kabale ge¬
gen ihn schweigen zu machen . . .
XXII. Wenn die Form unserer Classen nicht allenthalben passend
seyn sollte, so läßt sich überlegen, wie man es anzufangen habe, unter
einer andern Gestalt zu wirken. Wenn nur die Zwecke erreicht werden,
so ist es gleichgültig, unter welcher Hülle es geschieht, und eine Hülle ist
immer nöthig. Denn in der Verborgenheit beruht ein großer Theil un¬
serer Stärke.“
Nein, sie haben sich nicht geändert, die Priester des »Allmächtigen
Baumeisters aller Welten“ und der „drei mal drei Punkte “.
Der Aphorismus ist der letzte Ring einer langen Gedankenkette.
Marie von Ebner-Eschenbach (1830—1916)
647
Immer dasselbe
„Untersteht sich irgend ein deutscher Schriftsteller, etwa die berlini¬
schen Aufklärer nur gantz leise und gantz höflich für das anzugeben
was sie sind, so werden bekanntlich diese Herren toll, schimpfen und
bellen, griechisch, lateinisch und deutsch, und schreyen mit canniba-
lischer Urbanität“ (Höflichkeit): „zur Laterne! Und dann schreyen die
Schulmeister durch gantz Germanien: dieser Schriftsteller ist moralisch
erwürgt. Solchen Schnickschnack glaubt dann ein schwaches, armseliges,
lendenlahmes Publicum, oder vielmehr alle Journalleser und Stroh¬
köpfe, die in diesem Publicum den Ton angeben: denn keiner stehet auf
sich selbst, keiner prüfet und urtheilet selbst. Darum hält der größte
deutsche Professor einen Schriftsteller für verlohren, von dem man ihm
sagt, er sey in der allgemeinen Literatur-Zeitung mitgenommen wor¬
den
Das schrieb der Leibarzt Friedrich des Großen, J. G. Zimmermann,
an Kaiser Leopold II. über den I.O. Und der Ex-Illuminat „Gratian“,
d. h. L. A. v. Grolman (1741—1809), Regierungsrat in Gießen, meinte
mit nicht minderem Recht:
„Die Zeitungscomtoire, die Journalfabriken, die Censurtribunäle, die
Buchhändlerbuden, die Lesebibliotheken und Lesegesellschaften — kurz
alles, was nur den Anstrich von Erudition“ (Gelehrsamkeit) „vertragen
konnte, alles ward nun vom Geist des Illuminatismus imprägniert, dem¬
selben von ferne und von nahem affiliiert“ (in den 1.0. aufgenommen),
„und in das Interesse und die Absichten desselben, für manchen ganz
unvermerkt, hineingezogen. Daraus erklärt sich nun von selbst der
Gang und die Wendung, welche die deutsche Literatur von nun an mit
Riesenschritten nahm. Da ward nun in der allgemeinen dt. Bibliothek,
in gelehrten Zeitungen, wie in der Jenaischen und oberdeutschen allg.
Literaturzeitung, in der Gothaischen und anderen Zeitungen, in Jour-
nälen . . . und in anderen Schriften, womit Bahrdt, Schulz, Riem, und
mehrere dieses Gelichters die Welt überschwemmten, desgleichen in Ko¬
mödien und Gedichten, die positive Religion heruntergerissen, die Bibel
verspottet und auf gut illuminatisch heruntergerissen, die Regenten ver¬
kleinert und persifflirt“ (verspottet), „die Regierung gelästert, der Na¬
turalismus und Deismus laut gepredigt und überhaupt Grundsätze über
Religion, Moral und Staat ganz im ächten Geist des Illuminatismus
allenthalben ausgestreut.“
(Fortsetzung folgt)
648
2lllc6 jum „23eftcn Öcr 2Ttenfd)l)df ?
Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter / XVI. Das Ritual
Ohne Ritual keine Priesterherrschaft und ohne Priesterherrschaft
kein Ritual. Zu ihm gehören Gebet, Gesang, Wort, Geste, Zeichen,
Griff, Gewandung und ähnliches. Alles Mittel des uralten Aberglaubens
der Magie, der nach wie vor unbekümmert wuchernden „Geheimkunst“
der Schamanen, wo auch immer. Ohne diese zauberischen Gebräuche der
Menschenverblödung und -abrichtung konnte auch der heute als „pseu¬
domaurerischer Geheimhund“ von der Weltfreimaurerei abgehalfterte
Orden des „radikal-rationalistischen“ und „tendenziell politisch-revo¬
lutionären“ Adam Weishaupt nicht weiterkommen. Wohlweislich fehlt
in den derzeitigen wissenschaftlichen Arbeiten weitgehend das „religiöse
Brauchtum“ des I.O., was ebenfalls auf die Ordensgebundenheit ihrer
Verfasser hin weist.
Zu dieser ideologischen Praxis, wiederum durch den exoterischen
Bibelglauben ermöglicht, zählt die geheimnisvolle Aufnahme in düste¬
ren Räumen oder bei Mondschein in abgelegenen Gemächern. Kniend
mußte der „Suchende“ einen furchtbaren Schwur ablegen. Der auf die
bloße Brust des Einzuweihenden gerichtete Degen verstärkte die Dres¬
sur durch die Angstneurose und zertrat den Menschenstolz. Rituale, die
hinter keinem Auswuchs der Freimaurerei oder der Rosenkreuzer zu¬
rückblieben! meinte ein Bruder 1930. Der Mummenschanz dieser Ver¬
höhnung „freier und unbescholtener“ Männer soll hier nicht breit dar¬
gelegt werden; Stichproben genügen, um den sattsam bekannten Ungeist
der „Pyramide“ bzw. des „Dreiecks“ vorzuführen.
Der „Minervale“ trug ein Rundbild in Gestalt einer Eule, das an
einem grünen Band, zuerst um den Hals, bei „Erhöhung“ dann aber
über die Schulter gelegt wurde. Dieses Tier der Minerva, umrahmt von
einem Lorbeerkranz, hielt ein Buch mit den Buchstaben P.M.C.V. (per
me coeci 1 ) vident) in den Krallen. Untereinander erkannten sich die
Junggeweihten an der flach über den Augen gehaltenen Hand und am
dreimal leicht mit dem kleinen Finger auf die Hand des Begrüßten aus¬
geübten Druck.
coeli? Durch mich werden sie den Himmel sehen? Auch das „Auge Gottes“
gehörte zu den „Sinnzeichen“ des I.O.
694
Die Einführung in den Orden erfolgte abends bei verschlossenen Fen¬
stern in einem nur durch drei Lampen erhellten Zimmer. Das Ablegen
des Degens, der Aufenthalt in der dunklen Vorbereitungskammer, das
Wechselspiel der kabbalistisch festgesetzten Hammerschläge, das Frage-
und Antwortspiel von Meister und Suchendem, der Morddroheid vor
offener Bibel und das feierliche Bekenntnis, »nur ein Mensch wie andere
Menschen“ bleiben zu wollen, gleichen den bekannten Freimaurerauf¬
nahmen. Mit »so wahr mir Gott“ (Jahve) »helfe“ begann auch hier der
Eid.
Bei der Aufnahme in den »Priestergrad“ ging es weit „ feierlicher“ zu.
Mit verbundenen Augen in den unbekannten Tempel geführt, trug der
»Erleuchtete“ nun den Ritterschurz und das Andreaskreuz. Mit dem
unvermeidlichen Hut auf dem Kopfe und dem entblößten Degen in der
Hand, harrte er der kommenden Dinge. Endlich der Ruf: Eine »unbe¬
kannte feierliche Stimme: Tritt herein, Verwaiseter“ (In der Freimaure¬
rei »Söhne der Witwe!“), »die Väter rufen dich, tritt herein.“ Hier emp¬
fing ihn das farbsymbolisch bedeutsame Rot, anstelle des Pimpfengrüns.
»Im Hintergrund sieht man einen Thron unter einem Himmel, und
vor demselben steht ein Tisch, auf welchem eine Krone, ein Scepter,
Schwerdt, Gold, Kostbarkeiten und Fesseln liegen. Zu den Füßen des¬
selben liegen auf einem rothen Kissen die priesterlichen Kleidungs¬
stücke . . . Wenn der Ritter die Thüre Verschlüßen hat... so wird ihm
zugerufen:
Schaue auf N.N., blendet dich der Glanz dieses Thrones? Gefällt dir
dies Spielwerk?, diese Krone, dieses Scepter, diese kostbaren Monu¬
mente menschlicher Herabwürdigung? Sprich! Gefällt dir dies, so kön¬
nen wir vielleicht deine Wünsche befriedigen. Unglücklicher! wenn dein
Herz daran hängt. . . Suchst du Macht, Gewalt, falsche Ehre, Ueber-
fluß, so wollen wir für dich arbeiten, dir zeitliche Vortheile zu verschaf¬
fen suchen; wir sollen dich den Thronen so nahe bringen, als du es wün¬
schest, und dich dann den Folgen deiner Thorheit überlassen: aber unser
inneres Heiligthum bleibt einem solchen verschlossen. Willst du aber
Weisheit lernen, willst du lernen Menschen klüger, besser, frey und
glücklich machen, so sey uns dreymal willkommen . . .“
Während der »Weihehandlung“ erhält der Kandidat ein weißes mit
feuerroten Bändern eingefaßtes Gewand. Alle Anwesenden tragen Pan¬
toffeln, fliegende Haare und kleine viereckige rote samtene Hüte. Nach¬
dem der Initiant erklärt hat, von der »Heiligkeit“ der vermittelten
695
„Wahrheit“ überzeugt zu sein und sich ohne Willkür „der Führung un¬
seres Erlauchten Ordens“ überlassen zu wollen, folgt die christlich-jesui¬
tisch nachgeahmte Aufnahme. „Heil und Segen den Königen und Prie¬
stern des neuen Bundes“, so spricht der „Aßistent“ und der „Introduc-
tor“ beschwört den „Decan“:
„Siehe auf mich herab, Hochwürdiger! Ich führe einen Schottischen
Ritter, einen treuen, erleuchteten Bruder zu dir, der nach Freyheit und
Licht seufzet. Laß ihn zum Altar treten, daß er zubereitet werde zu die¬
nen im Tempel des wahren Lichts.“
Nun der „Decanus“:
„Ritter! der du das Zeichen der Auserwählten an deiner Stirne trägst!
Wende zum letztenmal dein Gesicht gegen Abend, woher du gekommen,
und antworte mir!“ (Ein Layenbruder holt Weihrauch und der Decan
räuchert dreimal in Form des Kreuzes.)
„Entsagst du den Feinden des Menschengeschlechts, dem Geist der
Verführung und böser Lüste, dem Geist der Unterdrückung und Ver¬
blendung(Antwort des Kandidaten) „Soll dich Fluch und Schande
treffen, wenn du je abtrünnig wirst, wenn du je dem Laster, der Bosheit
und der Dummheit fr ohne st! So lege denn deine maurerische Hülle
ab ...
Ziehe an das Kleid der Unschuld, in welchem du einst stehen wirst in
priesterlicher Würde am großen Tage des Gerichts über das Menschen¬
geschlecht, zu verkünden das Wunder der Erlösung unseres Herrn und
Heilandes Jesu Christi. . . Ich salbe dich zum Priester des neuen Bun¬
des . .. Bedecke dein Haupt mit dem priesterlichen Hute, der mehr als
eine Krone werth ist.“
Das „Zeichen“ dieses Priestergrades war das bekannte Andreaskreuz
und das „Wort“ I.N.R.I. — Jesus Nazarenus Rex Judaeorum.
Laut Lehrbuch („Katechismus“) des „Schottischen Ritters“ „arbeitet“
dieser Grad daran, daß die „Harmonie“ wiederhergestellt, die Natur
veredelt und er selbst sich „also zum reinsten Werkzeug der Gottheit
mache“, „mit dem flammenden Stern“ auf der Stirn. Dies heißt in pro-
Es gibt Menschen mit leuchtendem und Menschen mit glänzendem
Verstände.
Die ersten erhellen ihre Umgebung, die zweiten verdunkeln sie.
Marie von Ebner-Eschenbach (1830—1916)
696
fanen Worten, den esoterischen Salomo-Tempel über aller Welt zu er¬
richten, die eine Welt.
Im „ Regentengrad“ ging die Einweihung ähnlich vor sich. Audi hier
wurde das Verbrechen an Freiheit und Eigenart der Völker in die
„schönsten“ Worte gehüllt. Nein, „ Abtrünniger“ oder gar „Aufrührer“
wollte der „Regent“ nicht werden. „Er will nur mit uns Hand in Hand
gegen den Mißbrauch der Staatsverfassung, gegen Verderbniß der Sit¬
ten, gegen Entweihung der Religion kämpfen. Er will durch uns mächtig
werden, diese edlen Zwecke auszuführen.“ „Ein Mensch zu sein, ist das
einzige, was von Wichtigkeit ist.“
Es scheint keine Doppelbödigkeit der Worte, sondern indoktriniertes
Glaubensbekenntnis zu sein, wenn er weiter erklärte, keine Zweifel
mehr gegen „die redlichen Absichten der Obern, oder irgendeine andere
Unzufriedenheit“ zu hegen. Er lebt auch keinen Menschenstolz mehr,
wenn er sich als „ein seinem Herrn entlaufener Knecht“ bezeichnen läßt,
der „Hülfe und Schutz bey uns“ suche. 2 ) Könnte er ein Verräter sein?
»Das ist er nicht, er ist unter den Augen der Erleuchteten auf gewachsen,
sie haben das Siegel Gottes auf seine Stirn gedrückt.“ Und welch hohe
Bedeutung hatte erst die Kleidung.
„Das Brustschild. Waff ne deine Brust mit Treue, Wahrheit, Vestig-
keit, und sey ein Christ, so werden die Pfeile der Verläumdung und das
Unglück nie auf dich eindringen.
Die Stiefeln. Sey schnell zum Guten, und scheue keinen Weg, auf wel¬
chem du Glück verbreiten . .. kannst.
Der Mantel. Sey ein Fürst in deinem Volk, d. h. sey ein weiser und
redlicher Wohlthäter und Lehrer deiner Brüder.
Der Hut. Dieser Freyheits-Hut müssest du nie mit einer Krone ver¬
tauschen mögen! So regiere dann mit Weisheit, und denke, daß der, wel¬
cher die Macht giebt, sie dir auch wieder nehmen kann!
Der Provinzial umarmt ihn!“ (Wird fortgesetzt)
2 ) Die für den Regentengrad Auserwählten wurden in das Aufnahmezim¬
mer als Sklaven geführt und gefragt, wer sie in diesen elenden Zustand ver¬
setzt habe, worauf die Antwort zu erfolgen hatte: »Die Gesellschaft“ (wie
modern!), „der Staat, die Gelehrsamkeit, die falsche Religion.“ Dann wurde
ein menschliches Skelett enthüllt, zu dessen Füßen Schwert und Krone liegen.
Auf die Frage, ob der „Suchende“ das Skelett eines Königs, eines Edelmanns
oder eines Bettlers vor sich habe, mußte der „Suchende“ die Antwort schuldig
bleiben. Wachhypnose-Dressur!
697
2lttes jutn heften 5er 2TicnfrfjbcU'?
* Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter
XVII. Das Spinnennetz
Es ging um die Macht, die grenzenlose und unbeschränkte. Jedes Le¬
bensgebiet sollte beherrscht werden, ähnlich wie es heute den Glaubens¬
mächten fast gelungen ist. Der gesamte Büchermarkt geriet in die Fänge
dieser . •. „Weltverbesserer“, geistig wie wirtschaftlich. Die „hohen
Oberen“ hatten für alles ihre „strengste Censur“ durch „Visiteure“ und
„Abgesandte“ eingeführt. Daneben wirkten die zu „Spürhunden“ ab¬
gerichteten „Brüder“, die satzungsgemäß und, wie sie heilig beschworen
hatten, überall wo nötig spionierten. Staat und „Gesellschaft“ gerieten
zunehmend in den Griff des Ordens. Wiederum „verriet“ ein Ordens¬
mitglied, Hellanicus Lesbius, d. h. der Hofkammerrat J. v. Utzschnei-
der:
„Die Obern sind also im Stande alles zu wissen, was in den Kabineten
der Regenten, und Fürsten, der Minister, und Generals vorgeht, was in
jedem Dicasterio“ (Gerichtshof) „abgeurtheilt, was bey jedem Regiment
befohlen wird . Sie wissen die Geheimnisse der Familie, die ihnen bald
durch den Sohn, bald durch den Hausgenossen verraten werden.“
Knigge berichtete nach seinem „Abfall“ vom I.O. dasselbe:
„Alwerth“ (Weishaupt) „hatte die feinem Triebfedern an den frem¬
den Höfen genau erforscht und Leute zu gewinnen gesucht, mit welchen
man dann einen geheimen Briefwechsel anfing. Alwerths und Seelbergs“
(Knigges) „Genius verstiegen sich auch so weit, daß Alwerth in auswär¬
tigen Kabinetten regieren und nach dem schönen jesuitischen Grundsatz:
divide et impera!“ (Trenne und herrsche!) „Uneinigkeit unter den Hö¬
fen und Mächten stiften wollte.“ (1787)
750
List, Kniffe und Betrug bildeten wichtige Werkzeuge der Herrschaft.
Was jene Beteuerungen, „die Gesetze der Staaten zu beobachten“, be¬
sagten, weiß man aus der Geschichte. Durch „Spartacus“ wurde dies so¬
gar einmal „aktenkundig“. „Es muß dann d la Jesuite keine einzige die
Absicht auf Religion oder Staat verrathende zweydeutige Zeile Vor¬
kommen.“ So Spartacus an Savioli(?), am 15. 3. 1782 über die Rituale
ihrer Maurergrade.
Ganz besonders hatte es dem I.O. die Johannisfreimaurerei angetan,
das „Rekrutendepot“ für jedes Hochgradsystem. Knigge „sammelte in
der Stille die besten unter den Freymaurer, und andern Menschen “.
Warum? Weil diese „suchen“, „folglich Bedürfnis haben“, „und auch
schon der nöthige esprit de Corps“ (Korpsgeist) „unter ihnen ist. Daraus
formen wir eine geheyme Freymaurerey.“ Trotz allem blieben auch sie
nur Figuren im „Spiel“ um die Alleinherrschaft:
„Hätte er hier eine Zeitlang gearbeitet“ (der Minerval i. A. des I.O.);
so ließ man ihn in irgend eine Loge, die entweder schon unter unsrer
Direction, oder in welcher wir, durch Einwürkung unsrer Leute, nach
und nach das Uebergewicht erhielten, zum Freymaurer aufnehmen. Er
mußte suchen, die drey symbolischen Grade nach der Reyhe zu bekom¬
men, und wenn ihm das Vergnügen machte, auch mehrere für sein bares
Geld; mit uns aber blieb er indeß immer in der vorigen Verbindung, und
hatte nebenher wenn er nicht Fähigkeit genug zeigte, in unserm Systeme
weiter fortzurücken, in der Freymaurerei ein weites Feld, seine Muße
auf Entzieferung von Hieroglyphen und auf die unbedeutsamen Logen-
Arbeiten zu verwenden. War er aber von besserm Stoffe; so wurde er,
wenn er Freymaurer-Meister war, von uns zum kleinen Illuminaten-
Grade“ (= Schottennovize) „befördert.“ 1 )
Ergebnis?
„Die Leute welche man führt, müssen nicht wissen, wer sie führt,
denn wenn sie sonst Gebrechen an uns finden, sind sie geneigt eher sich
selbst als uns zu folgen.“ (Knigge an Lavater, 3. 2.1783)
Verbrechen
Machten die Oberen des I.O. vor dem Verbrechen halt? Die heutige,
weitgehend freimaurerisch beeinflußte Forschung umgeht diese peinliche
Frage. Sie ist selbstverständlich nicht direkt zu beantworten, doch
x ) Der General des Jesuitenordens dachte und handelte nicht anders!
751
spricht alle Erfahrung für die Anwendung des jus vitae et necis, das die
Mitglieder dem Orden zugestehen mußten. Die „neue“ Moral: Der
Zweck heiligt die Mittel, dürfte durchaus auch den Mord, der hier natür¬
lich eine andere Bezeichnung erhält, einschließen. Auf jeden Fall „legiti¬
mierte“ der geschworene Eid den Fememord für einen „Verrat“ . Das
erhärten einige Aussagen „treuer“ wie abtrünniger Illuminaten. „Dio-
medes“ , mit Namen Marquis v. Constanzo, Hofkammerrat in München,
schrieb beispielsweise an Georg Grünberger („Archytas“ ), Professor und
Bücherzensor, „ich der ich bereit bin für die gute Sache des Ordens das
Leben hinzugeben“. Und „Colbert“, d. h. Theodor Reichsfreiherr
Mändl von Deutenhofen, beschwor am 24. 8.1787 seine Aussage:
„Weiteres seye nichts gewisseres, als daß, wenn S. Churfürstl. Durch¬
laucht“ (Karl Theodor v. Bayern 2 ) „diesem Ungeheuer nicht zuvorkom¬
men, die Illuminaten ihre Sach mit Gift und Dolch durchsetzen trachten
werden, wovon ersteres durch habende medicos und Apotheker . . .
ganz leicht bewerkstelligt werden kann . .. Belangend aber das jus vitae
et necis ist dieses für die Illuminaten kein neuer Vertrag, denn alle Frey¬
maurer Logen auf Gottes Erdboden exercieren das jus gladii“ (das Recht
des Schwertes) „und haben sogar ihre Kerker, um denen nach ihrem
System fehlenden den Prozeß zu machen.“ (von Br.. -. B. Beyer aber als
„plumpe Fälschung“ bezeichnet!)
Cosandey am 3. 4.1785:
„Also gehen Dinge bey dieser Gesellschaft vor, welche dem Interesse
der Fürsten entgegengesetzt sind; — Dinge, die ihrer Wichtigkeit halber
verdienen entdeckt zu werden; — und diese Entdeckung wäre in den
Augen der Illumination eine Verrätherey, welche sie im Voraus zu rä¬
chen drohet. — Vor ihrer Rachgier de können also weder Fürstenschutz,
weder Gerechtigkeit, weder Polizey den Rechtschaffenen sichern. — Sie
müssen also Mittel besitzen ihre Ankläger unbestraft aus dem Wege zu
räumen. — Diese Mittel lassen sich errathen. — ff
Man erinnere sich Roberto Calvis aus der Loge P2.
... oder Selbstmord?
Seit langem stößt man im Volk auf merkwürdige „Gerüchte“. Der
und der habe in der Loge „die schwarze Kugel“ gezogen und dieser oder
jener sei „von den Freimaurern in den Tod getrieben worden“. Stets
2 ) Er selbst bangte um Leben und Thron. Auf die Gerüchte der Vergiftung
des jungen Kurprinzen Josef Ferdinand durch den I.O. sei verwiesen.
752
betraf es Männer, die durch einen „Frei “-Tod aus dem Leben geschie¬
den waren. Die Forschung schweigt hier wiederum, und selbst die Schar
der Freimaurergegner verstummt. Entweder weil sie „abtrünnige“ Brü¬
der waren und weiterhin die Morddroheide fürchteten oder weil sie
wirklich zu wenig wußten. Bemerkenswert deshalb wiederum die be¬
schlagnahmten Illuminatenpapiere bzw. die gerichtlichen Aussagen
„Wissender“, „Anaximanders“ beispielsweise. Vitus Renner, Weltgeist¬
licher und Professor in München am 7.4.1785:
„Der Selbstmord, welchen die Obern den Brüdern predigen, wenn sie
selbe zu den trüben Tagen vorbereiten wollen, gehört unter jene Sätze,
die am meisten Aufmerksamkeit verdienen. Sie wußten diese Handlung
als ein so leichtes, und in gewissen Fällen vortheilhaftes Mittel zu schil¬
dern, daß es mich nicht wunderte, wenn ein oder der andere zu dieser
Handlung geschritten, besonders da man durch Beyspiele dem Selbst¬
mord noch eine gewisse Wohllust anzudichten sucht. Meinetwegen mag
das Beyspiel, welches ein gewisser Oberer von einem Engländer erzählte,
der sich selbst erhängt, aber noch zur rechten Zeit vom Strick losgemacht
worden, wahr oder erdichtet seyn, so würde ich doch nicht der Narr
seyn, mich durch die bloße Aussage dieses Mannes, daß er die schönste
Harmonie von Thönen in den Ohren gefühlt habe*), verleiten zu lassen,
meine Ohren auf Kosten meines Lebens diesen angenehmen Kitzel zu
verschaffen.“
Ähnliches sagte Cosandey aus:
„Selbstmörder müssen den Obern zur Ausführung wichtiger Dinge
unentbehrlich seyn. Denn, was wird derjenige fürchten, der den Tod
und die Folgen des Tödes nicht fürchtetf Man sagte uns, ein lUuminat
müsse eher sich den Tod anthun, als die Gesellschaft verraten, und den
Selbstmord pries man uns als eine himmlische Wohllust an.“
Liegt hier der oder ein Schlüssel zum bisher unerforschten „Frei“-
Tod, dem „religiösen“ oder „Ritual“- Mord? Die Assasinen vor 800 Jah¬
ren „exerzierten“ uns vor, was möglich war, und auch jene Brüder Frei¬
maurer der Neuzeit, die die „schwarze Kugel“ traf! Mozart als berühm¬
tester Maurer und Illuminat zum Beispiel! (Fortsetzung folgt)
3 ) Durch Sauerstoffmangel bedingte Stoffwechselstörungen im Gehirn
durchaus möglich. Dieses heute irrig als Beginnen eines Weiterlebens nach dem
Tode gedeutete „Erlebnis“ spricht für die Wahrheit dieses Berichtes.
753
2lflce jutn „Beften öet 3Ticnfcf)f)cit"?
Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter
XVIII. Illuminatismus und Logentum
Das buntscheckige Mischbrett der Logensysteme und -grade diente
dem I.O. nicht bloß als Lockmittel, sondern ebenso als Tarnung. Wurde
ein „Stein“ der „Pyramide“ zerstört, d. h. ein Orden bei seinem frevel¬
haften „Arbeiten am Tempel“ ertappt, dann konnte alle Logenwelt
„guten Gewissens“ schreien: wir haben damit nichts zu tun, Mißbrauch
unserer hehren Gedanken, der Begriff „Loge“ ist nicht urheberrechtlich
geschützt! Nicht verwunderlich, daß die Johannismaurer seit der Fran¬
zösischen Revolution nichts mehr mit den Illuminaten zu tun haben
wollen 1 ). Doch die Verwandtschaft nach Ziel, Aufbau, Vorgehen und
Selbstverständnis waren damals wie heute unübersehbar. Auch van
Dülmen meint:
„Das Verhältnis des Illuminatenordens zum Freimaurerorden . . .
war weit komplexer, als es zunächst den Anschein hatte. Zwar war der
Geheimbund in Aufbau und Politik, vor allem in den Ritualen und
Zeremonien ähnlich dem Freimaurerorden strukturiert, wenn nicht so¬
gar von diesem beeinflußt, doch war er vollkommen unabhängig davon
entstanden“ (?) „und verfolgte ein die Ziele der Freimaurerei über¬
schreitendes“ (?) „Programm. In dem rationalen“ (?) „System des I.O.
fungierten beispielsweise die Rituale nur als Mittel für das übergeord¬
nete, eindeutig politische f Ziel einer Weltveränderung.“ (Im Logentum
etwa nicht?) »Zum anderen aber war die überwiegende Mehrzahl der
Mitglieder nicht nur zufällig Freimaurer, sondern die Freimaurerei
wurde bewußt als zweite Hauptklasse in den Orden integriert und die
Unterwanderung der bestehenden Logen zu einem Ziel der Illuminaten
erhoben.
Auf diesem Weg sah Weishaupt die beste Möglichkeit, die Verbor¬
genheit des Ordens zu garantieren, zugleich aber auch das Maurertum
für seine politischen Ziele auszunutzen. ,Deswegen soll man sich mit
dem Namen einer anderen Gesellschaft decken. Die Logen der untern
Freymaurerey sind indessen das schickliche Kleid für unsere höheren
!) Noch 1799 lobte das „TB f. Freimaurer“ A. Weishaupt und seine „vor¬
trefflichen Schrif ten“ über den grünen Klee.
829
Zwecke, weil die Welt nun schon daran gewöhnt ist, von ihnen nichts
großes zu erwarten, welches Aufmerksamkeit verdient .**
Geschichtliche Tatsache ist, daß vor allem seit Knigge zahlreiche Lo¬
gen der unteren Freimaurergrade unterwandert, ausgenützt, ja unter¬
worfen wurden. „Unsere Leute (sollten) in den Logen der verschiedenen
Systeme die Oherhand K gewinnen (Knigge). „Ich habe im Sinne ein
System conföderirter (verbündeter) Logen herzustellen, die besten
Leute davon auszuforschen, und der stricten Observanz zuvor zu kom¬
men und sie zu zerstören . . . Das ist unser größtes Interesse, in die Frey-
maurerey eine Eklektik (Auswahl des Geeignetsten) einzuführen; und
dann haben wir was wir wollen.“ (Zwack 1783) Jeder Illuminat war
gleichzeitig Freimaurer, aber nicht jeder Freimaurer Illuminat.
Von der Spitze der „Pyramide“ her betrachtet, vom Ziel aller Mau¬
rer am „Tempel Salomos“ des „alten Bundes“, wird man F. Schlegel
von 1829 zustimmen müssen: Aus dem „Schoß“ der Freimaurerei als
der „geheimen Werkstätte des zerstörerischen Zeitgeistes (sind) nach¬
einander die Illuminaten, die Jakobiner und die Carbonaris“ hervor¬
gegangen.
So dienten die Johannisloge und manche Schottenloge dem I.O. und
seinem Ziel als Mittel, als Hilfsverein, als Pflanzschule und als Deck¬
mantel. Selbstverständlich waren einzelne Vorhof-Logen auch Neben¬
buhler, teilweise sogar Gegner, am Gesamtbild ändert dies aber nichts.
Der I.O. wirkte in, durch und über dem „Rekrutendepot“ . Es gelang
auch, das Hochgradsystem der strikten Observanz, bislang neben den
Rosenkreuzern bemüht bzw. beauftragt, die Oberherrschaft der blauen
Grade zu erringen, auszuschalten. Deshalb also Knigges Anweisung,
„daß in der gewöhnlichen Freymaurerey von den hohem Graden nicht
die Rede seyn dürfe , so wenig als von unbekannten Obern“ . Der vom
I.O. erhoffte „große Einfluß auf das Zinnendorfsche System“ (die in
Preußen einflußreiche Hochgradfreimaurerei) dagegen stieß jedoch bald
auf wütende Ablehnung 2 ).
2 ) In der „Declaration der alten Mutterloge zu den drei Weltkugeln in
Berlin an alle mit ihr verbundene Hoch- und Ehrwürdigen Frey maurerlogen
in und außerhalb Deutschlands“ vom 11. 11. 1782 hieß es beispielsweise,
„brüderlich“ und „tolerant“ mit Blick auf den erfolgreichen I.O.:
„Verflucht ist der Freimaurer, der die Religion des Christen zu untergraben
und die erhabene edele Maurerei zu einem politischen System herabzuwürdi¬
gen und zu seinem solchen umzuschaffen sich nicht entblödet. Der augenschein¬
lichen Gefahr nicht zu gedenken, daß dadurch der weltliche Arm später oder
830
Tatsache ist weiter, daß es Unterschiede von I.O. und blauen Logen
gab. In der Zielsetzung aber am allerwenigsten, wie das mehr oder
minder freimaurerisch beeinflußte Schrifttum seit je behauptet. Für . •.
Pimpfe mögen Welten zwischen den Phrasen der beiden freimaureri¬
schen Orden liegen, für ungebundene Menschen und Völker war und
bleibt es dasselbe, ob das Ziel die freimaurerische Weltrepublik, die illu-
minatisch-kommunistische klassenlose Einheitsgesellschaft, die soziali¬
stische eine Welt oder der christlich-jesuitische Gottesstaat auf Erden
lautet.
Für dieses grundsätzlich gleiche Ziel eines Gulag gegen freie Völker
sind Unterschiede in den Farben des Rituals, der leicht auswechselbaren
Firmennamen, des Aufbaues, des „Geheimnisses“ und der Mittel von
völlig untergeordneter Natur. Man muß nur die alte Kochvorschrift des
Direktors aus Goethes „Faust“ kennen: „Wer vieles bringt, wird man¬
chem etwas bringen
Stets gilt das magisch-symbolische, aber auch entlarvende Bild der
„Pyramide“ mit dem Jahve-Auge! Schließlich wußten die Zeitgenossen
„hautnah“ , woran sie „ihre Pappenheimer“ erkennen konnten. Bei¬
spielsweise fand sich in den Akten des Wiener Polizeiministers Graf
Pergen, wie Roßberg betont, ein zeitgenössisches Gutachten, das den
Illuminatismus als das neue, wirkungsvolle Prinzip der Freimaurerei
bezeichnete. Am Ende des 18. Jahrhunderts hätten zuerst die Rosen¬
kreuzer und danach die Illuminaten versucht, sich zu den geheimen
Oberen der gesamten Freimaurerei aufzuwerfen. Von den Logen aus
hätte sich das zerstörerische Gift des Illuminatismus in alle Volksklassen
ausgebreitet.
„Ich übergehe hier die Grundsätze , Absichten und Lehren derselben ,
nachdem in mehreren öffentlichen Schriften dieses schon vielfach ge¬
schehen ist; nur glaube ich dabey die Bemerkung machen zu müssen:
daß nach dem gewöhnlichen Gange der Dinge zu urtheilen, am Ende
und zwar in nicht gar zu langer Zeit die Illuminaten überall allein herr¬
schen , und alle übrigen Maurer , den größesten Theil der Rosenkreutzer
selbst nicht ausgenommen, an sich gezogen haben werden. Der Grund
davon liegt darin: daß die Lehren der Illuminaten sehr faßlich , für den
größeren Haufen anlockend , und für alles was unter dem Namen von
früher gegen die ganze Maurerei erregt werden dürfte. Hinweg mit solchen
Uebelthätern!“
Sand in die Augen der „Rekruten“ und — Pfaffengeschrei.
831
Aufklärung und Freyheit für Irreligion, Freygeisterey und Zügellosig¬
keit nur den mindesten Hang hat im höchsten Grade reitzend sind“
(1785)
Nicht zuletzt bestätigt die Geschichte am überzeugendsten die Einheit
der Weltfreimaurerei. Roßberg 1942, nach wie vor für die Forschung
ein zuverlässiger Gewährsmann:
„Im Jahre 1848 jubelte die führende Freimaurerzeitschrift ,Latomia‘“
(gr. Steinbruch, gleichbedeutend mit Loge bzw. Freimaurerei) „darüber,
daß die Ideen des llluminatismus, die ,Weishaupt, Dittfurth, Bode u. a.
Koriphäen“ (an der Spitze Stehende, Erste) „des llluminaten-Ordens (
verkündeten, in der Revolution von 1848 schließlich doch zum Ideengut
der gesamten deutschen Freimaurerei, ja zum Ideengut des gesamten
deutschen Volkes geworden seien, wie es ihre Propagandisten 50 Jahre
zuvor verhießen hatten “ (Fortsetzung folgt)
2HIes jum „23efttn bet STCenfcbbeif?
Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter
IXX. Jesuitisch gesteuert?
War der im heutigen Schrifttum als extrem radikal-rationalistisch
und von den Zeitgenossen als antijesuitisch betrachtete Geheimorden
dem „schwarzen Papst“ untertan? Diese Frage ist nicht einfach zu be¬
antworten, denn Weishaupt war, wenn auch nicht Ordensmitglied, so
doch jesuitisch erzogen worden. Seine Gründung zeigte freimaurerische
wie jesuitische Züge und Katholiken, Protestanten und Exjesuiten,
„treue“ wie y ,umgedrehte“ , bildeten die Mitglieder. Wohl zu Recht be¬
tonte ein vermutlich gebundener Kritiker der Arbeit van Dülmens,
„weder in der Ordenswirklichkeit noch in seiner Ideologie nahm der
Antijesuitismus die Stellung ein , die der Verfasser ihm zuschreibt“. Er
sei nicht der Schlüssel für das Verständnis des I.O. und wenn, dann nur
für einen Teil der Ordensniederlassungen. Das ist verständlich, hing
doch der Kampf gegen den „geistigen Despotismus“ auch vom Wohnort,
aber nicht weniger von der Urteilsfähigkeit des Mitglieds ab. „Alle
jedenfalls, für die die Jesuiten nicht der natürliche Feind und eine Ex-
jesuitenverschwörung“ (was ja ebenfalls Propaganda fide war) „nicht
871
glaubhaft war, lehnten die radikal aufklärerischen wie politischen
Zwecke des Ordens ab und erblickten in ihm nur eine andere, attrak¬
tivere Form der Freimaurerei“
Andererseits war Weishaupt wie Knigge 1 ) ein erbitterter Feind der
„schwarzen Schar“. „Eine mächtige Parthey gegen Jesuiten“ und „eine
ebenso feste Anstalt gegen die deutschen R(osenkreuzer), die uns täglich
gefährlicher werden“, das war Philos Parole von 1783. Pius VI. warnte
am 18. 6. 1785 nicht viel anders als der kurfürstlich-bayerische Beicht¬
vater, „Exjesuit“ und Rosenkreuzer Ignaz Frank vor der „Pest“ der
Sekte der Freimaurer, der „Judasbrüder“ . Der Rosenkreuzer und
Günstling Friedrich Wilhelm II. von Preußen, J. Chr. Wöllner, „denun¬
zierte“ bei eben diesem Frank die bayerischen Spartacus-Leute. Und
schließlich wurde der bayerische Illuminatenorden auch von München,
und zwar auf Betreiben Franks verfolgt. Er hatte mit „gespannten
Kräften“ an der Zerstörung des I.O. gearbeitet und „Himmel und
Hölle“ beschworen, um den Kurfürsten zum Einschreiten gegen die
Illuminaten zu bewegen.
H. Ahlwardt vertrat dagegen die wohl anfechtbare Meinung, das
bayerische Verbot hätte nur zur Tarnung gedient, weil sonst durch den
abgefallenen Knigge bekannt geworden wäre, daß der I.O. eine Je¬
suitenwaffe sei. Auch Erich Ludendorff war der Überzeugung, daß die
Societas Jesu das, was ihr mit der strikten Observanz nicht gelungen
war, später im Illuminatenorden geglückt wäre, nämlich die Freimau¬
rerei durch Plochgrade in ihren Dienst zu stellen. Der Jesuitenorden
habe sein Verbot politisch damit beantwortet, „durch den Illuminaten¬
orden die Französische Revolution und dadurch die Beschleunigung der
Entkräftigung des Papsttums zu betreiben“.
Die Frage nach dem Verhältnis von I.O. und Loyola-Orden kann
nach dem vorliegenden Schrifttum nicht eindeutig beantwortet werden.
Dieses Schrifttum ist ideologisch gefärbt, abgesehen davon, daß man
A ) Und Zweck: „Daß ich den Jesuiten und ihrer Macht entgegen arbeitete,
daß ich mit Rath und That an Händen gieng, sie von den Professorenstellen
zu entfernen, ihnen die Verwaltung des goldenen Almosens, Exercitii-Haus
und der Convertitencassa abzunehmen und solche dem geistlichen Rath und
der Schulcuratel zu verschaffen, geschah in keiner anderen Absicht, als weil ich
wenigstens für meinen Theil überzeugt war, daß einige Mitglieder des Jesui¬
tenordens ihr Macht mißbraucht haben, daß sie eben bei Einführung der Mal-
theser die Schulen und die Erziehung der Jugend wiederum als ihr Monopol
sich zueignen wollten.“
872
durch die jesuitische Beschlagnahme der Ordenspapiere und die Urkun¬
denveröffentlichung seit 1784 nicht gerade dieses bestgehütete und nach
wie vor wütend bestrittene Geheimnis jesuitischer Geheimpolitik an die
große Glocke hängen wollte. 2 )
Des Rätsels Lösung birgt die Geschichte. „Immer ist der Gang der
Weltgeschichte seihst das beste Dokument , wie es sich aus dem Zielstre¬
ben der überstaatlichen Mächte folgerichtig er gibt.“ (E. Ludendorff)
Der I.O. darf nicht als ein eigener, unabhängiger Männerbund ge¬
sehen werden. Jesuitismus und Logentum, im Dienste der „Pyramide“,
waren in ihm untrennbar verfilzt. Beide hatten dasselbe Ziel und die¬
selben Feinde; beide marschierten auch zusammen und schlugen zu¬
sammen und beide mißbrauchten gemeinsam den Willen zur Freiheit
wie den Gottglauben. Von der Geschichte her gesehen, von den Opfern
her, sind alle überstaatlichen Glaubensmächte eins. Sie ziehen am selben
Strang und sie ringen gegeneinander dort, wo es um die Alleinherrschaft
geht. So wechselt das Bild der Geschichte bei gleichbleibendem Ziel:
Vernichtung von Freiheit und Eigenart der Völker und Errichtung des
ideologischen Weltzuchthausstaates. Die Jakobiner und ihre Revolution
von 1789 beweisen das.
Illuminaten und Jakobiner
Noch mehr als der Freimaurercharakter des 1.0. wird dessen Gevat¬
terschaft für den Jakobinismus und die Französische Revolution von
Freimaurerforschern abgestritten, die in der Regel die biedere und ge¬
sellige und bloß auf Veredelung gerichtete Harmlosigkeit der „Revolu¬
tion zum Guten“ dem profanen Gutgläubigen weismachen wollen.
Nun, das gehört zum Geschäft der Glaubenspropaganda und kann kei¬
nen beeindrucken, der das Wesen des Menschen und der Völker und
umgekehrt auch das der überstaatlichen Propagandalehren und Hilfs¬
truppen erfaßt hat. Im Gegenteil!
Diese esoterische Arbeitsteilung in „Harmlose“ und „Extremisten“
hatten die Zeitgenossen des großen Umsturzes von 1789 und der Zer¬
störung Europas durchaus erkannt. Sie, die meist aus den Logen kamen
und auch Illuminaten waren, durchschauten dieses „Geweb der Arglist“,
das heute auch von den Universitätsprofessoren eifrig weiter gewoben
2 ) Nur der kleinste und unbedeutendste Teil der Ordensschriften soll ver¬
öffentlicht worden sein.
873
wird. „Vielfalt der Einheit“ hieß es und dank rechtzeitig gemachter
„neuer“ Heilslehren liest man nun:
„Wenn von 1789 bis 1848 im deutschen Konservatismus der Illumi-
natismus mit dem Jakobinertum identifiziert, im llluminatentum eine
Vorstufe des Jakobinismus gesehen wurde, dann geschah dies aus¬
schließlich aus dem Bewußtsein, daß die sozial-politische Umwälzung
nicht Produkt sozialer und politischer Mißstände war, sondern viel¬
mehr ein Produkt antifeudaler und antireligiöser Ideen, die die Men¬
schen verführt hätten. Der Antiilluminatismus und die antiaufkläre¬
rische Haltung sind genuine (echte) Merkmale der reaktionär-konser¬
vativen Politik des frühen 19. Jahrhunderts und lassen keine Schlüsse
über die wirkliche Struktur und Funktion der Illuminaten- wie der
Aufklärungsbewegung zu.
Mag es auch inhaltliche und persönliche Bezugspunkte zwischen Illu-
minatentum und Jakobinismus gegeben haben, der elitäre llluminatis-
mus hatte mit dem Jakobinertum grundsätzlich nichts gemein, unab¬
hängig davon, daß die Illuminatenbewegung selbst niemals eine wirk¬
liche politische Bewegung war. Die Illuminaten wollten keinesfalls eine
Volksherrschaft, so sehr Gleichheit und Freiheit zu ihrem Programm
gehörten, sondern eine Aristokratie des Geistes, die sich prinzipiell mit
dem Programm des aufgeklärten Absolutismus vertrug.“ (van Dülmen)
Wunschdenken, Schreibtischurteile, ideologische Voreingenommen¬
heit! Als ob „soziale und politische Mißstände“ nicht „gemacht“ und
auf gebauscht hätten worden sein können! Und seit wann will die
„Pyramide“ Volksherrschaft? Die „Aristokratie des Geistes“, ist das
nicht das Selbstverständnis jeder Priesterherrschaft, der vordergrün¬
digen wie der geheimen? Gerade „Gleichheit und Freiheit“ mußten ja in
der blutigen Pöbelherrschaft und dem Jakobinismus enden, deren tref¬
fendstes Gleichheitszeichen die Guillotine wurde.
Holz von einem Holz
Kein geringerer als der geheime Mitarbeiter Leopolds II., der mehr¬
fach genannte L. A. Hoffmann, betonte 1796:
„Der Kenner sah in dem offenbaren Sistem der Jakobiner das voll¬
kommen geheime Sistem des geheimsten llluminatismus. Man wußte,
daß dies Sistem die ganze Welt umfaßt, und daß Frankreich nur zum
Schauplatz der ersten Explosion ausersehen war. Die Propaganda ar¬
beitete nach allen Äonen hin, und Emissäre“ (Abgesandte mit geheimem
874
Auftrag) „liefen schon damals (1790) in allen vier Welttheilen, und be¬
sonders in allen Residenzstädten heerdenweise herum“
Hoffmanns „Wiener Zeitschrift“, eine Art Vorläufer von „Luden¬
dorffs Volkswarte“ von 1929 bis zum römischen Hitlerverbot 1933,
kämpfte seit 1792 scharf gegen das „Komplott von Illuminaten und
Jakobinern
Dabei waren es fast immer „Wissende“ y d. h. ehemalige Logenbrüder
oder Illuminaten, die früher oder später gegen den I.O. und die „radi¬
kalen“ bzw. „revolutionären Demokraten“ angingen. Sogar der Land¬
graf Karl v. Hessen aus dem weitgehend verfreimaurertem Fürstenhaus
und abtrünniger „Erleuchteter“ erklärte 1833:
»Aus dem Illuminatismus entstand der Jacobinismus und aus diesem
der Carbonarismus . . . und der Radikalismus in England.“
Ähnlich äußerte er sich gegenüber der Prinzessin Luise Auguste über
die Greuel in Frankreich:
„Die Illuminaten sind an allem gegenwärtigen Unglück schuld.“
Und kein geringerer als der Freiherr vom Stein, um 1778 vermutlich
in den Tempel gelockt, meldete dem Preußenkönig als dessen Gesandter
aus der Jakobinerhochburg Mainz am 23. 7.1791:
»Die Sekte der Illuminaten in Deutschland, die durch das Aufsehen,
das sie vor einigen Jahren in Bayern erregte, zur Genüge bekannt ist,
aber die seit langem nicht genügend gefürchtet wird wegen ihres Wir¬
kens, womit sie besonders die kleinen Staaten, vor allem die geistlichen
Territorien bedroht, leistet der Propaganda in Frankreich zweifellos
mächtigen Vorschub. Ihre Grundsätze sind die gleichen, ihre Ziele
unterscheiden sich in nichts und die Mittel, deren sich die Illuminaten
bedienen, um sich zu verbreiten und Mitglieder anzuwerben, sind in
bewunderungswürdiger Weise auf den Geist und das Wesen der Nation
abgestimmt, die sie bearbeiten wollen.“
Gewiß, es gab Illuminaten, die die Jakobiner ablehnten. Das war
auch keine Kunst, denn die Revolution hatte ja rasch genug aus den von
den vertrauensseligen Deutschen hochgejubelten „Leuten von Genie
und warmen Herzen“, eben den Mitgliedern des „Club des Jacobins“
in Paris, blutrünstige Verbrecher gemacht. Auch mögen die Feinde des
1.0. in ihrem Kampf oft genug Greuelpropaganda betrieben haben
— das gehört nun einmal zum »Nibelungenkampf“ —, doch der Haß
machte nicht selten auch scharfsichtig. Nicht bloß die Menschen, auch die
875
„Ideen“ des 1.0. wandelten sich, hin zu immer radikaleren Zielen und
Wegen. Da war man nie kleinlich. Sie wurden „revolutionäre Demo¬
kraten“ , ein durchaus berechtigter Vorgang aus heutiger Sicht, aber nur
im Rückblick. Denn die heutigen „Fürsten“ wehren sich ja nicht viel
anders gegen die „Revolutionäre“ ihrer Zeit. Verwerflich ist nicht der
Freiheitswille, doch stets der mit ihm getriebene Betrug, gerade durch
und in Geheimorden, und das Verbrechen. Der Ex-Illuminat S. J. Ro-
tenhan meinte jedenfalls in seinen „freimüthig-patriotischen Beobach¬
tungen und Bemerkungen über die gegenwärtigen öffentlichen Ange¬
legenheiten in Teutschland“ 1818:
„Die franz. Revolution brach aus, diese zog die allgemeine Aufmerk¬
samkeit auf sich, höchst natürlich auch die der geheimen Illuminaten.
Ein größerer Spielraum, als in Bayern eröffnete sich ihnen, sie wur¬
den Kosmopoliten, schlossen sich an die franz. Revolutionsmänner und
an ihre Grundsätze an, sie gingen Schritt vor Schritt mit der Revolution
fort, und als in Frankreich an die Stelle der Rechte der Menschheit die
Guillotine trat, statt einer Gleichheit vor dem Gesetze, ein schmutziger
Sanscullotismus“ (Spottname für einen proletarischen Revolutionär —
ohne [Knie-]Hose), „und statt gesetzlicher Freiheit, die schreckliche
Anarchie und ein entehrender Königsmord erschienen, kurz, als die
Franz. Revolution ausartete, nahmen auch die Illuminaten umso eifri¬
ger daran theil, da diese Ausartung ganz nach ihrer Manier und nach
ihren Grundsätzen ausfiel. Deshalb schlossen sie sich eng an die Jaco-
biner an, und ein fester Bund zwischen diesen und den baierischen
Illuminaten zog auch nach Teutschland den Jacobiner-Einfluß.“
Geht man wiederum vom „Sinnbild“ der Pyramide aus, dann kann
es nicht den geringsten Zweifel zumindest an der Mitverantwortung des
I.O. in Deutschland geben, an seiner „Verschwörung gegen Religion
und Fürstenherrschaft“ und seinem „Programm des Jakobinismus“.
Daran ändern Übertreibungen, daß es z. B. ohne den Illuminatismus
keinen Jakobinismus gegeben hätte, nichts.
Einen schlechten Zug eines Menschen jemals vergessen, ist, als wenn
man schwer erworbenes Geld wegwürfe. So aber schützt man sich vor
törichter Vertraulichkeit und törichter Freundschaft.
Schopenhauer
876
Logen als Verschwörerzirkel
Mag man seit 1945 in Kreisen der Freimaurerei und ihrer Mitläufer
mehr denn je von „ sektiererischen Zwangsvorstellungen“ faseln, näm¬
lich bei all jenen, die genug Mut und Scharfsinn aufbrachten, sich gegen
das verbrecherische Geheimbundwesen aufzulehnen, die Zusammen¬
hänge und die geschichtlichen Ereignisse lassen sich nicht wegschwätzen.
Selbst H. Graßl muß schreiben:
„Tatsächlich bestanden Verbindungen zwischen Illuminaten und
französischen Revolutionären. Mirabeau hatte in Berlin enge Kontakte
mit Nicolai und den dortigen Illuminaten gehabt. Er wurde in seinen
Ausfällen gegen Gaßner, Lavater und den Kryptokatholizismus weit¬
gehend durch die llluminatenpropaganda bestimmt.“
Auch H. Reinalter, der Innsbrucker Historiker, befand:
„Gute Möglichkeiten, auf die Bevölkerung einzuwirken und die
Ideen der Französischen Revolution zu verbreiten, boten die Maurer¬
bünde — die meisten Jakobiner in der Habsburger-Monarchie und in
Deutschland waren gleichzeitig auch Freimaurer 3 ) —, die Publizistik
und, besonders in Deutschland, die Bühne. In den Freimaurerlogen ver¬
suchten die Jakobiner das zu verwirklichen, was ihnen im öffentlichen
Leben verwehrt wurde: Die gesellschaftliche Gleichheit ..." (1977)
Da dem so war — und immer noch ist —, behielt auch N. Vogt von
1836 recht:
„Die Verschwörerzirkel der Illuminaten wurden nunmehr Propa¬
gandazentren für einen gewaltsamen Umsturz.“
„So ist die Freymaurerey“, wie „Spartacus“ 1790 in seiner „Betrach¬
tung über die geheime Welt- und Regierungs-Kunst K meinte, „die ge¬
meinschaftliche Stammutter der meisten heutigen geheimen Gesellschaf¬
ten.“ Und das bestätigt auch die Forschung mit ihrer Tatsachenerarbei¬
tung. J. Hansen stellte 1931 beispielsweise fest:
„Von Frankfurt a. M. breitete sich der Orden (I.O.) seit 1781 auch
in den Städten am Rhein aus; er gewann dort vom J. 1782 an besonders
da schnell Boden, wo sich schon vorher Freimaurerlogen befanden, ln
den Niederlassungen dieser maurerischen Geheimbünde vereinigten
sich . . . um diese Zeit vorwiegend solche Katholiken und Protestanten,
welche den das 18. Jahrhundert bewegenden neuen Ideen zugetan wa~
3 ) Zwischen der österreichischen Illuminatenverschwörung von 1794 und
den Pariser Jakobinern bestanden Beziehungen.
877
ren. Mehrere dieser Niederlassungen sind, ähnlich wie die gleichzeitigen
Lesegesellschaften geradezu als Keimzellen der Aufklärung und des
politischen Fortschritts anzusehen, und zahlreiche Mitglieder haben in
dem öffentlichen Leben des Rheinlands . . . eine Rolle gespielt
Nesta Webster befand jedenfalls in „World Revolution“, daß die
Französische Revolution letzten Endes der in Frankreich lediglich am
besten sichtbar gewordene Teil einer gewaltigen übernationalen Ver¬
schwörung der Illuminaten gewesen sei. Die Jakobiner also als sichtbare
Manifestation des unsichtbaren Systems der Illuminaten! (Zit. nach
E. F. S. Hanfstängl) (Wird fortgesetzt)
2Ulce jum ,23cften bet JRcnfc^betf'?
Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter
XX. Ordenserfolge
Die lächerliche Wut der Neuerung,
die nur der Ketten Last, die sie nicht
ganz zerbrechen kann, vergrößert,
wird mein Blut nie erhitzen. Schiller
Nichts beweist die Stellung des I.O. innerhalb der „Pyramide“ mehr
als seine schier unaufhaltsam erscheinende Verbreitung in Deutschland,
in Europa, ja in Ubersee. Diese durchaus als Hochgradsystem der blauen
Freimaurerei zu betrachtende rote Aktionsfreimaurerei, die Illumina-
tenfreimaurerei, sollte das gesamte Freimaurertum zusammenfassen
und die zahllosen Lehrarten und Systeme überbrücken. Dieses Nahziel
allein erklärt das Fortschreiten des Illuminatismus, zuerst in Ingolstadt,
München, Freising, Eichstätt, Regensburg und dann hinaus in die deut¬
schen Länder. Schließlich gab es Ordenszirkel in der Schweiz, in Nord¬
italien, in Österreich, in Ungarn, in Böhmen und Mähren, in Polen,
Rußland, Schweden, Holland, Frankreich und — den USA 1 ). Gleich ob
Wien, Innsbruck, Frankfurt, Wetzlar, Bonn, Hannover, Kassel, Braun¬
schweig, Weimar oder Berlin, Weishaupt und Knigge fanden ihre Leute.
Männer aus allen führenden Schichten wurden eidhörig: Fürsten wie
Alexander I. von Rußland, Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha, Karl
Nach Des Griffin gab es Ende des 18. Jahrhunderts 15 Illuminatenlogen
in den USA.
1025
von Hessen-Kassel, Landgraf Friedrich V. von Hessen-Homburg, Her¬
zog Karl August von Sachsen-Weimar, Herzog Ferdinand von Braun¬
schweig beugten sich der Ordensmoral, die über Herrscher und Volk
stand. Dichter und Denker wie Herder, Reinhold, Pestalozzi; Buch¬
händler und Schriftsteller wie Wucherer/Wien, Nicolai/Berlin; hoch¬
karätige Freimaurer wie Mauvillon, Bode, Blumauer, Born, Sonnenfels,
van Swieten, Th. Paine; Herausgeber von Zeitungen wie Ratschky oder
Hübner; Weltumsegler und spätere Jakobinerwie G. Förster; Ärzte
wie Hufeland; Politiker und Diplomaten wie Riedesel, Jacobi-Klöst,
Hardenberg, Montgelas oder Jefferson, alle ließen sich verführen oder
führten im Orden. Die Geistlichkeit blieb wie stets nicht minder an¬
fällig. Der Regensburger Fürstbischof Graf von Toerring mußte in
seinem Hirtenbrief feststellen:
„Es hat sich der Illuminatismus dergestalt verbreitet, daß auch sogar
der geistliche Stand nicht ganz davon befreit, sondern ein Theil der
cleri, tarn saecularid quam regularis, damit angesteckt ist, und noch
einige derselben gegen das ausdrückliche Verbot dieser Secte anhangen,
und selbe nach ihren höchstverdorbenen Grundsätzen zu verbreiten sich
beeifern.“
Der „größte K Freimaurerdichter, Bruder Goethe, ließ sich durch
Bode, den Illuminaten Aemilius, einfangen, Schiller jedoch nicht. Wie
sein Herzog, wie Hufeland und Herder unterschrieb er am 11. 2. 1783
folgendes handschriftliches Gelöbnis:
„Ich Endesunterzeichneter verpflichte mich bei meiner Ehre und
gutem Namen, mit Verzicht auf allen geheimen Vorbehalt, von mir
durch den H. Hof- und Legationsrat Bode anvertrauten Sachen, meine
Aufnahme in eine geheime Gesellschaft betr., gegen niemand, auch nicht
gegen die vertrautesten Freunde und Verwandte, auf keine irgendmög¬
liche Weise, weder durch Worte, Zeichen noch Blicke, oder sonst niemals
das geringste zu offenbaren, es mag nun diese meine Aufnahme zu¬
stande kommen oder nicht. Dies um so mehr, da man mich versichert,
daß in dieser Gesellschaft nichts gegen den Staat, Religion und
gute Sitten unternommen werde. Auch verspreche ich, die mir desfalls
mitzuteilenden Schriften und zu erhaltenden Briefe, nach vorher ge¬
machten, außer mir niemand verständlichen nötigen Auszügen, zugleich
zurückzugeben; und wenn ich künftig Ordensschriften in meine Ge¬
wahrsam bekommen sollte, dieselben besonders verschließen und mit
einer Adresse an ein belehrtes rechtschaffende Ordensglied versehen
1026
will, damit dieselben auf meinen unvorhergesehenen Todesfall auf keine
Weise, Art und Wege in fremde Hände geraten könnten. Dies alles ver¬
spreche ich ohne geheimen Vorbehalt und erkläre, daß ich keine Ver¬
bindlichkeit von einer anderen Gesellschaft auf mir habe, Geheimnisse,
welche man mir unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertraut, an¬
deren mitzuteilen: so wahr ich ein ehrlicher Mann bin und sein will.“ 1 )
Der Illuminatenorden 2 ) erhielt also im Laufe der Jahre Kontrolle
und Einfluß auf die internationale Freimaurerei. Spartacus’ Ziel schien
erreicht.
„Mit der Maurerey ist es höchst nothwendig, daß die ganze Loge
unter ihrer Direction stehe, um so mehr, als der künftige Illuminatus
major das geheime Capitel ausmachen soll... Es soll eine Maurerey
seyn, die sich durch Reinheit und Ehrwürdigkeit der Mitglieder, durch
ihre Subordination (Gehorsam), Bildung von allen bisherigen unter¬
scheidet . . . die Maurerey ist nunmehr mit dem Illuminatenorden ein
und-derselbe Körper.“
Die Erfolge des I.O. hatten selbstverständlich viele Wurzeln. Der
unzufriedene Zeitgeist, die „Sucht nach geheimen Oberen“, der Ehrgeiz,
die Enttäuschungen durch Christentum, Logentum, freimaurerisches
Tempelherrentum und nicht zuletzt die „Sprachregelung“ hinter den
Kulissen im Sinne der berüchtigten „großen Presse“ für den Illumina-
tismus. Wie es im Inneren des betrogenen Betrügers und uneingeweihten
Geweihten Knigge aussah, hat er der Nachwelt selbst überlassen. In der
Popp’schen Doktorarbeit (1931) heißt es:
„Knigge spielte seine Rolle in den geheimen Verbindungen mit der
ihm eigenen mitreißenden Energie. Ohne Ermüdung ist er auf der Suche
nach den echten Zweigen und unbekannten Oberen der Freimaurerei.
Überall, wo er Verborgenes und Geheimes wittert, ist er zu finden. Sein
nicht zu bändigender Drang nach Erkenntnis läßt ihn nicht zur Ruhe
kommen. Aber auch das Streben nach äußerer Anerkennung darf nicht
vergessen werden. Wie es ... in ihm ausgesehen hat, schildert er selbst
folgend:
,Nicht befriedigt durch die gewöhnlichen philosophischen Systeme;
*) Goethe erhielt den Ordensnamen Abaris und wurde Zensor des Minerva¬
tempels, wodurch er über seinem Herzog Karl August stand. Wenige Monate
zuvor, am 10. 12. 1782, hatte Goethe den 4. Schottengrad erhalten und seinen
Morddroheid abgelegt.
2 ) 1784 angeblich 2400 Mitglieder.
1027
in einem Alter, wo man am geschwindesten mit Errichtung und Zer¬
störung eines philosophischen Lehrgebäudes fertig wird; gekitzelt von
der eigenen Idee, mich mit höheren Dingen als andere gemeine Leute
beschäftigen zu können, eine große Rolle in der Freimaurerwelt zu spie¬
len, und damit Einfluß in der bürgerlichen zu bekommen, in welcher ich,
außer einem Zirkel von einigen Meilen, eine ziemlich unbedeutende
Person war . ..
Ich lernte aber bald den Jargon der Mystiker auswendig. Halb
glaubte, halb zweifelte ich. Halb wurde ich belogen und verführt,
halb belog und verführte ich andere — nicht, um zu betrügen, sondern
um meine Schwäche in diesen Kenntnissen nicht zu verraten, die bis
dahin noch als ein Chaos in meinem nebelvollen Kopfe schwebten . . .
Und diese Existenz gefiel mir. Ich hatte keine andere. Alle übrigen
Pläne in der Welt waren mir mißlungen, und doch glaubte ich etwas
besseres sein zu müssen als gemeine Menschen. Enthusiastisch für alles,
was Mysterien hieß, war mir das Unverständlichste fast immer das
Ehrwürdigste. <K
„Politik“
Das Wirken des 1.0. muß im Zusammenhang mit der überstaatlichen
Glaubenspolitik des 18. Jahrhunderts gesehen werden. Wiederum kann
ein wirklich Eingeweihter herangezogen werden, der diese auf einen
knappen Nenner gebracht hatte: Freiherr J. A. von Stark, 1741—1816,
jener Mann, der das „Konglomerat von Freimaurerei, Templerei, Ma¬
gie, Alchimie und Theosophie“, das er vorgefunden hatte, „zu einem
prachtvollen klerikalen System zusammengeleimt, daß es jeden Jesuiten
Ehre machen könnte und geeignet war, wirkliche Freimaurerei in ihr
gerades Gegenteil zu verkehren“ (Wolfstieg), nämlich das spater mit
der Stricten Observanz vereinigte Klerikat der Tempelherren. Stark
schrieb am 5.11.1807, wohl als Jesuit:
„Dieser Orden“ (der Freimaurerei, als „Überbleibsel der Templer“)
„war an sich unschuldig und keine Verschwörung wider Religion und
Staat; aber der Illuminatismus hat sich in denselben eingeschlichen, ihn
zu überflügeln gesucht und wirklich überflügelt und sich seiner zur Aus¬
führung des Complotts gegen Religion und Staat bedient.“
Und am 7. 11. 1809 meinte Stark, dem nun der Freimaurer „schlim¬
mer als Judas der Erzschelm“ erschien:
„Ohne geheime Gesellschaften hatte man keine Comites secretes und
keine Jakobiner gehabt und die Revolution wäre nie vollendet worden.“
1028
Nun, diese Feststellungen mögen als „Erfindung von Konterrevo¬
lutionären K und Verschwörungsangst abgetan werden, der „Gang der
Weltgeschichte selbst“ bestätigt sie 3 ), auch dann, wenn die anderen Ge¬
schichtskräfte nicht vergessen werden. „ Außenpolitisch cc hatte sich der
Orden für den bekannten Austausch der österreichischen Niederlande
gegen Bayern jedenfalls bloßgestellt. Auch Rom spürte den 1,0. in sei¬
nem Kampf gegen den Jesuitenorden, die Rosenkreuzer und die Strikte
Observanz mit ihren jesuitischen Agenten. Hierzu eine Aussage des
F. X. von Zwack aus der Führungsspitze des I.O., dem späteren Regie¬
rungspräsidenten in München:
„Daß ich den Jesuiten und ihrer Macht entgegen arbeitete, daß ich
mit Rath und That an Händen gieng, sie von den Professorenstellen zu
entfernen, ihnen die Verwaltung des goldenen Almosens, Exercitii-
Haus ’ und der Convertitencassa abzunehmen und solche dem geistlichen
Rath und der Schulcuratel zu verschaffen, geschah in keiner anderen
Absicht, als weil ich wenigstens für meinen Theil überzeugt war, daß
einige Mitglieder des Jesuitenordens ihre Macht mißbraucht haben, daß
sie eben bei Einführung der Maltheser die Schulen und die Erziehung
der Jugend wiederum als ihr Monopol sich zueignen wollten .“
Und ebenso:
„Durch verschiedene Schriften, die wir drucken ließen, haben wir die
Fürsten auf verschiedene Mißbräuche aufmerksam gemacht. Wir wider¬
setzen uns nach allen unseren Kräften den Ordens geistlichen und wir
haben schon gute Folgen von dieser Arbeit gesehen ... Durch die An¬
schläge unserer Brüder sind die Jesuiten von allen Lehrstühlen beseitigt;
wir haben die hohe Schule zu Ingolstadt davon gereinigt. . . Die Her¬
zogin hat das Institut der Cadeten ganz nach dem von unserem Orden
entworfenen Plan eingerichtet. Das Haus steht unter unserer Aufsicht;
alle Lehrer sind Mitglieder unseres Ordens . .. Die deutschen Schulen
sind unter Aufsicht des Ordens und haben alle unsere Brüder zu Vor¬
stehern . . . wir dirigieren auch die wohltätige Gesellschaft. . . Der Or¬
den hat vielen Brüdern, die in den Dikasterien (— Gerichten) oder auf
Verwaltungsposten stehen, Gehalte und Zulagen verschafft. . .. wir
werden bald Herren sein von der ganzen Stiftung der Bartholomäer,
welche zur Erziehung der )ungen Geistlichen bestimmt ist; alle Ma߬
regeln sind deßwegen schon getroffen .. . Durch dieses Mittel können
wir ganz Bayern mit geschickten und anständigen Priestern versehen.*
3 ) „ An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ (Mt. 7, 16)
1029
Eine „Instruction“ der Weishauptschen „Geheimpädagogik“, ent¬
worfen für den Br. . *. Hofmeister des bayerischen Thronfolgers,
lautete:
„I. Man wird darauf achten müssen, daß der Prinz ausgedehnte aber
keine gründlichen Kenntnisse sich aneignet. . . Die ausgedehnten und
oberflächlichen Kenntnisse erzeugen die Eitelkeit. Man wird derselben
schmeicheln: die unerfahrene Jugend läßt sich stets durch Lob verführen.
III. Eine besondere Aufmerksamkeit muß der Auswahl der Lectüre
gewidmet sein. Die im Geiste der Loge geschriebenen Werke wird man
als epochemachend in der Wissenschaft und als literarische Perlen her¬
ausstreichen. Die Freimaurerei muß um jeden Preis die guten Schrift¬
steller zu gewinnen suchen. Ist dies geschehen, dann wird man alle
Hebel in Bewegung setzen, um denselben Berühmheit zu verschaffen.
Die Schriftsteller dagegen, welche nicht im Sinne der Loge schreiben,
müssen herabgesetzt und als Dummköpfe, Dunkelmänner und Jesuiten
verschrieen werden. Man muß darauf achten, daß die Belletristik (Un¬
terhaltungsliteratur) einen hervorragenden Platz in der Lectüre des
Prinzen einnimmt.
IV. Sehr wichtig ist es, daß man der Jugend frühzeitig durch ge-
spräch und Lectüre ein gewisses Interesse für den Selbstmord und all¬
mählich Achtung vor dem Selbstmord beibringt! Man wird den Selbst¬
mord als den höchsten Akt männlichen Muthes, besonders in gewissen
speziellen Fällen, dar stellen.“
Hier wird eine Ordensregel betont, nach der „der Selbstmord zur
Pflicht gemacht werden konnte, wenn höheres Interesse es erheischt“.
Obwohl von solchen „Freitoden“ durch das Ziehen von „schwarzen
Kugeln“ noch heute im Volk gemunkelt wird, hat alle Forschung dazu
geschwiegen. Dem Mord, sei es aus Feme- oder Kultgründen, wird doch
durch diese Lehren der Weg gebahnt. Der französische Gesandtschafts¬
sekretär Chalgrin berichtete seinerzeit bezeichnenderweise nach Paris,
„daß man bei diesem Orden vergiften könne, so daß man nach und nach
an der Auszehr sterben müsse “.
Kein Wunder, daß der bayerische Kurfürst Karl Theodor nach Ein¬
blick in die beschlagnahmten Ordenspapiere für sein Leben und seinen
Thron bangte. Der dem Haus Österreich nicht ungelegen gekommene
Tod des Erbprinzen von Zweibrücken am 21. 8. 1784 wurde damals
ebenfalls auf einen Giftanschlag zurückgeführt. „II est mort, et bien
mort“, soll der k.k. Gesandte Br. . •. Lehrbach gesagt haben. Schillers
1030
Ermordung 1805, vor 180 Jahren, kurz vor seiner Berufung nach Ber¬
lin, gehört ebenfalls zur »Politik“ des Illuminatismus.
Graf Pergen, Kaiser Leopolds II. Sicherheitsminister in Wien, ein
gewiß gut unterrichteter Mann, warnte jedenfalls in einer Denkschrift
über die Arbeit der Männerorden:
„Es gab zu allen Zeiten geheime Gesellschaften, deren Mitglieder sich
durch Bande der Bruderschaft verknüpften, auf einen gewissen Zweck
gemeinschaftlich arbeiteten, und über ihre Ansichten so wohl, als die
Mittel solche zu erhalten, den Schleyer des tiefsten Geheimnisses zogen.
Aber nie war die Wuth, solche geheimen und zweydeutige Verbindun¬
gen zu errichten, stärker als in unseren Tagen, man weiß es als That-
sache, daß mehrere dieser geheimen Gesellschaften, die unter verschie¬
denen Namen bekannt sind, nicht wie sie vorgeben, blos vernünftige
Aufklärung und thätige Menschenliebe zum Zwecke haben, sondern
daß ihre Absicht auf nichts weniger gehe, als das Ansehn, und die Macht
der Monarchen nach und nach zu untergraben, Freyheitssinn bey den
Nazionen 4 ) aufzuregen, die Denkungsart des Volkes umzustimmen,
und solches durch eine geheime Oberherrschaft nach ihren Absichten zu
lenken. Der Abfall der engländischen Kolonien in Amerika ist die erste
Operation dieser geheimen Oberherrschaft, von da suchte sie sich weiter
auszubreiten, und es ist unbezweyfelt, daß der Umsturz der Franzö¬
sischen Monarchie das Werk einer solchen geheimen Gesellschaft sey.
Daß diese hiebey es nicht zu bewenden Sinnes ist, beweisen die ausge¬
schickten Emissäre in allen Reichen, und die Aufforderungsschreiben,
welche sie in andern Ländern in Umgang zu bringen weiß; besonders
suchen die französischen Frey maurerlogen ähnliche Gesinnungen bey
ihren Mitbrüdern in andern Staaten hervorzubringen. Auffallend ist
die Stelle eines solchen Schreibens der Loge von Bordeaux, wo gesagt
wird: Die weisen Grundsätze der neuen französischen Verfassung ste¬
hen mit den maurerischen Grundbegriffen der Freiheit, Gleichheit, Ge¬
rechtigkeit, Toleranz, Philosophie, Wohltätigkeit und Ordnung in so
enger Beziehung, daß sie die schönsten Erfolge versprechen — in der
Tat ist in Zukunft jeder gute französische Bürger wert, Maurer zu sein,
weil er frei ist.“
Eleusis, das schottische Hochgrad-Blatt in der BRD, brachte 1974
Thomas Manns Urteil aus der Zeit des 1. Weltkrieges in Erinnerung.
Wohl wollte später Mann davon nichts mehr wissen und wohl irrte er
4 ) Nur Mittel zum Zweck.
1031
in seiner Erwartung (sieht man von Ludendorffs Forschungen ab), doch
der Kenner der überstaatlichen Glaubenspolitik sieht die Zusammen¬
hänge, die blutige Spur seit Jahrhunderten:
„Die Geschichtsforschung wird lehren, welche Rolle das Illuminaten-
tum, die Freimaurer-Weltloge, unter Ausschluß der ahnungslosen Deut¬
schen natürlich, bei der geistigen Vorbereitung und wirklichen Entfesse¬
lung des Weltkrieges, des Krieges der ,Zivilisation 5 J gegen Deutsch¬
land, gespielt hat.“ 6 )
5 ) S. z. B. den Hetzbeitrag von John Leisk Tait, 32°, in The New Age
Magazin (USA) vom Januar 1918, Vol. XXVI, Nr. 1: Freemansonry and the
World War.
6 ) „Betrachtungen eines Unpolitischen“, 1918, S. 34/35, Vorwort.
2Hle0 3 um „23eften öer ITCenfrfjbdt'?
Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
Von Dieter Wächter
XXI. Verfall und Verbote
Mit den äußeren Erfolgen begann der Verfall der „heiligen Legion“
zur Errichtung einer „kosmopolitischen Weltordnung ohne Staaten,
Fürsten und Stände“ und — ohne Priesterherrschaft. Denn dieser
„Staat im Staate“ war den inneren Zersetzungen wie den äußeren An¬
griffen, zumindest in Bayern, nicht gewachsen. In München verließen
mehr und mehr Mitglieder den Orden, des Lebenswandels der Erleuch¬
teten wegen, aber ebenso wegen seines „unteutschen“ Systems mit „be¬
ständigem Predigen wider Patriotismus“ . Hinzu kam der Landesverrat
zugunsten Wiens und seines „Freimaurerkaisers“, preußische Einsprü¬
che und öffentliche Angriffe. Buchhändler Strobl, selbst Illuminat, ver¬
öffentlichte J. M. Babos „Gemälde aus dem Leben der Menschen“
(1784) als ersten scharfen Angriff gegen den Orden. „Über Freymau¬
rer. Erste Warnung 1784“ folgte. Dahinter steckten auch die alten
106
Kontrahenten: Jesuiten und Rosenkreuzer. Schon 1783 hatte die „De¬
claration der alten Mutterloge 2 u den drei Weltkugeln in Berlin an
alle mit ihr verbundene Hoch- und Ehrwürdige Freymaurerlogen in
und außerhalb Deutschland“ den unerquicklichen Sektenstreit der prie-
sterlichen „Eliten“ eröffnet:
„Verflucht ist der Freimaurer, der die Religion der Christen zu
untergraben und die erhabene edele Maurerei zu einem politischen
System herabzuwürdigen und zu einem solchen umzuschaffen sich
nicht entblödet. Der augenscheinlichen Gefahr nicht zu gedenken, daß
dadurch der weltliche Arm später oder früher gegen die ganze Mau¬
rerei erregt werden dürfte. Hinweg mit solchen Uebelthätern.“
Dann gab es Ärger mit Knigge, der Anfang 1783 sogar drohte, die
Geheimnisse des I. O. an die große Glocke zu hängen: den Jesuiten
und Rosenkreuzern einen Wink zu geben, wer sie verfolgte; den jesui¬
tischen Charakter des Ordensgründers bekannt zu machen und ebenso
den Betrug mit dem „Geheimnisse“ , ja eine illuminatische Tarngrün¬
dung bloßzustellen und in Wien durch die Fürsten, durch den Reichs¬
vizekanzler Cobenzl und die Rosenkreuzer Lärm schlagen zu lassen.
„Ein Orden, der auf diese Art die Menschen mißbraucht und tyran¬
nisiert, als Spartacus die Absicht hat , der würde die armen Menschen
in ein ärgeres Joch bringen, als die Jesuiten. Es ist Pflicht , dem zu
steuern, und das bin ich fest entschlossen zu tun, daß ich auch nicht den
Schatten von Verdacht bei den fünfhundert armen Leuten, die ich dem
Orden zugeführt habe, übriglassen will; ich habe mich zu einer Ma¬
schine der Tyrannei brauchen lassen: alle sollen es wissen, daß auch ich
betrogen worden, und mit dem besten Herzen betrogen worden bin.“
So machte sich Philo in einem Brief Luft, jedoch ohne Erfolg. Am
1. 7. 1784 verließ er den I.O. Bruder F. Runkel behauptete 1932 so¬
gar, Knigge habe aus völlig gedeckter Stellung heraus die schärfsten
Gegner, die Rosenkreuzer, gegen den 1.0. zum Angriff bestimmt. Der
Erlaß des Münchner Großpriorats an WÖllner/Berlin, in seiner Eigen¬
schaft als Hauptdirektor der Roenkreuzer, vom 1. 9. 1785 soll das
bestätigen. Der Münchner Zirkeldirektor, der Beichtvater des Kurfür¬
sten Karl Theodor, der Exjesuit Pater Frank, auch Pater Francfort
genannt, berichtete jedenfalls J. Ch. v. Woellner von den drei Welt¬
kugeln in Berlin:
„Der jüngste Tag des llluminatensystems in Bayern scheint heran-
107
zunahen. Seit dem Tode des vom Donner erschlagenen Priesters Lanz
zu Regensburg . . . der als Emissarius nach Berlin reisen sollte, habe ich
mit gespannten Kräften an ihrer Zerstörung gearbeitet, zur Erhaltung
der Religion Jesu, zum Heil meines Vaterlandes, und zum Heil der
Jugend, und für die gute Ordenssache. Endlich nun ist es dahin gedie¬
hen, daß die zwei Rädelsführer zu Ingolstadt kassiert, zum Schrecken
anderer mit Weib und Kind brotlos gemacht und fortgeschafft, ferner
zehn andere, meist junge frevelnde Edelleute, von der Akademie rele¬
giert, mithin durch verhinderte Absolvierung aller Dienste unfähig
gemacht sind. Die Universität selbst hat strenge Befehle und bittere
Vorwürfe bekommen, daß dort, wo alles Serenissimum verlachte, nun
alles zittert. Alle Offiziere der ganzen Armee vom Feidzeugmeister bis
zum Fahnenjunker, alle hohen, mittleren und unteren Gerichtsstellen
und Landeskollegien haben sich feierlich gegen die illuminatische Sekte
reservieren und cassationem ipso facto incurrendam (bei drohender
Kassation) unterzeichnen müssen. Alle Gouverneurs, Kommandanten,
Polizeistellen haben ebenfalls bei Kassation ohne Gnade Ordre, solche
Logen ohne Rücksicht der Person zu arretieren. Die berüchtigten Illu-
minaten Savioli (mit späteren Verbindungen zu den Carbonari), Con-
stanza und Zwackh sind ab officiis suspendiert, die Denunziationen
bekommen Recompense. Wegen unseres sehr illuminierten Cleri bin ich
der Mittelsmann zwischen Serenissimo und dem Bischof von Freisin¬
gen . . . Ich habe Himmel und Hölle bewegt, den langmütigen Kur¬
fürsten zu dieser Resolution zu determinieren . . .
Und nun diesem Allmächtigen zum ewigen Danke, stehet unter so
vielen Stürmen, unter so vielen Tausenden, die jetzt die Maurer ei in
ignorantia zu schmähen wieder Mut haben, unser heiliger Orden wie¬
der aufrecht, und auch die Verleumdung nährt sich an keinem unserer
Brüder. Wir gehen zwar stille, aber mit mutiger Stirn unter den ge¬
fallenen Afterbrüdern herum, gehorchen des guten Beispiels wegen den
Befehlen unserer Souveräns und halten jetzt keine V er Sammlungen,
sind aber seiner Gnade versichert ... Was ich gewagt habe, noch wage
und wagen werde, ermessen Euer usw., wenn Ihnen Leute pmd Lokale
bekannt sind. Allein spes non confundit (Hoffnung läßt nicht zuschan¬
den werden. Röm. 5, 5), und sollte ich auch einst oder bald als ein
Opfer fallen, jenseits erwartet mich ein Grad, der hienieden nicht zu
erreichen ist. K
Doch schon vor dem ersten kurfürstlichen Erlaß vom 22. 6. 1784
108
— einer Warnung an die geheimen Gesellschaften — wußte der 1.0.
dank seiner Agenten von der zu erwartenden „Inquisition“:
„Wir haben zuviel auf die Güte unserer Sache getrauet, zu sehr auf
unsere Kräfte gepochet und so sorgenlos unseren Feinden entgegen¬
gearbeitet. Es ist in dem Kurfürstlichen Cabinet beschlossen, unseren
Orden zu zerstören, und so geneiget uns sonst der beste Fürst gewesen
ist, so ist es doch der Kabale gelungen, ihn, Gott weiß, durch welche
Vorstellungen und Beschuldigungen des Ordens, auf das Heftigste auf¬
zubringen und ein Mandat abzunöthigen, durch welches in ganz Bayern
alle geheimen Verbindungen und namentlich die unsere verboten wer¬
den sollte. Zwar ist das Mandat noch nicht publiciert, aber wir haben
dennoch in gestriger außerordentlichen Versammlung beschlossen, so¬
gleich den genauesten Gehorsam zu bezeigen und eben dadurch dem
Kurfürsten einen Beweis zu geben, daß wir diejenigen nicht sind, vor
welche man uns mag geschildert haben; vielleicht gelingt es uns, ihn
nach und nach zu einem günstigeren Entschluß zu bringen.“
Doch die Heuchler konnten ihr Geschick nicht abwenden. Wohl ge¬
lang es, die Ordenspapiere zum Teil in Sicherheit zu bringen, doch die
Ordensbrüder am Hof konnten Karl Theodor nicht mehr umstimmen.
Es erfolgte am 3. 3. 1785 das Verbot aller Geheimgesellschaften, wobei
Freimaurer und Illuminaten ausdrücklich beim Namen genannt wur¬
den. Zwar versuchte der 1.0. gerichtliche Schritte, um das Verbot zu
verhindern, doch nachdem auch Papst Pius VII. seinen Abscheu über
die Bestrebungen der geheimen Gesellschaften ausgedrückt und das
staatliche Einschreiten gebilligt hatte, erfolgte gegen die im geheimen
weiterarbeitenden Illuminaten am 16. 8. 1785 eine weitere Verfügung,
Schließlich erschien 1787 sogar ein viertes kurfürstliches Mandat, das
allen Ordenswerbern die Todesstrafe verhieß. Der nach Regensburg
entwichene Weishaupt ging nun nach Gotha. Ursprünglich war er als
Professor mit einem Gnadengehalt von 400 Gulden entlassen worden.
Er sollte reuig das tridentische Glaubensbekenntnis vor versammelter
Hochschullehrerschaft ablegen.
Der I.O. war damit aber nicht vernichtet. Bode folgte Weishaupt in
der Führung. Der Kampf gegen ihn ging weiter, so wie das Unter¬
wühlen durch den Illuminatismus. Kaiser Leopold II., L. A. Hoff-
mann, der Arzt Zimmermann und mehrere Zeitschriften griffen die
„Erleuchteten“ scharf an. Und selbstverständlich fehlte in diesem „Ni¬
belungenkampf“ auch nicht Rom. In einem russischsprachigen Zirkular,
109
das die Moskauer Martinisten (rosenkreuzerisch-theosophisches System)
um das Jahr 1787 erhielten, heißt es:
„Die llluminaten, die zerstreut in vielen Ländern Europas leben,
sind eine überaus schädliche Sekte, feindlich der Herrschaft Jesu und
dem wahren Orden, der vor allem die Ausbreitung von dessen gött¬
licher Herrschaft befördern soll, weswegen sie auch danach trachten, in
verschiedener Gestalt die Seelen zu fangen und sie von der wahren,
reinen christlichen Religion abzubringen, im Bestreben, alle Verbin¬
dungen zu zerstören, die zur Aufrechterhaltung einer edlen Ordnung
der Gesellschaft nötig sind und die die Liebe und denGehorsam gegen¬
über den Herrschern und ihren Regierungen verlangt; und sie streben
danach, den Wunsch nach zügelloser Unabhängigkeit von weltlicher
und geistlicher Macht den Menschen einzuflüstern.“
Nach dem Tode Karl Theodors kam jedoch mit dem Kurfürsten
Maximilian Joseph aus dem Hause Zweibrücken ein „anderer Geist“
an die Regierung: Montgelas, einer der ersten llluminaten, wurde zum
Minister ernannt und Zwack Staatsbeamter, ja schließlich Regierungs¬
präsident der Pfalz. Der von seinem Ordensbruder Herzog Ernst II.
von Gotha zum Hofrat ernannte Spartacus hieß 1808 Mitglied der
Akademie der Wissenschaften; auch gewährte ihm München ein Ruhe¬
geld. Doch nach Bayern zurückkehren durfte er nicht. Obwohl der
spätere König von Bayern, Maximilian I. (1756—1825) selbst der
Strikten Observanz angehört hatte, mußte er alle Verbote seines Vor¬
gängers gegen die geheimen Gesellschaften, vor allem gegen die Illu-
minaten und Freimaurer bestätigen.
Freiherr Adolf v. Knigge, der „ewige Jude“ in Ordenssachen, starb
noch nicht 44 Jahre alt, enttäuscht und verbittert am 6. 5. 1796 in
Bremen. (Wird fortgesetzt)
21Hcö jum „23eftcn bet 21Tenfrf)l)eit'?
Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
XXII. Sein „Geist“ lebt
Von Dieter Wächter
Verbote und Verketzerungen haben religiöse und — noch weniger
— geheimreligiöse Überzeugungen zu keiner Zeit beseitigen können.
Kein Wunder, daß Karl Theodor am 15. 11. 1790 seine früheren Ver¬
bote der geheimen Männerorden erneuern mußte, „weil trotz der er¬
gangenen strengen Gesetze immer noch geheime Zusammenkünfte von
llluminaten stattfanden und sie noch immer dreist fortfuhren, junge
Leute zu locken und zu verführen“. So sollte es auch bleiben, wobei es
nicht darauf ankam, unter welcher Flagge der Illuminatismus als
Speerspitze der „Pyramide“ segelte. Da immer noch eine Weltge¬
schichte der Geheimbünde fehlt, also auch die Geschichtsschreibung
völlig im Dunklen tappt, kann nach wie vor das verhängnisvolle Wüh¬
len der llluminaten, beispielsweise in den USA, unterschlagen werden.
Des Griffin berichtet von Warnungen vor ihnen aus dem Jahre 1798
durch den Präsidenten der Harvard Universität, D. Pappen, und der
Yale Universität, T. Dwight. Auch Br . •. George Washington schrieb
damals (an G. W. Snyder):
„Es ist nicht meine Absicht zu bezweifeln, daß die Doktrin der lllu¬
minaten und die Prinzipien des Jakobinertums in den Vereinigten
Staaten keine Verbreitung gefunden haben. Es gibt im Gegenteil nie¬
manden, der darüber glücklicher ist als ich.
Ich wollte vielmehr meine Überzeugung zum Ausdruck bringen, daß
die Freimaurer in diesem Lande in Form von Gesellschaften die teuf¬
lischen Lehrsätze nicht zu verbreiten suchten. Daß einzelne von ihnen
das vielleicht getan haben, oder daß der Gründer bzw. die Einrich¬
tungen, die in den Vereinigten Staaten demokratische Gesellschaften
gründen sollten, dieses Ziel hatten und tatsächlich das Volk von der
Regierung entfremden wollten, ist zu offensichtlich, als daß man es
bestreiten könnte.“
In Frankreich warnte schon 1789 der Marquis de Luches vor der
Illuminatengefahr und ihren Weltherrschaftszielen. Nesta Webster
nannte die französische Revolution den am besten sichtbar gewordenen
Teil einer gewaltigen übernationalen Verschwörung (der llluminaten)
166
zum Zwecke der Austilgung der europäischen Zivilisation. Die Jako¬
biner als sichtbare Manifestation des unsichtbaren Systems der Illu-
minaten! („World Revolution“, London 1921, auch „Secret Societies
and subversive Movements“ von Nesta H. Webster, 1924)
Auf die Regierungsform kam es den Pyramidentruppen nie an, jede
diente ihren Zielen: die Monarchie, die Republik, die Diktatur, die
Demokratie, als Mittel zum Zweck. Als Napoleon 1799 das Direk¬
torium stürzte, liefen die Illuminaten mit fliegenden Fahnen zu ihm
über, gerade auch in Bayern; der ehemalige fränkische Weishauptge¬
nosse Rotenhan:
„Napoleon ward in Frankreich der Abgott der Jacobiner, in Bayern
der der Illuminaten; sie waren seine treuesten, eifrigsten Anhänger,
seine Söldner, seine ehrbaren Spießgesellen.“ (Solange er das tat, was
sie für richtig hielten, muß man hinzufügen!)
Eine zeitgenösische Flugschrift behauptete sogar:
„In Bayern werden die Illuminaten wie Ketzer verfolgt, seitdem hat
sich ihr Geist auf den Thron von Frankreich gesetzt, verwandelt in
eines Menschen Leib, genannt Napoleon.“ (b. Roßberg)
und Friedrich L. zu Stolberg klagte 1805:
„Der lang entworfene Plan des Illuminatismus wird sich nun überall
entwickeln. Ihnen entgeht man in Europa nicht. Der Erfolg setzt sich
über jede Bedenklichkeit hinweg. Gott erhalte die Gesinnung derer,
welche noch im politisch-moralischen Schiffbruch dieser Zeit Gesinnung
haben.“
Im Januar 1806 rief er aus:
„Wie das große Weißhauptische Drama sich izt rings in Europa ent¬
wickelt.“
Ein Agentenbericht von 1801 für Wien meldete:
„Um über die gegenwärtige Lage des Ordens in Bayern volles Licht
verbreiten zu können, muß ich einige frühere, bisher nicht bekannt
gewordene Thatsachen anführen. Was nach der Entdeckung des Ordens
im Jahre 1787 unter dem Titel ,Original-System’ auf höchsten Be¬
fehl . . . gedruckt wurde, war nur der kleinste Theil dessen, was man
in den Ordensarchiven gefunden hatte. Die wichtigsten Papiere, und
besonders der aufschlußreiche Briefwechsel, wodurch Männer höheren
Ranges, hauptsächlich aus fremden Staaten, in Gefahr oder Verlegen¬
heit gestürzt werden konnten, wurden sogleich in dem Hause des
Kanzlers, Freiherrn von Kreitmayr, durch den Hauscaplan desselben,
167
Culva, abgesondert und unmittelbar in die Hände des Kurfürsten nie¬
dergelegt. Daher kam es, daß viele thätige Mitglieder des Ordens in
anderen Ländern noch lange, und selbst bis in die neuesten Zeiten,
fortwirken konnten, und daß, besonders im nördlichen Deutschland,
Fürsten und Staatsmänner, die in den Originalschriften das ganze Ge¬
webe aufgedeckt glaubten, den Orden nach Geist und Ausdehnung für
weit weniger wichtig hielten, als er es in der That war .. .
Die Wendung der französischen Revolution gab sichtbarlich den
ursprünglichen Absichten des Ordens eine veränderte Richtung und
eine neue Terminologie. Man spricht geradezu nicht mehr von ,Tyran¬
nen’, aber desto mehr von demokratischen Fürsten, die in Krön und
Szepter mit dem Volke sich theilen’; nicht mehr von ,Staatsumwälzung
und Freyheit und Gleichheit’, aber desto mehr von ,unveräusserlichen
Menschenrechten', von den unaufhaltsamen Fortschritten des mensch¬
lichen Geistes', von unbeschränkter Preßfreiheit', von ,Sturz der Hier¬
archie und der privilegirten Kasten'. Der stille Plan der Illuminaten
und selbst so mancher Uneingeweyhten, die auf das Volk wirken,
scheint ganz in diesen Äußerungen zu liegen.
Um sowohl den Churfürsten (von Bayern) als auswärtige Regie¬
rungen in Sicherheit einzuwiegen, um der öffentlichen Aufmerksam¬
keit sich zu entziehen, wird auf Zentners und Brancas Veranstaltung
der Illuminatismus planmäßig als Gespenst dargestellt, welches gar
nicht mehr in der Welt, sondern blos in der Einbildungskraft der Je¬
suiten und Obscuranten existire. Ein sonst vortrefflicher Kopf, der
Professor und Pfarrer Salat in München, ist der Auserwählte, der mit
großer Gewandtheit und sichtbarem Erfolge in der ,National-Zeitung
der Deutschen’, den ,Annalen der leidenden Menschheit’, dem ,Genius
der Zeit’, dem ,Deutschen Merkur’, den ,Neuesten Staatsanzeigen’,
der Oberdeutschen Literatur Zeitung . .. den Glauben an das Dasein
des Illuminatismus auszurotten sucht. Man wähnt in den verschiede¬
nen Einkleidungen Stimmen aus allen Gegenden Deutschlands zu ver¬
nehmen und hört blos die Stimme eines Einzigen, durch welche denn
doch die öffentliche Meinung ihre Richtung erhält.“
In der Schweiz sollen schon 1786 die letzten Reste des I.O. beseitigt
worden sein, doch er vertarnte sich nur. Die „Gesellschaft zur Beför¬
derung häuslicher und sittlicher Glückseligkeit“ arbeitete in seinem
Sinne weiter. Wie konnte es auch anders sein, war man doch „über¬
zeugt" worden:
168
„Die Hauptgrundsätze des Illuminatismus liegen indessen so gewiß
in der Menschennatur, daß der Körper der Seele zwar aufgelöset wer¬
den konnte, ihr Geist aber bleiben muß, wenn die Welt nicht aus dem
Argen in das noch Aergere verfallen will . — Ich möchte den Illumi¬
natismus und die Maurerei mit Schwimmblasen vergleichen, die dem
Anfänger im Schwimmen vor dem Untersinken sichern. — Wer sich
auf dem Wege des eigenen Nachdenkens und der Hochherzigkeit er¬
halten kann, der bedarf keiner Ordenslehre. “ (Lennings Freimaurer-
Enzyklopädie, 1824)
Gewiß, der Illuminatismus, der „Geist“ des Ordens, wirkte noch
lange, bis heute, doch dieser Geist brauchte Menschen, brauchte Orga¬
nisation, brauchte Führung. Weil er eben nicht im Wesen des Men¬
schen liegt, zumindest nicht in dem des reifen, sondern in dem des
verkümmerten. L. Hammermeyer, der ausgesprochen mit dem Tem¬
pel Salomos fühlt, meinte dazu:
„Was das Weiterleben des Ordens betrifft, so besteht kein Zweifel,
daß er spätestens 1786187 auf gehört hatte, als festgefügte, zentral ge¬
lenkte und expansive Organisation zu existieren : e ) Es wäre also
naiv, ihn für europaweite jakobinische Aktivität verantwortlich zu
machen. Was jedoch fortwirkte, und zwar m. E. in ungleich stärkerem
Maße als bisher angenommen, das war Weishaupts und Knigges Kon¬
zept eines radikal aufgeklärten, elitärkonspirativen Geheimbundes, der
von seinen Mitgliedern unbedingten Gehorsam forderte.
Hand in Hand damit geht eine bedeutsame und gleichfalls noch
längst nicht voll erkannte personale Kontinuität. Zahlreiche einstige
Illuminaten entfalteten nach 1789 eine rege Wirksamkeit, aber — und
das ist der entscheidende Punkt — nicht mehr als Mitglied des einsti¬
gen Ordens, sondern jetzt aus eigener Verantwortung und Entschei¬
dung: sei es als revolutionäre Jakobiner, als Anhänger einer liberalen
Konstitution oder auch als Helfer aufgeklärter Fürsten im Rahmen
der Napoleonischen Ordnung.“
Wenn man zwischen den Zeilen liest kann man sogar zustimmen.
„Weishaupts“ Geist
Selbstverständlich war der Weishaupt-Orden in Bayern als solcher
tot, und selbstverständlich waren weder er noch Knigge die eigent-
*) Und Bodes Fortsetzung des I. O.?
169
liehen Väter des Illuminatismus. Dieser blieb bis in die Neuzeit die
Propagandalehre der „Pyramide“, nicht etwa kleinkariert auf irgend¬
welche zeitgenössische Strömungen beschränkt, sondern, je nach Macht¬
lage, Staat und Persönlichkeit, großzügig, wenn nur die eine Welt
näher rückte. So gesehen ist es nicht falsch, Guiseppe Mazzini, A. Pike
und Karl Marx in die „Illuminatenverschwörung“ einzubeziehen und
auch die Revolutionen des 19. Jahrhunderts, ja auch die beiden Welt¬
kriege als Ausstrahlungen der „Pyramide“ zu betrachten. Man muß
nur den berühmten „roten Faden“ erkannt haben.
Der vorliegende Abriß einer der überstaatlichen Glaubensmächte
— als Frucht der religiösen und politischen Ideologie — ist nur ein
Spiegelbild logeninnerer Zielvorstellungen, und wohl kaum höchst¬
leuchtende Prahlerei. Dazu einige Aussagen:
„Höchst merkwürdig ist der Umstand , daß die politische oder
staatswissenschaftliche Lehre Weishaupts fast dieselbe unserer heutigen
Liberalen ist“ (F. Hurter 1840)
„Die Wiener Polizei , welche die Logen seit dem Edikt Joseph II.
vom Jahre 1785 überwachte, hat die Situation innerhalb der Frei¬
maurerei um 1790 treffend beurteilt, ln den Akten des Polizeiministers
Graf Per gen befindet sich ein zeitgenössisches Gutachten, das den Illu¬
minatismus als das neue wirkungsvolle Prinzip der Freimaurerei be-
zeichnete. Am Ende des 18. Jahrhunderts hätten es zuerst die Rosen¬
kreuzer und danach die Illuminaten versucht, sich zu den geheimen
Oberen der gesamten Freimaurerei aufzuwerfen. Von den Logen aus
hätte sich das zerstörende Gift des Illuminatismus in alle Volksklassen
ausgebreitet. ,Ich übergehe hier die Grundsätze, Absichten und Lehren
derselben . . . nur glaube ich dabey die Bemerkung machen zu müssen:
daß nach dem gewöhnlichen Gange der Dinge zu urtheilen, am Ende,
und zwar in nicht gar langer Zeit die Illuminaten überall allein herr¬
schen, und alle übrige Maurerei, den größten Teil der Rosenkreutzer
selbst nicht ausgenommen, an sich gezogen haben werden. Der Grund
davon liegt darin: daß die Lehren der Illuminaten sehr faßlich für den
größeren Haufen anlockend, und für alles, was unter den Namen von
Aufklärung und Freyheit für Irreligion, Freygeisterei und Zügellosig¬
keit nur den mindestens Hang hat, im höchsten Grade reitzend sind7
Der unbekannte Verfasser dieses Gutachtens hatte einen geradezu
prophetischen Blick. Er sah voraus, daß der Illuminatismus nach dem
Unter gange des Templertums und der Rosenkreuzerei zum richtung-
170
gebenden Faktor der modernen Freimaurerei werden würde. Seine
Prophezeiung ging leider in Erfüllung. Im Jahre 1848 jubelte die füh¬
rende Freimaurer Zeitschrift ,Latomia c darüber, daß die Ideen des
Illuminatismus, die Weishaupt, Dittfurth, Bode u. a. Koriphäen (an
der Spitze stehende) des 1.0. verkündeten, in der Revolution von 1848
schließlich doch zum Ideengut der gesamten deutschen Freimaurerei,
ja zum Ideengut des gesamten deutschen Volkes geworden seien, wie
es ihre Propagandisten 50 Jahre zuvor vorhießen hattenV
Der Frankfurter Stadtpfarrer Friedrich, der diese Worte in der Na¬
tionalversammlung in der Paulskirche sprach, führte schließlich, zum
Erweis der Übereinstimmung von I.O. und freimaurerischer National¬
versammlung, noch den Priestergrad des Ordens an:
„Die Mittel, um dereinst die Erlösung des Menschengeschlechts zu
bewirken, sind geheime Weisheitsschulen. Diese waren zu allen Zeiten,
seit dem grauen Alterthume die Archive der Natur und der menschli¬
chen Rechte; durch sie wird der Mensch von seinem Falle sich erholen;
Fürsten und Völker werden ohne Gewalthätigkeit von der Erde ver¬
schwinden; das ganze Menschengeschlecht wird dereinst Eine Familie
und die Welt der Aufenthalt der nur nach dem ewigen Gesetzen der
Vernunft handelnden Menschen werden.“
Er erklärte ferner, der Körper des I.O. hätte zwar zerschlagen wer¬
den können, nicht aber sein „Geist“, der ewig fortfahren werde und
zutiefst im Menschen verankert sein soll. (Roßberg)
Richtig! Der Präsident der Polizeihofstelle, Graf Josef Sedlnitzky,
mußte noch 1821 seinem Kaiser Franz II. melden,
„daß die orthodoxe Freimaurerei nur drei, höchstens sechs Grade in
den Dogmen und Mysterien zählet, daß schon der siebente Grad als
eine bestimmt mit politischen Zwecken sich befassende Arbeit, sohin
als eine Arbeit von den orthodoxen Freimaurern betrachtet wird, und
daß man den 8. Grad der neuen Freimaurerei beinahe identisch mit
dem sogenannten Priestergrad der Illuminaten nehmen kann, dessen
antireligiöse und staatsverderbliche Instruktion die Karbonari sich zum
Modell ihrer Lehrsätze genommen haben.“
Ja, N. Webster (1924) belegt sogar, daß die Illuminaten nie auf ge¬
hört haben zu arbeiten, auch nicht Weishaupt, nämlich in der free-
masonry und vor allem in der „Deutschen Union“ K. F. Bahrdts. In
Wahrheit ist der Illuminatismus weniger ein Orden als ein System,
das unter den unterschiedlichsten Bezeichnungen wirken kann. Die
171
Schüler des Spartacus, des „Patriarchen der Jakobiner“, eroberten auch
die Logen in Frankreich. Kardinal Caprara, der apostolische Nuntius
in Wien, mußte seinem Papst jedenfalls schon 1787 melden, daß die
verschiedenen Sekten der Illuminierten, Perfektibilisten und Freimau¬
rer wachsen würden:
„Die Gefahr wächst , weil aus all diesen törichten Träumen eine
schreckliche Wirklichkeit erwachsen wird. Schwärmer haben ihre Zeit;
die Revolution, die sie ankündigen, wird ebenfalls ihre Zeit haben.“
(Schluß folgt)
21Hcö jum ,23efteti bet 21?enfrf)l)eü'?
Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
XXIII. Illuminatismus
Von Dieter Wächter (Schluß)
Die Engländerin Nesta H. Webster, die sich gründlich mit der Re¬
volution von 1789 und ebenso mit den geheimen Männerbünden be¬
schäftigt hatte, bezeichnete 1924 den Illuminatismus als ungeheuer be¬
deutsam, weil ohne seine Kenntnis die modernen revolutionären Be¬
wegungen nicht verstanden werden könnten. Für sie war er ein voll-
211
ständig neuer Weg in der Geschichte der europäischen Geheimgesell¬
schaften. Beispielsweise habe die Loge Amis Reunis unter dem enor¬
men Einfluß der Illuminaten sehr rasch einen Wandel zur Demagogie
und Revolution vollzogen. Ja, sie behauptete, das Programm der fran¬
zösischen Nationalversammlung von 1789 sei weitgehend in einer deut¬
schen Freimaurerloge entwickelt worden, und zwar im Jahre 1776. Sie
beruft sich auf Lombard de Langres („Histoire des Jacobins“, 1820),
nach dem der Grand Orient von Paris 1789 2000 Logen mit mehr als
100 000 Mitgliedern gezählt hat.
„Die ersten Ereignisse von 1789 waren nur Freimaurerei in Aktion.
Alle revolutionären V er ander ungen durch die konstituierende Ver¬
sammlung wurden durch den 3. Grad eingeführt. Zu dieser Klasse
gehören der Herzog von Orleans , Valence, Sylery , Laclos , Sieyes, Pe-
tion , Menou , Biron , Montesquieu , Fauchet , Condorcet, Lafayette, Mi¬
rabeau, Garat, Rabaud , Dubois-Crance, Thiebaud, Larochefoucauld
und andere
Eine Flugschrift von 1791, Mysteres de la Conspiration, scheint in
der Tat Websters Angabe zu bestätigen: Der Plan der Illuminatenfrei-
maurerei enthielt nichts geringeres als die Weltrevolution. In dem Do¬
kument heißt es:
Wir müssen alle Ordnung Umstürzen, unterdrücken alle Gesetze, alle
Macht aufheben und das Volk in der Anarchie lassen. Die Gesetze,
die wir geben, werden vielleicht nicht sofort gültig werden, doch, wenn
sie dem Volke die Macht errungen haben, werden sie auf jeden Fall
der Freiheit wegen widerstehen, welche sie zu sichern hoffen. Wir müs¬
sen seiner Eitelkeit und seinen Hoffnungen schmeicheln und ihm das
Glück versprechen, so bald unsere Arbeit erfüllt ist. Wir müssen uns
aber auch seinen Launen und seinen Einrichtungen nach Belieben ent¬
ziehen, weil das Volk als Gesetzgeber sehr gefährlich ist, weil es nur
Gesetze erlassen wird, die seinen Leidenschaften entsprechen, und weil
seine Unwissenheit nur den Mißbrauch begünstigen würde. Aber da
das Volk ein Hebel ist, der die Gesetzgeber zwingen kann, müssen
wir es notwendigerweise als Hilfe benützen. Wir müssen ihm voller
Haß alles übergeben, was wir zerstören wollen und es durch Illusio¬
nen verführen. Wir müssen ebenfalls alle Schriftsteller kaufen, die
unsere Verfahren propagieren und die das Volk von den Feinden un¬
terrichten, die wir angreifen. Die Geistlichkeit, die stärkste Macht für
die öffentliche Meinungsbildung, kann nur vernichtet werden durch
212
Verspottung ihrer Religion. Schließlich müssen zu jeder Zeit Schriften
den Haß gegen die Klerikalen schüren und auf ihren Reichtum ver¬
weisen. In Zeiten der Revolution sind Verleumdungen, Unglaube,
Kirchenschändigungen durchaus erlaubte Mittel. Auch müssen wir den
Adel verhöhnen und seinen Besitz zerstören und verbrennen.
Wohlgemerkt, und das geht klar aus den Quellen hervor, nicht um
die Demokratie — also die Befreiung der Völker — ging es den Ge¬
weihten. Sie war ihnen zu allen Zeiten nur Mittel zur Macht.
Hinter den Kulissen arbeitete Spartacus-Weishaupt als „wichtigster
Synchronisator“ weiter, geschützt durch einen Fürsten, der ebenfalls
gestürzt werden sollte. Der Briefwechsel Pyrons vom Grand Orient
von Italien mit dem Marquis de Chefdebien von 1808/09 bestätigt
einwandfrei seine maurerische Tätigkeit, und auch nach 1813 beschrieb
man die Arbeit des Illuminatismus. Schließlich befruchtete dieser die
sozialistischen Freidenker wie Louis Blanc, Sozialisten und Freimaurer
wie George Sand und auch Bakunin, der als Schüler Weishaupts gilt.
Für Webster standen hinter dem Kommunismus ebenfalls die Gehei¬
men Gesellschaften. Sie schloß ihre Abhandlung über die bayerischen
Illuminaten mit einem Wort des Sprechers des „Obersten Rates“ des
Alten und Angenommenen Schottischen Ritus, Malapert, von 1874:
„Im 18. Jahrhundert war die Freimaurerei so weit über die Welt
verbreitet, daß man sagen darf, seitdem konnte nichts ohne ihre Zu¬
stimmung geschehen“
Und heute?
Auf Namen ist es der „Pyramide“ noch nie angekommen. Doch alle
ihre „Bausteine“ betrachten sich als Geweihte-Eleuchtete, also als Illu¬
minierte. Der „Geist“ des I.O. lebte weiter, darin sind sich Freund und
Feind einig. Das aber heißt, daß die Illuminaten-Freimaurerei auch in
der Gegenwart wirkt. Geht man von den „Früchten“ aus: Paneuropa,
One World, Entwicklungspolitik, Gastarbeiterpolitik, Weltwirtschaft,
Entsittlichung, Familienzerstörung und der internationalen Hochfinanz
sowie den zahllosen Zirkel und der „hohen“ Politik der beiden Welt¬
mächte, dann weiß man, der Glaube, den einst der Ingolstädter Hoch¬
schullehrer mit dem Freiherrn von Knigge verbreitete, lebt tatsächlich
weiter.
Die Geschichte des I.O. ist somit auch ein Schlüssel für unsere Zeit.
Was man vor rund 200 Jahren dachte und plante, hat sich nun in vie-
213
lern, wenn auch nicht in allem erfüllt. Die „Pyramide“, Symbol der
der mosaischen Geheimreligion, genannt Hochgradfreimaurerei, nutzte
rücksichtlos alle Stärken und Schwächen der Menschen und Völker aus,
allein um zu ihrem Ziel zu kommen. Auch die Demokratie als Herr¬
schaft des eigenen Volkes durch und für das eigene Volk wurde durch
diesen I.O. mißbraucht. Wer keine Völker kennt, kann nicht wahre
Demokratie verkörpern. Dasselbe gilt für Freiheit, Gerechtigkeit und
Aufklärung. Anonyme, im Hintergrund wirkende Geheimkräfte ma¬
chen Volkswahlen, Volksvertretungen und Verfassungen zu Hohn und
Spott. Eine Wahrheit, der sich niemand entziehen kann.
Die Geschichte kann und soll auch nicht zurückgedreht werden. Es
geht allein um die Zukunft. Wir wissen, zahlreiche uneingeweihte Ge¬
weihte förderten dank ihres eigenen Freiheitswillens auch die wahren
Freiheits- und Volksrechte. Es geht auch nicht gegen den Freimaurer,
es geht gegen d i e Freimaurerei, ihren „Geist“, ihr Weltbild als Ge¬
fahr für Freiheit und eigene Kultur. Allein die sittliche Aufklärung
über das Geheimbundwesen — vor allem das über den Johannisgra¬
den — wird diese Bedrohung des Lebens beseitigen. In Freiheit und
durch Freiheit und Hand in Hand mit der Gotterkenntnis.
Die Denkschrift eines Ex-Illuminaten, des Hofkammerrates Pro¬
fessor Joseph Utzschneider (1763—1840), von der bayerischen Her¬
zogin einst dem Kurfürsten Karl Theodor überreicht, mag diesen ge¬
schichtlichen Abriß über den I.O. beschließen:
„Wehe der Regierung, wehe der Nation, welche einer so schreck¬
lichen Unvorsichtigkeit fähig wäre, sich selbst Schlangen in ihrem Bu¬
sen zu setzen, die geheime Vormundschaft über sich zu erkennen, ge¬
heime Tyrannei zu autorisieren, Untertanen zu Sklaven, Fürsten zu
Phantomen zu machen.
Wehe der Nation, bei der durch eine solche Sitteninquisition in den
Händen der geheimen Gesellschaft die Bande der Freundschaft und
der Familien zerrissen, öffentlich Mißtrauen allgemein und notwendig
gemacht, Spionage und Verräterei legalisiert, Fürsten von Untertanen,
Untertanen von Fürsten getrennt wären.
Wehe der Nation, bei der sogar die Begriffe von Freundschaft, von
Vaterlands- und Fürstenliebe ausgerottet, Zurückhaltung und Heu¬
chelei unentbehrlich gemacht, alle Geradheit, Freimütigkeit und Offen¬
herzigkeit auf ewig verbannt, der Nationalcharakter in eine nieder¬
trächtige Kriecherei vot einer allgewaltigen Kommission verwandelt
214
und alles der Willkür einer geheimen Gesellschaft von wohlgeübten ,
in der strengsten Zucht geführten , von einem einzigen unbekannten
Despoten dirigierten Intrigueurs unterworfen wäre “
Die „Pyramide“, an der der 1.0. „eyfrig“ baute und baut*)
Nachtrag
Des Griffin 1980 behauptet wie früher französische Verfasser, daß
Adam Weishaupt Jude gewesen und später zum Katholizismus über¬
getreten wäre. Die Auszüge aus den Taufeinträgen besagen jedoch, daß
der Vater am 24. 4. 1717 und der Sohn am 6. 2. 1748 römisch-katho¬
lisch getauft worden ist. Auch N. Webster konnte keine Belege dafür
finden, daß Spartacus mosaischen Glaubens gewesen ist.
*) Auf dem Ehrenmal der USA in Saint-Laurent-sur Mer findet sich ein dem
„llluminaten-Symbol“ nachgebildetes Dreieck mit dem „Gottes-Auge“ in der Spitze,
gekrönt mit den „heiligen“ 3 Punkten und dem „Annuit Coeptis“ (Unser Unter¬
nehmen ist erfolgreich). Statt 1776 schrieb man 1939—1945 über die „Neue Welt¬
ordnung“ — Novus Ordo Seclorum. Der 2. Weltkrieg in der „Bruderkette“ der
. •. Bausteine!
215
B 4157 DX
iflentcf) unö jWa|
DRÄNGENDE LEBENSFRAGEN IN NEUER SICHT
. . eine unbegreifliche Erscheinung der Gottheit”
Zum 300. Geburtstag Joh. Seb. Bachs / Von Edith Stahl 193
Selbstverwirklichung und Selbstschöpfung
Von Hans Kopp 205
Alles zum „Besten der Menschheit” ?
Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts
XXIII. Illuminatismus (Schluß) / Von Dieter Wächter 211
Zum Zeitgeschehen 216
Ronald Reagans „Revolution der Hoffnung“ (216) / Wer soll
das bezahlen...? (217) / Was strategische Stabilität bedeutet
(218) / Moskau und seine Satelliten (220) / Keine Agrarhilfe
für Polen (221) / Angola (221) / Aufgespießt: Die (Geld)katze
läßt das Mausen nicht (222) / Grüne „Kernforderungen“ (222)
/ Paneuropa-Ungemadi (223) / Bonn (224) / „Schlesien bleibt
unser“ (226) / Ausland (227)/Rom (228)/Vor 50 Jahren (230)
Umschau 230
Religiöser „Rassismus“ in den USA (230) / Christliche „Rassen¬
diskriminierung“ (232) / Die Geschäfte des italienischen Sicher¬
heitsdienstes (233) / Streiflichter (235) / Wolfgang Hammel:
Die Ostpolitik Joh. Pauls II. (236) / Erich Schwinge: Bilanz der
Kriegsgeneration (238)
Literaturhinweise
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2BeKtmft#te
(Ettte 2U>j)attMung
über bte „innere SKegicrting"
ber Seit
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Einleitung: Der 3ube — eine IDeltgefafyr?
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!♦ Des 3u6en Aberglaube uttb „fromme" pflt<$tett
Des 3uben Aberglaube unb unfer Abroe^rfampf
Der 3ube gepeitfcfyt burd? 3 a fyr > eB}s Find} . .
Die jübifdie Seele ..........
Der Kabbalaljaberglaube bes 3 u ^en ♦ * ♦ ♦
Ein Sd]äd]tgefe^ ber Kabbalal} ......
Des 3nben Seelenbilb in feiner Sprache . ♦ .
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A) Die Freimaurer
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3uba, ein fanatifcfyes pnefternolf ...... Al» 1. 53
Die Freimaurer finb ?ünftlid}e 3 u ^en ..... E.l. 59
Das Einfangen ber <5rof$en in bie logen . . . ULI. 72
Dtc Abridtfung 3 um fünftlicfyen 3uben ..... E. £. 83
Die Scbeinfämpfe bes 3 u ^en unb feine Kampffc^aren UL C. 9$
Das (Seljeimnis ber Freimaurerei — bie Befcfynei* •
bungt / Freimaurer*Sd]ur 3 unb fvmbolifdie Be*
fdjnetbung. ........<
Die Unmoral bes jiibifcben Bituals ber Freimaurer*
logen .............. ULI. J03
Die fjocbgrabbriiber als bemühte 3ubenbiener . . E. £. 12%
Der Satanismus ber fjodigrabbrüber ..... ULI. \33
E.C. 9?
B) Die £ r i f t e n
Die Eefafyren bes Cljriftentums als Frembglauben,
- ©Ifultmatjn unb 3 u ^enlefyre ....... Ul. 1. \\2
Die Cljriften finb fünftlidje 3uben . . . . . . E. 1.
Die d}riftlid]en Kirchen im bjilfbienft für 3ubas vöU
fifdje ^tcle ............ ZH.£.
Babbiner unb priefter in „getftlidjer Brubergemeim
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Dev Cfyrift als gelähmter Zlntifemit 2Tt. C,
Der papft unb ber bjofyepriefter ....... <£. C.
Der (SnabenftuBjI 3aEjn?etjs.£. £.
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3ubengeftänbnis: Dölferjerftörung burd? Cfyriftentum €. £.
ZDie bie Cljriften 3ubas Schafe mürben .... ZTT. £.
Der „(ßottesbegriff": 3afy*>efy.. <£.£.
Die jübifcf^c ZTToral gestaltet bie (Sefdiicfye berDÖlfer ZTT. £.
Das Unheil ber Säuglingstaufe unb ifyr jübijdjer 5inrt <£. £.
Der Sinn ber djriftltdien Daufe ....... ZIT. £.
Die 3 u kenblütig?eit 3 e f u — eine (Srunblage ber
Cfyriftenleljre ............ <£. £.
Das „Daterunfer", ber Cfyriften ^eiliges (Sebet, bas
Kabbi[d]gebet ber 3 u ^en ........ ZTT. £.
ZDeibesäcfytung ber priefterfaften ...... ZTi. £.
Der 3**be paulus unb bie 5r<*u ...... €.£.
Dom „oerjeifylidjen Betrüge" ....... <£. £.
Das alte Ceftament — ein junges Bud} . . . . ZTT. £.
Das „fabrijierte" neue Deftament ...... <£. £.
Zlrtfremb unb arteigen .......... ZTT. £.
Des Dolfes Sdiidfal in d}riftlid]en Bilbmerfen . . €.£.
3ubentum unb Ctjriftentum ein (5egen[afe? . . . ZTT. C.
*52
*56
m
*7*
*77
*79
*83
*89
m
20^
2*6
220
229
237
2^*3
2^7
252
25^
270
2S7
292
30*
3. Der 3ube erfüllt bie Politiken unb mirifdjaftlic^cn frommen pfli^tcn
Zl)3übijd] fromme politi?
Der 5elbB|err enthüllt bas politifcfye Treiben ber jübi*
fcfyen Kampffcfyaren .........
. zn.£.
3**
<£in ZTationalfeiertag ju <£fyren 3 a ^ ß> eljs ♦ *
. €.£.
3*«
Der 3ubenflud] bes Kaufes Bomanom unb eine
„monard]ifd 7 =mationale" Leitung .....
. ZIT. £.
3*7
Cannenberg ............
. <2. £.
32*
3mmer ber gleiche Dolfsbetrug..
. ZTT. £.
325
Deutfdjlanb als Sünbenbod .......
. <2. £.
328
Das Zluto ber jübifcfyen Konfeffionen ....
. ZTT. £.
332
Seljt bie Sd}lad?tfd}afe.. .
. <£.£.
336
Über jübifd?e ZDeltmacbt uttb bas „pro^paläftina*
Komitee" . ....€. £. 3^0
Die 3ubert^errfd]aft im f8. 3<*Wunbert unb fyeute
nur ein pro*paIäftina*=Komitee! ...... ZTT. £. 3^
Der 3wbenftaat paläftina nad? Deutfdjen Sieben . £. £. 3^6
ZDas min ber 3ube mit paläftina? — Ztus einer
bebräifcfyen (Sefyeimfcbrift.. ZTT. £. 352
^)3übtfdj fromme tDtrtfdjaftlidje Kusraubung
Das €nteignen eine „fc^mere Zlrbeit" .
Der arbeitenbe ZTCenfcf) in ber ZDirtfdjaft
5reie ZDirtfcfyaft ........
<^ur Befreiung ber fcfyaffenben Deutfd?en
ZDeg mit (ßolbmäbrung unb Börfe . .
ZTI.£. 360
<£.£. 373
<£.£. 38f
£.£. 389
€.£. 39 ^
4. Über Jübifcfye Katnpfesmetfe unb mtrffame Zlbmeljr
Ztnfere Kampfesmeife .......... ITT. £. ^05
Die „ZTIonbnatur" auf ber DreEjfdieibe.ZH. £. ^07
3m Kampf gegen 3 u ^ a ......... <£. £. ^3
3ft ber 3nbe nur ein parafit? . . . . . . . ZTT.£. ^\7
Zlntifemitismus gegen Ztntigojismus.<£. £. ^2f
Sinnvoller TIbmefyrfampf gegen bie 3 u ben . . . ZTT. £. ^28
Der 3*^ unb bieDeutfcfye // £ctd 7 tgtäubigfeit // gegen*
über jübifdjen Kampfesmeifen . . . . <£. u. ZIT. £. ^32
Dom unfidtfbaren bjafenfreus ..€. £. ^3^
Die gefpaltene Kriegsfü^rung bes 3^ben ... €. £. ^38
Durd] 5e!ten!ämpfe 3 um Siege über freie Dölfer . ZTT. £. ^2
Sd)lu§: 5reifyeit ober Kollektiv? ........
X>er 3 eid}nis ber dErftoeröffentlid}ungen ber ein 3 elnen Zluffä&e
€.£.
^6
^53
ifyc HJecf und Äfen
#etau$gegeben bon
(Benttal Iluöenöorff
gegeben
bon iljm unb anberen Mitarbeitern
£)ie ^eberseidjnungen
ftammen auö ber #anb bon
£ina Siebter, geb.Öpiefc
Uuöetiöorfftf beclag ffiünrfjen
Jünfjaltönngafre:
£>et ©inn biefeS SBerfeS* S3on ©enerat ©titb Hubenbocff —
öem Heben:
1. 2Iu$ bem Heben mit meinet ©djtbefter. 23on ff rau ffrieba ©tahl
geb. ©pieß.
2. Sttuttet unb Jtinbet. S3on Öngebotg ffceifrau itarg bon 23eben~
bürg, #anno unb 2I$fo bon ßemnih.
3. 211$ Hebend- unb ilampfgefähttin. SBon ©enerat ©rieh Huben-
botff.-.
# 1 $ Wz#:
4. ÜUtatfjtlbe Hubenbocff als 2It3tin unb ihre ©ebeutung als 2Itst.
S5on Dr. med. ßart fjfriebrith ©erftenberg.
5. heilig fei bie 2JMnne. 23on fftau Sfteftotin SJlargacete SRofifat..
Qü$ Htorfämpferin für ftyr <&eftf|letf}t:
6. X>te grau im öffentlichen Heben bon 33oIf unb ©taat. Son fftau
3lfe SBenhel .
7. 2Me 9JUttterfchaft unb ibt ©rsiehetamt. 23on ffrau ffriebetife
©mmctich .
Kämpfet gegen öte uberpantlirffen Worfle:
8* 2lbtoehrfampf gegen bie geheimen öbecftaatlichen Mächte. 93on
ffcäutein m 3tefe.
6eftt
9. Slbtoebtlampf gegen ble Cljdftenrefjre. 93on Slubolf ©cbmlbt .. 154
10. SIbtoebrtampf gegen ben DftultlSmuS. S3on Hermann SRebtoalbt 172
köpfet ©eutfetyer (BoiterfcnnlmS:
11. ©Ie ^^Hofop^le auf bem SBege guc €tfenntnlS. 93on SBaltet
fiß^be. 188
12. ©et göttliche 01nn be$ SftenfcbenlefcenS. S3on Sleftorln gtau
SRargatete Stoflfat . 200
13. ©a$ SBetben beS SBeltaHS unb bet Sftenfdjenfeele. Sion ©e-
netal ßtlcb fiubenbotff. 216
14. ©a$ SBefen bet ©eele. Sion Sterbenatgt Dr. med. ©eotg Stocboto 235
15. SBefen unb Siele bet ©tslefjung nach bet „$l)llofopljle bet €t-
Siebung". 93on Hegtet ©tnft #aucf.253
16. „©le ^P^llofop^le bet ©efcblcbte" als ©tunblage bet €tbaltung
unftetblltbet 93ol!er. Sion ©tublentat #an$ glncf. 272
17. SBefen unb Sftadjt bet ilultut nach bem „©ottlleb bet 93ßlfer".
S3on Kapitän Sllfteb ©tofj. 292
18. ©et 6d)öpfetln ber ©eutfdjen ©otterfenntnlS — ein ©ebldjt. Sion
üebtet ©tnft #autf. 311
Sftatbllbe ßubenborff Im SBet! unb SBlrfen. 23on ©enetal ©rieb
fiubenbotff . 313
Anlagen:
Slbnentafel bon gtau Dr. Sftatbilbe Äubenbotff
3Bet!e unb Ödjtlften bon grau Dr. Sftatbltbe fiubenbotff
Sluffä^e bon grau Dr. SKatbllbe fiubenbotff
jfeftfcfjnft
?um ad)t?(gften (gebuttjstage
Jftatfnltie Hutientorfftf
aus bem Kretfe ifjrcr tHitarbeiter
^erauagegeben vom 23unb für «SotterFcnntnis (£) in 'Cutjtng
Verlag f^oiie 3$arte • jfran$ b* Bebenfmrg
X) o r w o r t. 9
3Dr. tTTatf>ilbc üubenborff t>or ber SprucfyFammer
X>on Wilhelm protf?mann. jj
tttatt)ilbe £ubenborff unb bie überflaatticfyen XU äcfyte
X>on tDalter üöt)be. ?)
pt>ilofopl?ifdje 23egrünbung ber Jreil)eit
burcf) Dmmanuel Kant unb burcfy tttatl)ilbe Äubenborff
X>on 2Dr. igbmunb Keinf?arb.6?
2Die gegenwärtige Krife ber XTaturtmflfenfdjaften
unb if>re überminbung burd) bte pbiIofopi?ie
X>on tDityetm Kna^e .. 88
(Botterfenntnis unb terjie^ung
X>on 2?r. XPerner preiftnger. 147
XPeltanfcfyauung unb tDirtfdjaft
X>on iEbertyarb 23ei£menger.. . )06
X>ol?8fd)öpfung im Sinne (£vid) ^ubenborffs —
(Brunblage ber (Einheit £>eutfd)ianb8
Pon XPalter £eon.. . . . )9?
(Botterfenntnis im Kecfytsleben
X>on 2Dr. Kubolf Sanb .
207
(blutig freie 3)euifd>e!
®ie ffänbtge Äantpfamffe ßubenborffs tff feine < 2Bocf)enfcf)riff:
2)eutfd)e 2Bocf)enfcf)au
Q3öihifd)c gclöpoff
«Berlin SW 68, 3immerffrafee 7
3Jo3ugsprets monaflid) i SHarh / ©urcf) bie paff ju belieben
3ebe QBoctje erfefjeint in tiefer QBoc^enfctrift als Srgänjung ber Schriften bes
©enerals ßubenborff neue unb roeitere rmcbtigfte fiampfaufklärung über bie 'Üer*
brechen ber überstaatlichen 1 3I2ä(f)te in Hergangenfteit unb ©egerruwrt, bie 3 U aer»
breiten, nor allem für bas ©eutfebe ‘Bolft, aber auch für alle Volker ber Srbe iebens«
notroenbig ifl. 2 lber barüber hinaus toirb in ber ©euffaen ©od)enfcbau bem
©eulfeben ^olke unb allen‘Sölkern ber Srbe ber ©eg pt 9irterl)altung unb fjeei«
heil unb bie feböpferifebe ©ejtaltung einer lebenbigen, toehrtnilligen 'ilolkseinbeit
unb ber fie unb ihre politifche, kulturelle unb tbirlfchafllithe öelbflänbigkeit ficbernben
6taat5fDrm gegeigt.
©ureb bie Uluffäfte bes graften Selbberrn unb Befreiers oon ben überflaallichen
©ächten ©eneral ßubenborff unb ber grofteu «Philofaphin Dr. ©athilbe ßubenborff
(non Semnift) hat bie ©oebenfebrift tMlgefd)icbllid)e l 23ebeutung unb ö;e oerfloffenen
3 aftrgänge finb h ei| t e fthon gefugte, f)oci)beroertele ©ahumente.
©ieScftriflleitung ber©eutjchen ©oebenfebau.
3efcer £)eutföc lieft bie SSSoifyenftfyöu!"
Der Feldherr Erich Ludendorff und seine Frau Dr. Mathilde Ludendorff
schrieben in den Jahren 1926 bis zum April 1929 Beiträge für die
„Deutsche Wochenschau“. Ab Mai 1929 bis zum Verbot durch die
Nationalsozialisten im Jahre 1933 veröffentlichten beide ihre Beiträge in
der Wochenschrift „Ludendorffs Volkswarte“ und deren Beilage
„Vor’m Volksgericht“. Ab 1933 bis 1939 schrieben beide in „Am
Heiligen Quell Deutscher Kraft — Ludendorffs
Halbmonatsschrift“. Digitalisiert als Leseproben jeweils im Internet
unter www.archive.org . www.scribd.com oder anderer Quellen erhältlich.
Ansonsten digitalisiert im PDF-Format zu beziehen beim Verlag Hohe
Warte f www.hohewarte.de . E-mail: vertrieb@hohewarte.del oder unter
www.booklooker.de.
mit ben Beilagen „Bas pbaffenbe Bolf", „®as roebrbafte Bell", „Bie ©ippe",
„Sie Baft" unb „Borm 3}olfsgetid)t" erfcfjetnt altroöctjenüicf) in SRfind&en. Söejugs-
picis 0.86 B3JI. burcb bie Boft 1.15 B5ÜR. bur<b ©treifbanb, in Beutfcböfterrei<b 1.40 @.
(Sie i'ff 5aä 5tampff>latf
für bie Befreiung aus bem »erftlapenben, fapjfaUffifcben, foataltpiftben unb
d^rtfflidf>en Sinang, ausgeübt burd) 2Birtfcbaft, ©taat unb Äirdjen;
gegen jebe bolfcbe»tflifdje, fc[d)iftifcf>e ober pfäffifd» Biftafur, Enteignung bes
Bepfaes unb Baub bes Brbeitetfcages;
gegen bie Ausbeuter bes Balles: bie überffaatticbcn 3Bä<bte, bie Bkltfinanaiers,-
guben, gefuiten, gmntaurer unb [onftige ©ebeintorben;
gegen ben Berfailler Bertrag unb jebe ErfüthingpaMl, aber auch gegen iebe
Bünbmspaltfif, bie geeignet ift, bas Beutf^e Bol! in einen neuen 9Belt-
frieg au treiben;
für bie Äampfaiele Subenborffs, für Einheit oon Blut, ©tauben, Äultur unb
Blirtfcbaft unb für bie greibeit unb bie SBoblfabt! aller Beutfcben;
für Bufflärung bes Bolles über brobenben Ärieg.
deftigen Duett / 2Honafäfd?nft für öaä ©euffdjooff
Btefe geitjdfirift bebanbelt gragen aller ©ebiete, auf benen uns in gabrbun-
berten Beutfcbes ©ut genommen würbe, gur gormung Seufzer BSelt-
anpbauung unb Beulfeber ©otferlenntnis als ©runblage jeber Sebensouperung
»erben befoitbers Ausführungen über Baffenerbgut, SBoral bes Sehens, übet
bie Äunff, bas ©ittengefefe, Erjiebung, Sehens geflaftung unb Bolfserbaltung
beitragen, gür Septer unb Erjieber ein Büpjeug aut |>eranbilbung ber fjugenb.
Breis oierteljabrlicb burtb bie B*>P • < • 1-20 B3SL
Breis oierteljäbrKcb bur<b ©treifbanb . . L50 BS9t
Bre*s »ierteljäbrii<b für ©eutpböfterreüb • 2 6 50 ©.
Sinjelpreis 0.55 BSR., für Beutfeböflerreieb 1 ®.
Deutle Jugend / 23f6'tter oom fd?opfnfd?en leben
Emaelbejug 15 Bfv gabresbejug 1.80 BBt
Boppbedfonto: Boftfcbedaml Berlin Br. 162962, gtife f>ugo §offirmnn,
granlfurt a. b. Ober, Äiesberg 69.
£ttfcttftorffc ^ottöunute Vertag ttuK &♦
IRütidjen 2 3iJB, SSarlffrafte 10 / Fernruf 53802
Püflfdjedffouto: 3Wönd?en 3407, 5Bien 0129986
Die kompletten Jahrgänge der Wochenzeitung „Ludendorffs Volkswarte“
von 1929 bis 1933 sind in digitalisierter Form auf Datenträger im Verlag
Hohe Warte erhältlich. Im Internet unter www.hohewarte.de . E-Mail:
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verschiedenen Ausgaben sind unter www.archive.org oder www.scribd.com
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beschäftigt kommt an diesen Veröffentlichungen herum. Ein Fundus an
wertvollen Informationen das seinesgleichen sucht. Hochkarätige
Geschichtszeugnisse.
2M t, bie fobiel toon „Sfufetftebung" fd|toä$en,
bie ftentmen fM>, foUmg '« trat gebt#
mit nHet Statut bagegen in ©ntfefeen,
taenn toirflidj einmal jjemanb auferftebH
Sin frag jßojtiiwt frt$ neuen Sesiefretg
t$d) beftette bSermit bei bet ©oft bie jJalb-Monatäfcfjrijt
9lm fertigen QueU £>eutfcf)er Äcaft
(fsfdjdm ftodmol Im SJlonot tn ÜBlöndfjen)
ab Monat.bi« auf ©»betruf,
monatüdj -.60 0t2R. (jujüglidj 4 ©fg. Sufteßgelb) unb bitte, ben
Betrag einjfeben |u (affen.
©or- unb guname: .
©etuf:.-..
SBoIjnort unb Gtrage: .
guftänbigeb ©oftamt:.
(ii CitH mh wlttni, Olr. K<
„Ludendorffs Halbmonatsschrift — Am Heiligen Quell Deutscher
Kraft“ der Jahre 1929 bis 1939 jetzt in digitalisierter Form (PDF-Dateien)
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mit vielen Beiträgen von Erich und Mathilde Ludendorff
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Am Heiligen Quell deutscher Kraft
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über das Spruchkammerverfahren gegen Frau Dr. Mathilde Ludendorff
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vor den Verwaltungsgerichten über die Verbotsverfügung der Innenminister der
deutschen Länder gegen Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) und Verlag Hohe
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Zusammenstellungen von Matthias Köpke (Stand: Juni/2018)
als e-Bücher (PDF-Dateien) kostenlos im Internet unter
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1. „Das wahre Gesicht von Jakob dem Betrüger“, 2013.
2. „Das Buch der Kriege Jahwehs“, 2013.
3. „Kampf für Wahlenthaltung“, 2013.
4. „Kampfgift Alkohol“, 2013.
5. „Der Freiheitskampf des Hauses Ludendorff“, 2014.
6. „Der Papst, oberster Gerichtsherr der BR Deutschland“, 2014.
7. „Der jüdische Sinn von Beschneidung und Taufe“, 2014.
8. „Scheinwerfer-Leuchten“, 2014.
9. „Haus Ludendorff und Wort Gottes“, 2014.
10. „Jahweh, Esausegen und Jakobs Joch“, 2014.
11. „Es war vor einhundert Jahren“, 2014.
12. „Destruction of Freemasonry through Revelation of their
Secrets“ von Erich Ludendorff; Hrsg, von Matthias Köpke, 2014.
13. „Schrifttumsverzeichnis von Erich Ludendorff und Dr. Mathilde
Ludendorff“ Eine Übersicht, 2014.
14. „Denkschrift: Mit brennender Sorge“, Offener Brief, 2015.
15. „Drei Irrtümer und ihre Folgen“, Okkultismus, 2015.
16. „Vom Wesen und Wirken des Bibelgottes Jahweh und seiner Kirche“, 2015
17. „Warum sind meine Kinder nicht geimpft?“, 2015.
18. „Erich Ludendorff. Eine Antwort auf Verleumdungen des Toten“,
19. „Die Hochflut des Okkultismus“, 2016.
20. „Meine Klage bei den Kirchen- und Rabbinergerichten“, 2016.
21. „Die Ludendorff-Bewegung und der Nationalsozialismus“, 2017.
22. „Das offene Tor - Der Esausegen und die überstaatlichen Mächte“, 2017.
23. „Mathilde Ludendorff. Eine Antwort auf Verleumdungen der Toten“, 2017.
24. „Der Pensionsprozeß Ludendorff — Eine Dokumentation“, 2018.
25. „Am Heiligen Quell — Beilage zur Ludendorffs Volkswarte 1929-1931“,
26. „Mathilde Ludendorffs Bedeutung für die Frauen“, 2017.
27. „Die Spaltung der Ost- und Westkirche“, 2017.
28. „Von ,Gott’ zu Gott - Das von Wahn überschattete Wort?“, 2017.
29. „Der geschichtliche’ und der biblische Jesus“, 2017.
30. „Das päpstliche Rom gegen das deutsche Reich“, 2017.
31. „Wahrheit oder Lug und List“, 2017.
32. „Die Weite der Weltdeutung Mathilde Ludendorffs“, 2017.
33. „Eine ,vollkommene’ Gesellschaftsordnung?“, 2017.
34. „Ludendorff und Hitler“, 2018.
35. „Vergleich einiger Rassenlehren“, 2018.
36. „Haben die 3 großen Weltreligionen etwas mit der Flüchtlingskrise zu tun?“
37. „Mathilde Ludendorffs Auseinandersetzung mit dem Okkultismus“, 2018.
38. „Die Mission des Rudolf Steiner“, 2018.
39. „Die Philosophin und der Feldherr“, 2018.
40. „Warum die Weltfreimaurerei Mathilde Ludendorff so ,liebt’“, 2018.
41. „Statt okkulter Priesterherrschaft - Gotterkenntnis“, 2018.
42. „Seelenabrichtung durch Magie und Kult“, 2018.
43. „Ist die Bibel ein jüdisches Geschichtsbuch?“, 2018.
44. „Wie wird das Werk Mathilde Ludendorffs im Lehen wirksam?“, 2018.
45. „Auf der Suche nach Sicherheit und Gewissheit“, 2018.
46. „Ludendorffsche Philosophie und Darwinismus“, 2018.
47. Wie frei ist der Mensch? — Gedanken über die Freiheit“, 2018.
48. „Mathilde Ludendorff und das Ende der Religionen“, 2018.
49. „Vom Denken in der griechischen Antike bis zur Gegenwart“, 2018.
50. „Die Gotterkenntnis Ludendorff als zeitgemäße Lösung der Volkserhaltung“, 2018.
51. „Mathilde Ludendorffs Loslösung vom Christentum und das Werden ihrer
Gotterkenntnis“, 2018.
52. „Die Bedeutung Mathilde Ludendorffs für die Welt“, 2018.
53. „Die ersten Blutopfer ,unserer Freiheit’“, 2018.
54. „Alles ,zum Besten der Menschheit’ — Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam
Weishaupts“, 2018.
55. „Wie und warum das Haus Ludendorff zum Gegner der Freimaurerei wurde“, 2018.
56. „Unser Marxismus — eine unserer Verirrungen“, 2018.
57. „Omnia instaurare in Christo - Alles in Christus erneuern“, 2018.
Besucht auch meinen Internetkanal bei Youtube:
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und schaut bei Videos und Playlists hinein.
Abhandlungen zu verschiedenen Themen welche in der
Zeitschrift „Mensch und Maß 66 , Verlag Hohe Warte,
erschienen sind. Zusammengestellt und neu veröffentlicht von
Matthias Köpke. Stand: Mai 2018.
1. 100 Jahre Marxismus in Deutschland; (Kurt Martens) 5 Teile
2. 300 Jahre europäischer Geschichte erfunden?; (Wolfram Zamack) 8 Teile
3. Admiral Wilhelm Canaris - ein Friedensfreund im Zwielicht; (Hugo Manfred Beer) 7 T.
4. Alles „zum Besten der Menschheit“ - Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam
Weishaupts; (Dieter Wächter) 23 Teile
5. Antiklerikales aus „fernen“ Zeiten; (Aus dem Briefwechsel Friedrich des Großen mit
Voltaire); 3 Teile
6. „Asien über Dir!“; Eine soziologische Kulturstudie zur europäischen und asiatischen
Mentalität; (Dr. Leonore Kühn);
7. Bedeutsame Dreigestirne: Schelling/Hölderlin/Hegel und Hegel/Marx/Lenin; (Bert
Wegener) 2 Teile
8. Berichte über Konzentrationslager; Vergleichende Betrachtung anhand der Schriften von
P. Rassinier und L. Niethammer u.a.; 4 Teile
9. Bittere Gedanken; Vom Verdrängen, „Schreibtischtätern“ und alleingelassener
Überzeugungstreue; (Arnold Cronberg) 4 Teile
10. Briefe an bekannte Publizisten und Historiker; (Manfred Pohl);
11. Das Erbe Peters der Großen - Das „Testament“ des Zaren und seine Verwirklichung;
(Dr. K. Maurer); 3 Teile
12. Das Reichskonkordat vom 20.07.1933; (W. Werner); 3 Teile
13. Das römische Bollwerk an der Weichsel - „Mut zur geschichtlichen Wahrheit“; (Dieter
Wächter); 6 Teile
14. „Dein Reich komme“; Römische Sekten als Werkzeuge der Einwelterrichtung; (Arnold
Cronberg); 3 Teile
15. Denk-, Urteils- und Willenskraft: Grundlagen der Freiheit; Ein Beitrag zum Thema
„Esoterik/Okkultismus“; (Heidrun Münch) 2 Teile
16. Der Hass als Mittel der Ausgrenzung; Über das Buch von Prof. Dr. Shahak: Jüdische
Geschichte, jüdische Religion: Die Last von 3000 Jahren; (Nora Seligmann); 7 Teile
17. Der Trug der Astrologie; (Dr. Mathilde Ludendorff) 3 Teile
18. Der Weg zur Deutschen Einheit; (Walter Löhde); 12 Teile
19. Deutsch sein - Eine geschichtliche und philosophische Betrachtung zur deutschen
Identität; (Hans Binder); 2 Teile
20. Die Deutsche Jugendbewegung; (Kurt Martens); 11 Teile
21. Die Frankfurter Schule; (Ludolf Regensburger); 3 Teile
22. „Die Hand Gottes“ im Ustaschastaat 1941-1945; (Arnold Cronberg); 4 Teile
23. Die Mystik - Anspruch und Wirklichkeit; (Dr. Günther Duda), 2 Teile
24. Die Philosophin und der Feldherr; (Hans Kopp);
25. „Die Zeichen stehen grausenhaft...“; Von Omen, Orakeln, Auguren und ihren
Offenbarungen; (Dr. Günther Duda); 3 Teile
26. Erik Jan Hanussen (1889-1933), Hellseher, SA-Mann, Berater Hitlers; (Prof. Otto
Prokopp); 2 Teile
27. Erinnerungen an 1946; (Kurt Martens); 3 Teile
28. Felix Dahns ausgewählte Romane und Erzählungen; (Gundolf Fuchs); 8 Teile
29. Franklin Delano Roosevelts Weg zum Kriege; (Nora Seligmann); 3 Teile
30. Franz Grillparzer - „ein Dichter der letzten Dinge“; (hermann Weber); 3 Teile
31. Freimaurerei und Menschenwürde; (Dr. Mathilde Fudendorff), 2 Teile
32. Friedrich Schiller und die Revolution seit 1789; (Günther Duda); 3 Teile
33. Gedanken über die Freiheit; (Hans Kopp); 4 Teile
34. Geschichtsforschung im Spannungsfeld; (Dietmar Fange); 2 Teile
35. Geschichtsunterricht: Die Rolle der Ideologen 1932/33; (Günther Duda); 14 Teile
36. „Gott wirkt durch die Menschen“; (Arnold Cronberg); 3 Teile
37.Induziertes Irresein durch Okkultlehren; (Dr. Mathilde Fudendorff); 15 Teile
38.Ist die Bibel ein jüdisches Geschichtsbuch? Geschichte oder Heilsgeschichte? (Emil
Ostertag); 16 Teile
39.Ist die Fudendorffbewegung konservativ?; (Bert Wegener); 3 Teile
40.Ist mit dem Tod alles zu Ende? - Ein schwieriger Vortrag über einen schwierigen
Gegenstand; (Hans Kopp)
41. Klassen- oder Volksdenken - Marx oder Mathilde Fudendorff; (Hans Kopp); 2 Teile
42. Fudendorffs Kampf gegen die Hitler-Diktatur; Eine Dokumentation zu seinem 130.
Geburtstag; (Günther Duda); 7 Teile
43. Mathilde Fudendorffs Auseinandersetzung mit dem Okkultismus; (H.B.), 3 Teile
44. Multikulturelle Gesellschaft oder Völkervielfalt?; (Karl Grampp); 2 Teile
45. Nationalsozialismus und Romkirche; Zum 120. Geburtstag Erich Fudendorffs; (Dieter
Wächter); 6 Teile
46. Qmnia instaurare in Christo; (Alles in Christus erneuern); Kann Papst J.P. II. sittliche
Freiheit und Menschenwürde beleben?; (Dieter Wächter); 11 Teile
47. „Polen - Dein Untergang liegt in Rom!“ - Zadruga und Fudendorff-Bewegung; (Hans
Kopp und Stanislaw Potrzebowski); 2 Teile
48. Religiöser Glaube und Politik; (Arnold Cronberg); 2 Teile
49. Roms religiöses Weltmachtstreben; (Arnold Cronberg); 6 Teile
50. Schule als Staatsaufgabe; (Heinrich Bodner); 2 Teile
51. Seele und Materie; (Dietrich Cornelius); 3 Teile
52. Seelenabrichtung durch Magie und Kult; Von freimaurerischem und anderem
Herrschaftswissen; (Günther Duda); 7 Teile
53. „Sie sind kein Deutscher, denn Ihre Heimat ist Rom, Ihr Vaterland ist die Kirche“; Was
verantwortungsbewusste Menschen wissen sollten; (Walther Werner); 4 Teile
54. Staat und Volk; (Fudolf Regensburger); 2 Teile
55. Suggestion und Seelenmißbrauch im Dienst politischer Machenschaften; (Franz von
Bebenburg), 2 Teile
56. Tibet ist überall - Seelenkranke als Orakelpriester - Zur Erklärung okkulter Phänomene;
(Hans Binder), 2 Teile
57. Über den Umgang mit Geschichte; (Hedwig Sachs); 2 Teile
58. Über Feme- und Opfermorde oder „Fudendorff und der Verfolgungswahn“; (Arnold
Cronberg), 3 Teile
59. Und immer leiden die Menschen und Völker; Polen als Werkzeug und Opfer
christkatholischen Weltmachtstrebens; (Walther Werner); 7 Teile
60. Unsere Kinder in Gefahr - Seelenmißbrauch an der verletzten Kinderseele; (Dr.
Mathilde Fudendorff); 4 Teile
61. Unser Marxismus - eine unserer Verirrungen; (Kurt Martens); 17 Teile
62. Versuche der Kriegsvermeidung; (Karl Münch); 3 Teile
63. Vom Denken in der griechischen Antike bis zur Gegenwart; (Johanna Beck); 2 Teile
64. Vom Wesen der Freiheit; (S. Körte); 2 Teile
65. Vom Wesen der Kultur; (G.M.);
66. Von Luther zu Ludendorff; (wichtig), 14 S.
67. Vor 60 Jahren bolschewistische Revolution in Rußland; (Gerhard Müller); 3 Teile
68. Vor 70 Jahren-Zum 9.11.1923; (Hans Kopp); 2 Teile
69. Vorgeschichtsforschung und Völkerpsychologie; (Fritz Köhncke); 4 Teile
70. Weltreligionen oder Gotterkenntnis; (Karl Münch); 2 Teile
71. Westliche Kreuzugspropaganda gegen „Diktaturen“ 1904-1991; (Arnold Cronberg); 5 T.
72. Wider das geschichtliche Vergessen! „Hitlers Verrat der Deutschen“; (Arnold Cronberg);
2 Teile
73. Wie Rom „vorgestern“ Menschenwürde und Freiheit hütete - Zur Vertreibung der
Salzburger Protestanten vor 250 Jahren; (Walther Werner); 3 Teile
74. Versuche der Kriegsvermeidung; (Karl Münch); 3 Teile
75. Vorgeschichtsforschung und Völkerpsychologie; (Fritz Köhncke); 4 Teile
76. Zionismus - gestern und heute; (G.D.); 5 Teile
77. Zur Erforschung des Terrorismus; (Dr. K. Maurer) 4 Teile
78. Zur Kulturpolitik von heute; (Günther Duda);
79. Zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges; (Fritz Köhncke); 3 Teile